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Schwester Christine Klimann über das Sonntagsevangelium

Wer will schon schuldig sein?

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Rom - Die schiere Unverhältnismäßigkeit des Gleichnisses macht die Identifikation mit dem verschuldeten Diener nicht einfach. Was hat der nur angestellt? Für Schwester Christine Klimann drängt sich hingegen eine ganz andere Frage auf.

Impuls von Schwester Christine Klimann

Eine Mücke und ein Elefant, ein Bergdorf und eine Millionenstadt, eine Wasserpfütze und der Starnberger See – es gibt verschiedene Bilder, um einen immensen Größenunterschied auszudrücken. Jesus verwendet das Bild vom Geld: 100 Tageslöhne und eine Summe Geld, die die Vorstellungskraft übersteigt.

Eine Unverhältnismäßigkeit, die es unbegreiflich macht, dass der eine Diener dem anderen den Schuldenerlass verweigert. Eine Unverhältnismäßigkeit aber auch, die es nicht ganz einfach macht, sich mit dem Diener zu identifizieren. Habe ich wirklich eine so unvorstellbare Schuld auf mich geladen, dass ich eine so unvorstellbare Vergebung brauche?

Ich glaube, dass dieses Gleichnis unser westliches Lebensgefühl kränkt. Wir sind es gewohnt, uns das, was wir brauchen, zu verdienen. Wir sind es gewohnt zu rechnen. Wir stehen gerne auf eigenen Beinen und fühlen uns unwohl, wenn wir etwas annehmen müssen, was wir nicht zurückzahlen können. Ein solides Fundament zu haben bedeutet, finanziell unabhängig zu sein – und davon ist unser Lebensgefühl so geprägt, dass es auch in den spirituellen Bereich hineinschwappt.

Und dann erzählt uns Jesus, dass wir so abhängig sind von Gott und seiner Vergebung, dass die Zahl, die er als Vergleich anführt, in Euro umgerechnet, am Display meines Taschenrechners gar nicht Platz hat. Was für eine Kränkung – vor der ich mich schütze, indem ich mich frage, was der Diener wohl angestellt haben mag, dass sein Herr ihm so viel vergeben muss. Oder anders gesagt: Mich so schuldig zu fühlen, wie die Logik der Geschichte es nahelegt, gelingt mir beim besten Willen nicht.

Aber vielleicht geht es weniger um die Frage nach der Schuld, als um die Frage, was denn ein solides Fundament im Leben ist. Wirklich die eigene Unabhängigkeit? Die Wahrheit, auf die Jesus mit dem Bild der Unverhältnismäßigkeit verweist, ist eine andere: Meine Anstrengung und mein Verdienst stehen zu dem, was mir geschenkt ist, so wie die 100 Denare zu den 10.000 Talenten.

Dabei sind die Denare nicht nur ein paar Cent, sondern sie sind der rechtschaffene Lohn für die Arbeit, für 100 Tage, für ein ganzes Leben. Jesus sagt nie, dass wir uns auf die faule Haut legen sollen. Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Und doch steht meine Anstrengung zu dem, was mir geschenkt ist – und zwar ohne jede Vorleistung – wie die Mücke zum Elefanten. Mit Paulus kann ich fragen: Was habe ich, was ich nicht empfangen hätte? (1 Kor 4,7).

Lebte ich aus dieser Gewissheit, wäre die Frage nach der Schuld vielleicht nicht so wichtig. Auf jeden Fall aber könnte ich gar nicht anders, als meinen Brüdern und Schwestern aus ganzem Herzen zu vergeben.

Evangelium nach Matthäus (Mt 18,21–35)

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.

Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!

Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.

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