Stundenbuch
O Gott, komm mir zu Hilfe.
Herr, eile, mir zu helfen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. Halleluja.
Herr, öffne meine Lippen.
Damit mein Mund dein Lob verkünde.
Christus, du Heiland aller Welt,
der uns des Vaters Reich verheißt,
dich rühmt vor deinem ew’gen Thron
die große Schar, die niemand zählt.
Sie freun sich deiner Gegenwart
und schauen deine Herrlichkeit;
im Lichte folgen sie dem Lamm
und singen dir das neue Lied.
Wir jubeln über ihren Sieg
und stimmen in ihr Loblied ein.
Gib uns, wenn du einst wiederkommst,
Anteil an ihrer Herrlichkeit.
Herr Christus, dir sei Preis und Ruhm,
der seine Diener herrlich krönt,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Das ist dein Tag, Herr Jesus Christ,
der Tag, von deinem Glanz erhellt,
da du vom Tod erstanden bist
als König der erlösten Welt.
Nun hilf uns aus der Dunkelheit
mit dir ins Reich des Lichtes gehn
und lass dereinst auch unsern Leib
verklärt zum Leben auferstehn.
Ruf uns zu dir, wenn du erscheinst
am großen Tag des Endgerichts,
du Sieger über Welt und Tod,
mit dir zu herrschen, Gott des Lichts.
Dann schauen wir dein Angesicht
und werden deinem Bilde gleich,
und wir erkennen, wie du bist:
an Herrlichkeit und Güte reich.
Die siebenfach dein Geist gesalbt,
erfüllt dein Blick mit Seligkeit;
du führst uns deinem Vater zu
ins Leben der Dreieinigkeit. Amen.
Gewaltig ist dein Name, Herr: mit Herrlichkeit und Ehre hast du deine Heiligen gekrönt und sie als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände.
Psalm 8 · Die Würde des Menschen
Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. (Eph 1,22)
Herr, unser Herrscher,
†
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;
∗
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob,
†
deinen Gegnern zum Trotz;
∗
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger,
∗
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst,
∗
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
∗
hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände,
∗
hast ihm alles zu Füßen gelegt:
all die Schafe, Ziegen und Rinder
∗
und auch die wilden Tiere,
die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
∗
alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
Herr, unser Herrscher,
∗
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Gewaltig ist dein Name, Herr: mit Herrlichkeit und Ehre hast du deine Heiligen gekrönt und sie als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände.
Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Psalm 15 · Wer darf vor Gott hintreten?
Ihr seid zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes. (Hebr 12,22)
Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt,
∗
wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?
Der makellos lebt und das Rechte tut;
†
der von Herzen die Wahrheit sagt
∗
und mit seiner Zunge nicht verleumdet;
der seinem Freund nichts Böses antut
∗
und seinen Nächsten nicht schmäht;
der den Verworfenen verachtet,
∗
doch alle, die den Herrn fürchten, in Ehren hält;
der sein Versprechen nicht ändert,
∗
das er seinem Nächsten geschworen hat;
der sein Geld nicht auf Wucher ausleiht
∗
und nicht zum Nachteil des Schuldlosen Bestechung annimmt.
Wer sich danach richtet,
∗
der wird niemals wanken.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Du hast deinen Heiligen den Pfad zum Leben gezeigt; vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle.
Psalm 16 · Gott allein ist mein Glück
Gott hat Jesus auferweckt und von den Wehen des Todes befreit. (Apg 2,24)
Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
†
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr;
∗
mein ganzes Glück bist du allein.“
An den Heiligen im Lande, den Herrlichen,
∗
an ihnen nur hab’ ich mein Gefallen.
Viele Schmerzen leidet, wer fremden Göttern folgt.
†
Ich will ihnen nicht opfern,
∗
ich nehme ihre Namen nicht auf meine Lippen.
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
∗
du hältst mein Los in deinen Händen.
Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu.
∗
Ja, mein Erbe gefällt mir gut.
Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
∗
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
∗
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
∗
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis;
∗
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
†
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
∗
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Du hast deinen Heiligen den Pfad zum Leben gezeigt; vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle.
Jubelt dem Herrn, ihr Gerechten.
Den Frommen kommt es zu, Gott zu loben.
Die Erlösten aus allen Völkern
Und ich sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen? Aber niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde konnte das Buch öffnen und es lesen. Da weinte ich sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und es zu lesen.
Da sagte einer von den Ältesten zu mir: Weine nicht! Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen.
Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind.
Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:
Würdig bist du,
das Buch zu nehmen
und seine Siegel zu öffnen;
denn du wurdest geschlachtet
und hast mit deinem Blut
Menschen für Gott erworben
aus allen Stämmen und Sprachen,
aus allen Nationen und Völkern,
und du hast sie für unsern Gott
zu Königen und Priestern gemacht;
und sie werden auf der Erde herrschen.
Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend. Sie riefen mit lauter Stimme:
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde,
Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit,
Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.
Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen:
Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm
gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft
in alle Ewigkeit.
Und die vier Lebewesen sprachen: Amen.
Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.
Wir danken dir, Herr, Gott und Herrscher des Alls, der ist und der war und der sein wird; * du hast deine Herrschaft ergriffen, und die Zeit ist gekommen, deine Knechte und Heiligen zu belohnen.
Danken sollen dir, Herr, all deine Werke, deine Frommen dich preisen. * Du hast deine Herrschaft ergriffen, und die Zeit ist gekommen, deine Knechte und Heiligen zu belohnen.
Lebensgemeinschaft mit der Weisheit
Machtvoll entfaltet die Weisheit ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.
Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, ich suchte sie als Braut heimzuführen und fand Gefallen an ihrer Schönheit.
Im Umgang mit Gott beweist sie ihren Adel, der Herr über das All gewann sie lieb.
Eingeweiht in das Wissen Gottes, bestimmte sie seine Werke.
Ist Reichtum begehrenswerter Besitz im Leben, was ist dann reicher als die Weisheit, die in allem wirkt?
Wenn Klugheit wirksam ist, wer in aller Welt ist ein größerer Meister als sie?
Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere.
Wenn jemand nach reicher Erfahrung strebt: sie kennt das Vergangene und errät das Kommende, sie versteht, die Worte schön zu formen und Rätselhaftes zu deuten; sie weiß im Voraus Zeichen und Wunder und kennt den Ausgang von Perioden und Zeiten.
So beschloss ich, sie als Lebensgefährtin heimzuführen; denn ich wusste, dass sie mir guten Rat gibt und Trost in Sorge und Leid.
Mit ihr werde ich Ruhm beim Volke haben und trotz meiner Jugend vom Alter geehrt sein.
Ich werde als scharfsinniger Richter gelten und in den Augen der Mächtigen Staunen erregen.
Schweige ich, so warten sie in Spannung, spreche ich, so merken sie auf, rede ich länger, so legen sie die Hand auf den Mund.
Mit ihr werde ich Unsterblichkeit erlangen und ewigen Ruhm bei der Nachwelt hinterlassen.
Völker werde ich sorgsam leiten und Nationen werden mir untertan sein.
Schreckliche Tyrannen werden mich fürchten, wenn sie von mir hören; in der Volksversammlung werde ich mich als tüchtig und im Krieg als tapfer erweisen.
Komme ich nach Hause, dann werde ich bei ihr ausruhen; denn der Umgang mit ihr hat nichts Bitteres, das Leben mit ihr kennt keinen Schmerz, sondern nur Frohsinn und Freude.
Als ich dies bei mir überlegte und in meinem Herzen erwog, dass das Leben mit der Weisheit Unsterblichkeit bringt,
die Freundschaft mit ihr reine Freude und die Mühen ihrer Hände unerschöpflichen Reichtum, dass stete Gemeinschaft mit ihr Klugheit bringt und das Zwiegespräch mit ihr Ruhm –, da ging ich auf die Suche nach ihr, um sie heimzuführen.
Die Weisheit, ein Geschenk Gottes
Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten,
oder vielmehr: gut, wie ich war, kam ich in einen unverdorbenen Leib.
Ich erkannte aber, dass ich die Weisheit nur als Geschenk Gottes erhalten könne – und schon hier war es die Klugheit, die mich erkennen ließ, wessen Gnadengeschenk sie ist. Daher wandte ich mich an den Herrn.
Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; * ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor.
Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf. * Ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor.
Lasst uns hineilen zu den Brüdern, die uns erwarten
Wozu dient den Heiligen unser Lob, wozu unsere Verherrlichung, wozu dieses ganze Hochfest? Was sollen ihnen irdische Ehren, da doch der Vater im Himmel sie ehrt, wie der wahrhaftige Sohn versprochen hat? Was soll ihnen unser Lobpreis? Die Heiligen brauchen unsere Ehren nicht. Unsere Frömmigkeit gibt ihnen nichts. Offenbar steht es in unserem, nicht in ihrem Interesse, dass wir ihrer gedenken und sie ehren. Ich gestehe, dass mich starkes Verlangen erfasst, wenn ich das bedenke.
