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Gastbeitrag von Buchautor und Pfarrer Thomas Frings

Karfreitag und Ostern: Von der Stille zum lauten Gloria

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Der Eingang zu einer Felshöhle
Bonn - Karfreitag ist leicht zu glauben, aber schwer zu feiern – Ostern dagegen ist schwer zu glauben, aber gerade deswegen gut zu feiern: Buchautor Thomas Frings hat die beiden Feiertage für katholisch.de einer näheren Betrachtung unterzogen.

Es gibt sage und schreibe 19 Tage, an denen in verschiedenen deutschen Bundesländern ein Tanzverbot gilt. Hessen ist der Spitzenreiter mit allein 8 Tagen, die es nur in diesem Land gibt. Der Volkstrauertag, der Totensonntag und der Karfreitag sind hingegen die einzigen Tage mit einem bundesweiten Verbot. Was diese Tage miteinander verbindet ist das Gedenken des Todes. Ein jährlich wiederkehrendes Aufbegehren dagegen gibt es jedoch nur gegen den Karfreitag, obwohl auch der Totensonntag ein evangelischer und somit kirchlicher Gedenktag ist. Dieser und der Volkstrauertag hingegen erinnern an eine unüberschaubare Anzahl von Verstorbenen, während am Karfreitag nur einer Person gedacht wird: Jesus von Nazareth.

Karfreitag: Leicht zu glauben, aber schwer zu feiern

Angesichts einer wachsenden Anzahl von Menschen, in deren Leben der Glaube an diesen Jesus keine Rolle mehr spielt, kann ich das Aufbegehren sogar verstehen, selbst wenn mir die Stille dieses Tages wichtig ist. Jetzt zu argumentieren, dass ein Tag mit mehr Stille allen Menschen mal gut tut und es diese nur gibt, wenn sie von allen eingehalten wird, das überzeugt nicht. Das berührt auch nicht den Kern des Karfreitages. Wer an diesem Tag nicht des Leidens und Sterbens des Gottessohnes gedenkt, für den ereignet sich auch kein bedenkenswertes Drama. Was bleibt ist der Tod eines Menschen und warum sollte deswegen das öffentliche Leben heruntergedimmt werden? Was allen Menschen schließlich bevorsteht ist nun einmal der Tod. So gesehen ist der Karfreitag ein historisches Geschehen und der Glaube ist an diesem Tag nicht besonders gefordert.

Der Karfreitag ist leicht zu glauben, aber schwer zu feiern und das sagen auch die Zahlen der Christen, die an diesem Tag einen Gottesdienst besuchen – sie hält sich in Grenzen!

Thomas Frings im Porträt
Autor Thomas Frings.

Wie anders schaut es dann jedoch einige Stunden später aus! Ein Vielfaches der Menschen vom Karfreitag versammelt sich zu einer ungünstigeren Zeit in der Nacht zu Sonntag zu einem Gottesdienst, der doppelt so lange dauert. Sie feiern Ostern, die Auferstehung dessen, zu dessen Todesgedenken sie meistenteils nicht gekommen sind. Was sich in dieser Feier jedoch Bahn bricht ist, anders als am Vortag, der Glaube an die Auferstehung und ein ewiges Leben. Wir werden Zeugen auch von einem kulturellen Verhalten der Menschen, denn auf das, was uns übersteigt, reagieren wir mit einem Fest.

Ostern: Schwer zu glauben, aber umso besser zu feiern

Jetzt, im Osterfest, kommt der Glaube ins Spiel, viel stärker als am Vortag, dem Karfreitag. Dass Jesus gestorben ist muss ich nicht glauben, denn es ist eine historische Tatsache. Dass er von den Toten auferstanden ist, das hingegen fordert mich heraus zu einem einzigartigen Glaubensakt! Warum wir darauf mit einem Fest reagieren, lässt sich gut an der Hochzeit zweier Menschen ablesen, unabhängig davon, ob sie in der Kirche heiraten oder nicht. Auch das Versprechen ewiger Liebe unterliegt allein einem Akt des Glaubens, dem sich das Paar unterwirft und dieses Tun mündet in einem Fest. Da Ostern so schwer zu glauben ist, ist es um so besser zu feiern!

Mit das Beste am Karfreitag ist die Stille und rund um den Gottesdienst zeigt sie sich durch das Schweigen der Glocken und Instrumente. Ostern erweckt sie wieder zum Leben mit dem in der Feier angestimmten Gloria. Der Glaube entlädt sich im Fest und wird leichter in der Feier.

Buchtipp

Thomas Frings: Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn. Verlag Herder, Freiburg 2019, 192 Seiten, 20 Euro. ISBN: 978-3-451-38026-6.

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