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Schwester Jakoba Zöll über das Sonntagsevangelium

Die jesuanische Art zu streiten

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Olpe - Hat Petrus die freie Lizenz zum (Ver-)Urteilen erhalten? Schwester Jakoba Zöll schaut sich Jesu Erklärung genauer an – und entdeckt darin einen anspruchsvollen Auftrag an alle Christen.

Impuls von Schwester Jakoba Zöll

"Wenn aber dein Bruder sündigt" … ein realistischerer Einstieg in ein Evangelium findet sich wohl selten. Wir alle können uns vermutlich ohne Probleme zahlreiche Situationen in Erinnerung rufen, in denen wir Zeuginnen und Zeugen fragwürdigen Verhaltens unserer Mitchristen geworden sind.

Die Reaktion, die uns zumeist am leichtesten über die Lippen geht, ist Abwertung und Verurteilung. Schnell sind wir in Kirche und Gemeinde dabei, mit Endgültigkeit zu verurteilen, von "unverzeihlichen" Positionen und Aussagen zu sprechen, "Todsünden" zu benennen und zu "exkommunizieren" und "auszuschließen" aus dem Katholischen.

Vielleicht hängt uns da unbewusst das Sonntagsevangelium von vor zwei Wochen noch in den Ohren, in dem Jesus Petrus zusagt: "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein." (Mt 16,19)

Aber im heutigen Evangelium lässt Matthäus Jesus aufzeigen, dass die Zusage an Petrus in Caesarea gerade nicht so gemeint ist. Es geht nicht um Endgültigkeit im Urteilen, es geht nicht um ein Zuschließen mit unverzeihlichem Sündenregister in der Hand.

Vielmehr zeigt Jesus uns auf, dass es um ein Bemühen dem Anderen gegenüber geht. Die aus unserem Blick begangene Sünde soll in Liebe aufgezeigt werden, sie sollen gemeinsam mit dem Gegenüber angesprochen, besprochen, diskutiert werden. Es geht um ein gemeinsames Ringen um die richtige Art zu leben, um ein gemeinsames diskutieren der Nachfolge.

Findet sich im privaten Gespräch keine Lösung, sollen zwei oder drei Vertraute hinzugezogen werden, findet sich erneut keine Lösung, soll das Gespräch in den Raum der Gemeinde getragen werden. Erst wenn sich auch hier keine einvernehmliche Lösung finden lässt, besteht als letzter Ansatz die Möglichkeit zum Ausschluss. Und selbst hier geht es nicht um Endgültigkeit, denn die Betroffenen sollen wie Heiden und Zöllner behandelt werden. Und Jesu Umgang mit Zöllnern, Sündern und Heiden dürfte allseits bekannt sein…

Die Perikope endet damit, dass Jesus, leicht abgewandelt, an alle Jünger gerichtet, die Petrus-Zusage wiederholt: "Was immer ihr auf Erden binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was immer ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein." So ist der Bogen deutlich zu erkennen, von Caesarea zum heutigen Evangelium. Matthäus lässt Jesus seine eigene Zusage erklären und, nur nebenbei gesagt, auf alle Jüngerinnen und Jünger ausweiten.

Und wir? Wir können mit diesem Evangelium unser eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen. Sind wir schnell dabei, Verhalten, Meinungen und Statements von Mitchristen zu verurteilen? Sind wir in den Auseinandersetzungen in Kirche und Gemeinde so zugewandt, liebevoll und dialogfreudig wie Jesus es uns hier vorgibt?

Ich lade Sie ein, das in der vor uns liegenden Woche einmal bewusst zu versuchen.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 18,15–20)

Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde.

Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.

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