Das aber ist das erste Verlangen, das die Gedächtnisfeier der Heiligen in uns erweckt oder verstärkt: dass wir ihre ersehnte Gemeinschaft erlangen und Mitbürger und Zeltgenossen der seligen Geister sein dürfen, dass wir uns unter die Schar der Urväter, die Reihe der Propheten, die Ratsversammlung der Apostel, das große Heer der Märtyrer, die Schar der Bekenner und die Chöre der Jungfrauen mischen dürfen, dass wir, mit allen Heiligen versammelt, an ihrer Freude Anteil gewinnen. Jene Gemeinde der Erstgeborenen vgl. Hebr 12,23 erwartet uns, und wir denken nicht daran. Die Heiligen verlangen nach uns, aber wir unterschätzen es. Die Gerechten warten auf uns, und wir beachten es nicht.
Brüder, wir wollen endlich aufwachen und aufstehen mit Christus, suchen, was droben ist, und den Sinn darauf richten vgl. Kol 3,1.2 . Wir wollen nach denen verlangen, die Sehnsucht nach uns haben. Wir wollen hineilen zu denen, die uns erwarten, mit den Wünschen des Herzens wollen wir ihnen entgegeneilen, die nach uns ausschauen. Nicht nur die Gemeinschaft der Heiligen wollen wir uns wünschen, sondern auch ihr Glück. Wir verlangen nach ihrer Gegenwart, wir wollen uns auch mit glühendem Eifer um ihre Herrlichkeit bemühen. Denn das ist kein verderblicher Ehrgeiz, und es ist keineswegs gefährlich, wenn die Herrlichkeit uns bewegt.
Das zweite Verlangen, das durch das Gedächtnis der Heiligen in uns entfacht wird, ist dieses: Wie ihnen, so möge auch uns Christus, unser Leben, erscheinen und wir mit ihm in Herrlichkeit vgl. Kol 3,4 . Bis dahin wird unser Haupt uns nicht so vor Augen gestellt, wie es ist, sondern wie es für uns geworden ist, nicht mit Herrlichkeit, sondern mit den Dornen unserer Sünden bekränzt. Das Glied des dornenbekrönten Hauptes schäme sich, üppig zu leben. Denn für dieses Glied ist der Purpur nicht Ehre, sondern Spott. Wenn der Herr kommt und sein Tod nicht mehr verkündigt wird vgl. 1 Kor 11,26 , dann werden wir uns bewusst, dass auch wir gestorben sind und dass unser Leben mit ihm in Gott verborgen ist vgl. Kol 3,3 . Das Haupt wird in Herrlichkeit erscheinen, und mit ihm verherrlicht, werden die Glieder leuchten, wenn er nämlich unseren armseligen Leib verwandelt in die Gestalt des verherrlichten Hauptes, das er selbst ist vgl. Phil 3,21 .
Nach dieser Herrlichkeit wollen wir mit vollem und zuversichtlichem Eifer streben. Damit es uns gestattet sei, auf sie zu hoffen und nach einer so großen Seligkeit auszuschauen, müssen wir uns auch sehr dringend die Fürsprache der Heiligen wünschen; denn auf ihre Fürbitte wird uns geschenkt werden, was unsere eigene Kraft nicht zu erlangen vermag.
In den Heiligen strahlt die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes
Die im Namen Christi sterben, gehen nicht ins Wesenlose, sondern in die Fülle heiliger Wirklichkeit ein.
Das unwillkürliche Gefühl meint, die Toten würden schattenhaft, wendet sich von ihnen ab und sucht das warme Licht der irdischen Sonne oder es glaubt, sie bekämen eine unheimliche, zerstörende Macht, und sucht sich davor zu schützen.
Diese Empfindungen werden aber im Glauben überwunden. Er sagt uns, dass die in der Gnade Heimgegangenen zur „Herrlichkeit der Kinder Gottes“ und zur reinen Vollendung ihres Wesens im ewigen Lichte gelangen.
Liegt es da nicht nahe, jene Menschen, die schon auf Erden Zeugen göttlicher Liebe und Macht gewesen sind, auch in ihrer Erfüllung aufzusuchen? So ist es denn auch geschehen, und wir finden von den frühesten christlichen Zeiten an eine lebendige Beziehung der Gläubigen zu jenen, die sich auf Erden in besonderer Weise als Freunde Gottes erwiesen haben, den Heiligen. Und zwar ist diese Beziehung sehr mannigfaltig.
