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Ökumenische Fachtagung zu Migrationswort der Kirchen

Erzbischof Heße fordert "ethischen Kompass" bei Migrationsfragen

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Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Gespräch
Berlin - Gerade bei Fragen der Migration gebe es die Versuchung, "den Nächsten gering zu schätzen und seine Bedürfnisse auszublenden", sagt Flüchtlingsbischof Stefan Heße. Menschenrechtliche Standards seien im Zweifelsfall höher zu gewichten als andere Güter.

Insbesondere bei Migrationsdebatten braucht es nach den Worten von Hamburgs Erzbischof Stefan Heße einen "krisenfesten ethischen Kompass". Bei Fragen von Flucht und Migration gebe es eine große Versuchung, "den Nächsten gering zu schätzen und seine Bedürfnisse auszublenden", sagte er am Donnerstag bei einer digitalen Veranstaltung. "Wir erleben das gerade auf sehr bedrückende Art und Weise an den Außengrenzen im Osten der EU." Heße äußerte sich im Rahmen einer ökumenischen Fachtagung zu dem im Oktober veröffentlichten Migrationswort der Kirchen.

Die Werte, aufgrund derer die Würde von Schutzsuchenden verteidigt werde, dürften "keine Schönwetterveranstaltung" sein, erklärte der Erzbischof, der auch Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Sie müssten sich in der Realität "als lebbar und lebensnotwendig" erweisen. Die Suche nach Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden verbinde alle Menschen auf der ganzen Welt, sagte Heße. Die Corona-Pandemie habe zudem gezeigt, dass sie vor allem die vulnerablen Gruppen mit voller Härte treffe.

Missachtung der Menschenwürde lasse sich "niemals" legitimieren

In ihrem "Gemeinsamen Wort" unter dem Titel "Migration menschenwürdig gestalten" plädieren die beiden großen Kirchen in Deutschland für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Der 214 Seiten lange Text wurde in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) geschrieben. In sieben Kapiteln ordnen die Autorinnen und Autoren die aktuelle Situation in der Migrations- und Integrationspolitik ein und definieren Aufgabenstellungen für die Kirche.

Mit Blick auf das Papier erklärte Heße, dass sich "niemals" legitimieren lasse, wenn die Menschenwürde missachtet und Schutz angesichts von Gefahren für Leib und Seele verweigert werde. "Grundlegende menschenrechtliche Standards sind im Zweifelsfall höher zu gewichten als andere Güter."

Es könne und müsse darüber gestritten werden, wie humanitäre Flüchtlingspolitik konkret gestaltet werden soll, sagte der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. "Und solche Debatten über kontroverse Positionen können meiner Meinung nach letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr fördern als der Verweis auf vermeintliche Alternativlosigkeiten." (cbr/KNA/epd)

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