Humanitäre Lösung für Geflüchtete an Grenze zu Polen gefordert

Erzbischof Heße: Belarussisches Regime missbraucht Leiden der Menschen

Aktualisiert am 17.11.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Angesichts der dramatischen Lage an der polnisch-belarussischen Grenze kritisiert Flüchtlingsbischof Stefan Heße das belarussische Regime: Es handele "nach Art von Schleusern". Deutschland und die EU müssten sich jetzt für die Menschen einsetzen.

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Der Hamburger Erzbischof und katholische Flüchtlingsbischof Stefan Heße hat den Umgang der belarussischen Regierung mit den Migranten an der polnisch-belarussischen Grenze scharf kritisiert. "Man kommt um die Einsicht nicht herum: Die skrupellose Regierung von Belarus hat es geschafft, die Europäische Union und besonders unsere polnischen Nachbarn in eine politisch schwer auflösbare Situation zu manövrieren", sagte Heße laut Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch. "Nach Art von Schleusern" habe die Regierung Tausende schutzlose Menschen in die Grenzregion gebracht und sie dort "stranden lassen". "Dies ist ein unglaublicher Missbrauch der Leiden von Menschen, die – nach allem, was sie bereits erlebt haben – zu Opfern eines machtpolitischen Ränkespiels herabgewürdigt werden", so Heße.

Der Erzbischof appellierte an die Bundesregierung und die Europäische Union, sich für eine humanitäre Lösung der Notlage einzusetzen und die Belange der Geflüchteten nicht zu missachten. "Wenn die andere Seite die Prinzipien der Humanität mit Füßen tritt, müssen wir erst recht für den Schutz der Menschenwürde einstehen. Sonst verlieren auch wir unsere moralische Integrität." In diesem Zusammenhang kritisierte der Flüchtlingsbischof die gewaltsame Zurückdrängung der Migranten. "Sie werden dazu gezwungen, im Grenzgebiet herumzuirren, werden der Kälte und dem Elend preisgegeben. Wer eine solche Notlage befördert oder billigt, missachtet europäische Grundwerte."

Polen habe Anspruch auf Solidarität

Polen habe den Anspruch auf die Solidarität der anderen EU-Mitgliedsstaaten, da es durch das "zynische Spiel" des belarussischen Regimes bedrängt werde. Dazu gehöre auch die Bereitschaft europäischer Staaten, schutzbedürftige Menschen aufzunehmen.

Seit Monaten versuchen Menschen von Belarus aus nach Westeuropa zu gelangen. Die EU wirft dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko vor, Migranten absichtlich aus Krisengebieten einzufliegen, um sie an die gemeinsame Grenze zu schleusen. Als Reaktion auf Sanktionen gegen sein Land hatte er mitgeteilt, Menschen auf ihrem Weg zu einem besseren Leben im "gemütlichen Westen" nicht mehr aufzuhalten. Polen und Litauen haben in den vergangenen Monaten Tausende Grenzübertritte gemeldet. Deutschland gilt als ein Hauptziel der Migranten. (cbr)