Der Kampf um den Sonntag
Nachdem in letzter Zeit fast alle Prozesse gegen verkaufsoffene Sonntage gewonnen wurden, geht der Einzelhandel in die Offensive. Warenhausmanager erklärten die Gründung einer Initiative "Selbstbestimmter Sonntag", deren Ziel die Freigabe des Sonntags als Verkaufstag ist. Einzelhandel und Kunden müssten nicht bevormundet werden, so die Begründung. Ein Argument, das Wirkung entfalten könnte, denn niemand will sich bevormunden lassen, alle wollen größtmögliche Freiheit.
Auch immer mehr Katholiken setzen sich nicht mehr für den Schutz des Sonntages ein. So mancher Stadtdechant stimmt Genehmigungsverfahren einfach zu. Man möchte schließlich nicht immer Spaßbremse sein, der Einzelhandel habe auch seine Nöte und außerdem werden wir Christen immer weniger, so die Begründungen. Scheinbar hat man sich vielerorts bereits von den unter 65-Jährigen als Sonntagsmessgänger verabschiedet.
Schon jetzt arbeitet jeder Vierte am Wochenende. Wenn der Einzelhandel rund um die Uhr öffnet, werden mittelfristig auch die Erzieherinnen sieben Tage die Woche arbeiten müssen. Warum sollten dann andere Dienstleistungen geschlossen bleiben? Letztlich wird der Sonntag zu einem ganz normalen Werktag. Dann werden viele Familien nicht gemeinsam am Sonntag einkaufen können. Auch der Zuschlag, der die Wochenendarbeit für viele attraktiv macht, wird Vergangenheit sein. Gar nicht zu sprechen von Zeit mit Familie, für Ehrenamt oder Sonntagsgottesdienst - Grundlagen unserer Gesellschaft - und von einer Arbeitswelt, in der sich heute schon viele überfordert fühlen.
Es kann Sinn machen, aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen Regeln anzupassen. Aber wir sollten mit Sorgfalt prüfen, was am Ende den Menschen wirklich dient. Wo Menschen von Freiheit reden, die zuerst einmal Geld verdienen wollen, ist Skepsis angebracht. Am Ende könnten wichtige Errungenschaften vernichtet werden. Ich plädiere dafür, Freiheit anders zu definier: Als Recht auf einen regelmäßigen Tag der Freiheit von Arbeit, der Freiheit sich auszuruhen. Dies ist im Artikel 139 unseres Grundgesetzes verankert und darf nicht weiter ausgehöhlt werden. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.