Suche
Stefan Orth über die Aktivitäten liberaler Muslime

Mehr Sichtbarkeit eines aufgeklärten Islam

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Stefan Orth über die Aktivitäten liberaler Muslime

Die Situation bleibt schwierig. Manchester, Teheran, London: Erst zuletzt hat es wieder eine ganze Reihe von Anschlägen mit islamistischem Hintergrund gegeben. In den kommenden Monaten wird man mit Weiteren rechnen müssen – und auch in Deutschland könnte es wieder dazu kommen. Dabei geht es inzwischen nicht mehr allein darum, dass Terrororganisationen mit Sitz im Nahen Osten einzelne Länder "ins Visier" nehmen. Nicht minder problematisch sind hier aufgewachsene, von extremen Salafisten radikalisierte, junge Männer und Frauen, die Gewalt ausüben.

Angesichts der diffusen Lage ist den Vertretern der konservativen Islamverbände zuzugestehen, dass sie immer wieder jegliche Gewalt verurteilt haben. Und erst jüngst hat der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad al-Tayyeb, auf dem Berliner Kirchentag vorgeschlagen, dass einmal rund um das Mittelmeer gemeinsam die Glocken geläutet und von den Muezzinen zum Frieden gerufen werden sollte. Das wird jedoch offenkundig weder in allen Moscheegemeinden noch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft hinreichend gehört.

Umso wichtiger sind da die gegenwärtigen Aktivitäten liberaler Muslime. Am Freitag soll in Berlin eine neue Moschee eröffnet werden, für die sich die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates engagiert. Und die Religionspädagogin und Publizistin Lamya Kaddor hat für Samstag in Köln zu einer Kundgebung mit dem Motto "Nicht mit uns" aufgerufen, um gegen die Instrumentalisierung des Islam durch die Gewalttäter und für eine offene Gesellschaft zu demonstrieren.

Bisher sind diese Stimmen, die auch für die schweigende Mehrheit der Muslime in diesem Land sprechen wollen, zu leise gewesen – weil es letztlich auch nur Einzelne mit unterschiedlichen Interessen waren. Auch die Verbandsvertreter agieren oft genug zu zaghaft. Umso gespannter darf man darauf sein, ob die bekennenden liberalen Muslime in Zukunft zahlreicher werden und mehr Sichtbarkeit erlangen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node3 (0.013s)