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Standpunkt

Sorge um Palästina ist kein Judenhass

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Ein Kommentar von
Oliver Wintzek
Eine Kippa mit einem Davidstern liegt auf der Straße in einer Pfütze
Mainz - Völkischen Nationalismus gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Israel, kommentiert Oliver Wintzek. Kritik daran sei aber kein Antisemitismus.

Judenhass ist ein absolutes No-Go, genau wie alle völkisch motivierte Menschenverachtung – egal aus welcher politischen Richtung. Wer in Bezug auf das Gedenken der Schoa wie Hans-Thomas Tillscheider, der neu gewählte stellvertretende Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt und Mitbegründer des rechtsextremistischen Flügels der AfD, von "Schuldkult" spricht, ist Antisemit. Ihm wurden die Flügel gestutzt, als ihm in einem Akt vorbildlicher Zivilcourage von Ron Dekel, dem Präsidenten der jüdischen Studierendenunion Deutschlands, und weiteren Couragierten der Zugang zur Synagoge in Halle verwehrt wurde. Laut des Verfassungsschutzes steht Tillschneider für rassistische Forderungen, Menschen würden aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Identität abgewertet, was sich durch Morddrohungen an den Held*innen von Halle leider bewahrheitet. "Es ist statistisch belegt, dass rechtsextremer Antisemitismus, wie wir ihn von der AfD erfahren, die größte Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland darstellt", so Dekel.

Ein Blick auf den nationalistischen Extremismus in Israel selbst: Fakt ist, dass Minister im Kabinett Netanjahu, Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, völkischem Gedankengut huldigen. Der Publizist und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, betont: "Solidarität mit Palästinensern ist kein Antisemitismus." Richtig! Ebenso äußerte mir gegenüber Deborah Kemper, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mannheim: "Kritik an Netanjahu, Ben-Gvir und Smotrich ist mir herzlich willkommen!"

Es braucht Differenziertheit, denn Kritik an der nationalistischen Politik Israels ist kein Judenhass. Dem Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, ist angesichts der Siedlerbewegung Gehör zu schenken: "Die Palästinenser haben das Recht, sich als Volk zu fühlen und einen eigenen Staat zu haben." Dies festzustellen, sei ein Akt der Gerechtigkeit. Auch Papst Leo XIV. appellierte, die Gewalt zu beenden und sich dafür einzusetzen, "dass eine Zwei-Staaten-Lösung zugunsten eines gerechten und dauerhaften Friedens vorankomme". Bei den anstehenden Wahlen in Israel wird es zum Schwur kommen. Völkisches Gedankengut ist inhumanes Gift – Überall!

Der Autor

Oliver Wintzek ist Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Katholischen Hochschule in Mainz. Zugleich ist er als Kooperator an der Jesuitenkirche in Mannheim tätig.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.

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