Hamers widerspricht Welskop-Deffaa zu Linkspartei und Soziallehre
Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, widerspricht Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa mit Blick auf ihre Einschätzung der Linkspartei. "Die Linkspartei hat eine fragwürdige Haltung zur sozialen Marktwirtschaft und derzeit in Berlin ein massives Problem mit innerparteilichem Antisemitismus", schrieb Hamers in einem online vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die Zeitschrift "Christ in der Gegenwart" von Freitag. Eine Kirche, die von ihren Grundlagen her argumentiere, könne darüber nicht hinweggehen.
Welskop-Deffaa hatte sich jüngst in einem "Christ in der Gegenwart"-Interview geäußert – nach Meinung Hamers' zu unkritisch. Schließlich sei die Linkspartei die "Rechtsnachfolgerin der Partei, die für die zweite Diktatur auf deutschem Boden, für Unfreiheit und die Toten an der innerdeutschen Grenze verantwortlich war".
Verantwortung nicht rein kollektiv
Auch gehen die Ausführungen der Caritas-Präsidentin zur katholischen Soziallehre im selben Interview seiner Meinung nach in die falsche Richtung, weil sie neben den Prinzipien der Subsidiarität und der Solidarität die Personalität ausblendeten. Die katholische Soziallehre halte die Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft. Es gehe nicht darum, dem Einzelnen jede Verantwortung abzunehmen, "sondern um einen Staat, der die Initiative der Bürger wertschätzt, eine Zivilgesellschaft, die in der Lage ist, Bindungen zu schaffen und Kräfte für den Dienst am Gemeinwohl zu mobilisieren", so Hamers.
"Subsidiarität ist nicht zuvörderst ein Konjunkturprogramm für professionelle, staatlich refinanzierte Wohlfahrtsverbände und schon gar nicht eine Rechtfertigung für überbordende Sozialausgaben des Staates, sondern will die Initiative und die Verantwortung des Einzelnen für sich und für das Gemeinwohl ermöglichen", betonte der Jurist und Theologe. Die Verantwortung des Einzelnen sei nicht allein eine kollektive Verantwortung, "sondern sie beginnt bei der Verantwortung für sich selbst, ohne sich darauf zu beschränken", schrieb Hamers.