Auf den ersten Blick scheint sie ganz in der Bitte um Hilfe zu bestehen, und diese Bitte hat recht, denn die Not des Daseins ist groß. In ihr aber zu denen zu rufen, die ganz in Gottes Gemeinschaft eingegangen, mit seinem Willen eins und seiner Gnade voll sind, bedeutet nichts anderes als die Verbundenheit des gläubigen Daseins.
Neben der Bitte tritt aber auch das Lob hervor: die Freude an dem frommen und edlen Leben der Heiligen; an der göttlichen Führung, die darin deutlich wird; an ihren Überwindungen und Taten. Sie sind Zeugen der Erlösung. Die neue Schöpfung, die immerfort aus Christi Tat hervorgeht, ist verhüllt; alles widerspricht ihr, und der Glaube hat Mühe, sich der einstigen Vollendung gewiss zu halten. In den Heiligen strahlt „die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ Röm 8,21 auf und hilft der Hoffnung.
Die Heiligen können auch eine besondere Bedeutung für die Weise erhalten, wie der einzelne sein Leben führt. Sie öffnen den Reichtum Christi. Dieser ist „das Licht“, einfach und alleinbegreifend zugleich; die Heiligen aber sind wie Prismen, welche seine Unbegreiflichkeit aufbrechen und bald diese, bald jene Farbe daraus erstrahlen lassen. So können sie dem Glaubenden helfen, sich selber besser aus Christus heraus zu verstehen und den Weg zu finden, den er gehen soll.
Was aber im Tiefsten zu den Heiligen treibt, ist doch wohl einfach der Wunsch, bei ihnen zu sein, mit ihnen umzugehen, Anteil an ihnen zu haben. Es ist die Liebe, welche die Gemeinschaft derer sucht, die ganz in der Liebe gelebt haben und nun in ihr vollendet sind.
Eine Blume geht hervor aus der Wurzel Isai
Dem Gruß des Engels, mit dem wir die selige Jungfrau jeden Tag in großer Ehrfurcht begrüßen, pflegen wir hinzuzufügen: „und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ vgl. Lk 1,42 . Elisabet hat diesen Zusatz gemacht, als sie von der Jungfrau begrüßt wurde. Sie wiederholte gleichsam den Schluss des Engelsgrußes und ergänzte: „Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“ Es ist die Frucht, von der Jesaja sagt: „An jenem Tag wird, was der Herr sprossen lässt, für alle Israeliten, die entronnen sind, eine Zierde und Ehre sein; die Früchte des Landes sind ihr Stolz und Ruhm“ Jes 4,2 . Wer ist diese Frucht, wenn nicht der Heilige Israels, der auch Nachkomme Abrahams ist, der Spross des Herrn und die Blume, die aus der Wurzel Isai hervorgeht vgl. Jes 11,1 , die Frucht des Lebens, an der wir teilhaben?
Diese Frucht ist ganz und gar gebenedeit im Samen und im Spross, gebenedeit in der Blume, gebenedeit in der Gabe und schließlich gebenedeit in Danksagung und Lobpreis. Christus ist Nachkomme Abrahams und Nachkomme Davids dem Fleische nach.
Er allein unter den Menschen ist in allem Guten vollkommen. Ihm ist der Geist nicht nur nach Maß gegeben vgl. Joh 3,34 , damit er allein jede Gerechtigkeit zur Fülle bringen kann vgl. Mt 3,15 . Denn seine Gerechtigkeit reicht aus für alle Völker, wie in der Heiligen Schrift steht: „Wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern“ Jes 61,11 . Denn das ist der Spross der Gerechtigkeit. Der Segen kommt über ihn, und die Blume der Herrlichkeit ziert ihn. Aber wie groß ist die Herrlichkeit? Erhabener, als man sie denken kann, ja so groß, wie man sie überhaupt nicht zu denken vermag. Die Blume wächst empor aus der Wurzel Isai. Wie hoch? Bis zur höchsten Höhe; denn Jesus Christus „ist in der Herrlichkeit des Vaters“ vgl. Phil 2,11 Vg . „Seine Hoheit ist über die Himmel gebreitet“ vgl. Ps 8,2 , damit der Spross des Herrn groß und herrlich, die Frucht der Erde erhaben sei.
