Woelki fordert Gastfreundlichkeit wie bei WM 2006
Deutschland habe damals wie auch beim Kölner Weltjugendtag ein Jahr zuvor gezeigt, dass es einladend und gastlich sein sowie Herausforderungen bewältigen könne. Woelki beklagte erneut, dass Tausende Menschen auf dem Weg nach Europa ihr Leben lassen müssten. "Täglich müssen wir innehalten und der Toten gedenken", so der Kardinal. Dabei vermissten die Flüchtlinge Angehörige, Freunde und den "Duft ihrer Heimat". Heimatlosigkeit sei ein Schicksal, "das gewendet werden muss".
Bund will sich stärker an Kosten beteiligen
Der Erzbischof äußerte sich bei einem Gottesdienst zum 100-Jahr-Jubiläum der Kölner Caritas. Diese habe in ihrer Geschichte viel Gutes bewirkt, sagt Woelki und verwies auf die Dienste etwa für Flüchtlinge, Behinderte, Menschen aus bildungsfernen Schichten oder Obdachlose. Als eine dringende Aufgabe bezeichnete es der Kardinal, junge Menschen für soziales Engagement zu gewinnen.
Mögliche Konsequenzen aus den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer waren am Freitag auch im Bundestag ein Thema. Die Opposition forderte die Bundesregierung auf, sich innerhalb der EU stärker bei der Seenotrettung im Mittelmeer zu engagieren. Es brauche eine "effektive, koordinierte europäische Seenotrettung" sowie ein einheitliches, menschenwürdiges Aufnahmeverfahren, sagte der Menschenrechtsexperte der Grünen, Tom Koenigs. "Hoffentlich kommen wir bald zu einem Ergebnis". Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) räumte ein, dass bislang noch kein einheitliches europäisches Asylsystem gelungen sei; dabei sei es dringend notwendig.
Bereits am Donnerstagabend hatten Bund, Länder und Kommunen bei einem Spitzentreffen in Berlin vereinbart, dass der Bund zur Bewältigung der steigenden Flüchtlingszahlen seine Hilfen für Länder und Kommunen aufstockt. Ab 2016 will er sich dauerhaft an den Kosten beteiligen. Die sogenannte "pauschale Hilfe" soll im laufenden Jahr auf eine Milliarde Euro verdoppelt werden. Am Donnerstag (18. Juni) findet in Berlin ein großer Flüchtlingsgipfel statt. (gho/KNA)
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki lädt für kommenden Freitag, 19. Juni ab 19.30 Uhr zu einem Solidaritätsabend für Flüchtlinge auf dem Kölner Roncalliplatz ein. Herzstück ist eine ökumenische Gedenkfeier. Außerdem findet eine Podiumsdiskussion statt, an der sich unter anderem Rupert Neudeck, Gründer der Flüchtlingshilfe von Cap Anamur, und Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon beteiligen. Außerdem gibt es auf dem Platz Informationen zu Flüchtlingen. Live-Musik und ein internationales Buffet runden den Abend ab, dessen Erlös in die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer fließt. Katholisch.de begleitet den Abend mit einem umfangreichen Dossier zu der Thematik (gho).