Der Ruf Jesu nach unserer ganzheitlichen Antwort
Impuls von Schwester Johanna Domek
Auch wenn jeder Mensch Ja wie auch Nein sagen kann, gibt es Menschen, bei denen spontan eher ein "Ja" und andere, bei denen das "Nein" kommt. Da spielt vieles mit, wie beispielsweise der Charakter, die Biographie, die Situation, die Person des Gegenübers.
Unser Ja oder Nein hat spontan oft sehr gemischte Gründe. Aber im Gleichnis Jesu geht es nicht um Spontaneität, sondern um Entscheidung und Entschiedenheit. Es geht um das, was Gott will, und um das, was ich will, und um den Zugang zum Reich Gottes.
Oft habe ich Menschen sagen hören: "Das habe ich doch nicht gewollt." Nicht immer ist einem auf den ersten Blick klar, was man will. Es wäre klug, gelegentlich im Lauf der Dinge, im Fluss des Geschehens eine Unterbrechung einzulegen und mich zu fragen, was ich wirklich will.
Wir alle können uns verlaufen oder versprechen, wie die beiden Söhne in der Geschichte, sagen, was wir nicht wirklich meinen. Vermutlich wird bei jedem hin und wieder Kurskorrektur nötig sein. Die ist ja auch immer wieder möglich.
Aber im Gleichnis Jesu geht es um noch mehr, nämlich darum, zu tun, was man entschieden und gesagt hat. Das Gleichnis mahnt mich, das zu sagen, was ich auch tun werde und das zu tun, was ich gesagt habe. Die Antwort, die ich gebe, soll stimmig, ganzheitlich sein. Sie soll ganz sein, Wort und Tat, Herz und Hand haben.
Dass meine Worte, meine Lebensantwort nicht die halbherzige Antwort eines hin- und hergerissenen Menschen wird, kann ich jeden Tag einüben, in den Worten, die ich sage, und den Antworten, die ich gebe. Selbst, ja vielleicht vor allem, in den Gedanken, die ich bewege und von denen ich mich in meinem Handeln bewegen lasse. Eine Gelegenheit nach der andern wird sich da anbieten.
Benedikt von Nursia (480-547) schrieb in seiner Ordensregel einen Abschnitt darüber, wie die Mönche sich beim Gebet verhalten sollen. Gebet meint für Mönche der Kern allen Tuns. Er schließt: "Stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme in Einklang sind." (RB 19)
Das Gleichnis Jesu lädt uns ein, als ganze Menschen, ganzheitlich zu leben. Wollen zu können, ist der Anfang, doch ohne dass wir auch sagen und tun, was wir wollen, werden wir nicht weit kommen. Den Zugang zum Reich Gottes hat Jesus uns eröffnet, wie nie einer zuvor. Aber hindurchgehen müssen wir selbst mit Leib und Seele, Haut und Haar, mit Herz und Tat. Die Tür ist geöffnet, hindurchgehen können wir nur als ganze Menschen, ganzheitlich.
Evangelium nach Matthäus (Mt 20,28–32)
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr - und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.
Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.