Doch was nützt uns diese Frucht? Sie ist für uns nichts Geringeres als die Frucht des Segens von der gesegneten Frucht. Denn aus dem Samen, aus diesem Spross, aus dieser Blume kommt die Frucht des Segens. Bis zu uns ist sie gekommen: zuerst gleichsam als Same in der Gnade der Vergebung, dann wie ein Schössling im Wachsen der Gerechtigkeit, schließlich in der Blüte als Hoffnung auf die Herrlichkeit oder ihren Gewinn. Von Gott ist sie nämlich gebenedeit und in ihm. Das heißt: Gott wird in ihr verherrlicht. Auch für uns ist sie gebenedeit, dass wir von ihm gebenedeit und verherrlicht werden.
Kommen wird der Spross aus der Wurzel Isai; er wird sich erheben, um über die Heiden zu herrschen. Auf ihn werden die Heiden hoffen. * Sein Name soll ewig bestehen.
Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer Friede. * Sein Name soll ewig bestehen.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Canticum: Tob 13,2–5b.7c–9 · Gott erhöht die von ihm Erwählten
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen. (Offb 21,2)
Gepriesen sei Gott, der in Ewigkeit lebt,
∗
sein Königtum sei gepriesen!
Er züchtigt und hat auch wieder Erbarmen,
†
er führt hinab in die Unterwelt und führt auch wieder zum Leben.
∗
Niemand kann seiner Macht entfliehen.
Bekennt euch zu ihm vor allen Völkern, ihr Kinder Israels,
∗
denn er selbst hat uns unter die Völker zerstreut.
Verkündet dort seine erhabene Größe,
∗
preist ihn laut vor allem, was lebt.
Denn er ist unser Herr und Gott,
∗
er ist unser Vater in alle Ewigkeit.
Er züchtigt uns wegen unsrer Sünden,
∗
doch hat er auch wieder Erbarmen.
Preist den Herrn der Gerechtigkeit,
∗
rühmt den ewigen König!
Ich bekenne mich zum Herrn im Land der Verbannung,
∗
ich bezeuge den Sündern seine Macht und erhabene Größe.
Kehrt um, ihr Sünder,
†
tut, was recht ist in seinen Augen!
∗
Vielleicht ist er gnädig und hat mit euch Erbarmen.
Ich will meinen Gott rühmen, den König des Himmels,
∗
meine Seele freut sich über die erhabene Größe meines Gottes.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Canticum: Tob 13,10c–13.15ef
Jerusalem, du heilige Stadt!
†
Der Herr bestraft die Taten deiner Kinder,
∗
doch er hat wieder Erbarmen mit den Gerechten.
Bekenne dich zum Herrn in rechter Weise,
∗
preise den ewigen König,
damit sein Zelt von neuem errichtet wird,
∗
dir zur großen Freude!
Er mache in dir die Gefangenen wieder froh
†
und schenke denen, die im Elend leben, seine Liebe,
∗
für alle Zeiten bis in Ewigkeit.
Von weither werden die Völker kommen,
∗
um den Namen des Herrn, unsres Gottes, zu preisen.
Sie tragen Geschenke herbei,
†
Geschenke für den himmlischen König.
∗
Alle Menschen jubeln dir zu.
Wohl denen, die dich lieben;
∗
sie werden sich freuen über den Frieden, den du schenkst.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Canticum: Tob 13,16d-18
Meine Seele preise Gott,
∗
sie preise den großen König.
Denn Jerusalem wird wieder aufgebaut
∗
aus Saphir und Smaragd;
seine Mauern macht man aus Edelstein,
∗
seine Türme und Wälle aus reinem Gold;
Jerusalems Plätze werden ausgelegt mit Beryll und Rubinen
∗
und mit Steinen aus Ofir.
„Halleluja!“ ruft man in all seinen Gassen
∗
und stimmt in den Lobpreis ein:
„Gepriesen sei Gott;
∗
er hat uns groß gemacht für alle Zeiten.“
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Preist den Herrn, ihr seine Heiligen alle, feiert Tage der Freude und singt sein Lob. Halleluja.
Salz der Erde und Licht der Welt
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Einheit mit Jesus und in Jesus
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
Bleibt in meiner Liebe
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!
Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim
mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig
der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde
von deiner hohen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund
die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden,
den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben,
die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes
in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir,
kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn,
komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit
zähle uns deinen Heiligen zu.
(
Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen,
ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr,
an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn,
wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr,
habe ich meine Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.
)
Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst uns die Freude, am heutigen Fest die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern. Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und schenke uns dein Erbarmen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Singet Lob und Preis.
Dank sei Gott, dem Herrn.