Auf dem dunklen Gemälde blickt eine ältere Ordensfrau auf einen Lichtstrahl, der von links oben kommt.
Gedenktag: 15. Oktober

Lehrerin des geistlichen Lebens

Teresa von Avila wurde 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben – als erste Frau. Papst Paul VI. sah in ihr eine "Lehrerin des geistlichen Lebens" und einen "literarischen Genius". Heute gedenkt die katholische Kirche der Heiligen.

Von Christiane Neuhausen (KNA) |  Bonn - 28.02.2015

Teresa von Avila war eine bemerkenswerte Frau. "Mit Recht ist diese Frau immer ein klassisches Beispiel des kontemplativen Menschen gewesen. Sie tätigte Grundstückskäufe, führte Besprechungen, schrieb, und zu gleicher Zeit führte sie ihr Leben innigster Vereinigung mit Gott", staunte Frere Roger Schutz, Gründer und langjähriger Prior von Taize.

Teresa de Cepeda y Ahumada wurde am 28. März 1515 in eine große adelige Familie geboren. Bereits als Kind bewies sie Neugierde, Humor und Durchsetzungskraft - Eigenschaften, die sie bis an ihr Lebensende nicht verlor. Als siebenjähriges Mädchen riss sie zusammen mit ihrem Lieblingsbruder aus. Sie hatte ihn überredet, dass sie gemeinsam den Märtyrertod im Kampf gegen die Heiden sterben wollten; weit kamen die beiden Ausreißer nicht. Teresa aber blieb am geistlichen Leben interessiert und trat als 21-Jährige in das Karmelitinnenkloster in ihrem Heimatort Avila ein.

Nachdem sie ihr Ordensleben voller Freude und Hingabe begonnen hatte, musste sie bald feststellen, dass es gar nicht so einfach war, die absolute Hingabe an den Willen Gottes, die tiefe innige Beziehung zu Jesus, zu leben. Teresa erfuhr in den Jahren 1539 bis zur ihrem endgültigen Bekehrungserlebnis 1554 eine "dunkle Nacht der Seele", wie ihr späterer geistlicher Gefährte Johannes vom Kreuz (1542-1591) dieses Phänomen nannte. Nach einem körperlichen Zusammenbruch kam es zu ersten mystischen Visionen, die sie bis an ihr Ende begleiteten.

Gedenktag: 15. Oktober

Patronin von Spanien, des Erzbistums Mexiko, von Avila, Alba de Tormes und Neapel; aller Karmelitergenossenschaften; der spanischen Schriftsteller; in geistlichen Nöten; um die Gnade, beten zu können; gegen Herz- und Kopfleiden

Mystische Visionen

Frauen mit mystischen Visionen weckten in dieser Zeit schnell Misstrauen, ganz besonders das der Inquisition. So wurden Teresa verschiedene Beichtväter zur Seite gestellt, die sie begleiteten und sie aufforderten, ihr geistliches Leben schriftlich festzuhalten. Das hätte letztlich für die Inquisition den Vorteil gehabt, dass man etwas Schriftliches bei der Hand gehabt hätte. Teresa zwang dies aber, ihre Gedanken auf den Punkt zu bringen. Und für die Nachgeborenen eröffnet dies die Möglichkeit, Teresas einmalige Persönlichkeit kennenzulernen und ihren schweren Weg im Glauben nachzufolgen.

Zu ihren Hauptwerken gehören "Das Buch meines Lebens", "Das Gespräch mit Gott", "Weg der Vollkommenheit" und "Wohnungen der inneren Burg". Im letzteren gibt sie eine Beschreibung, wie der Mensch zu seiner inneren Mitte findet, dort "wo die geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und Mensch vor sich gehen". Damit hat Teresa einen Klassiker der geistlichen Literatur geschaffen, der über das Christentum hinaus Anhänger gefunden hat.

Teresa lernte in den dunklen Jahren das "innere Beten". "Wer mit dem inneren Beten begonnen hat, soll es ja nicht mehr aufgeben, mag er noch so viel Schlechtes tun, denn das Beten ist das Heilmittel, mit dem er sich retten kann, während ohne es alles viel schwerer wird." Diesen Weg zu Gott hat sie durch alle Schwierigkeiten gepflegt.

Reform gegen heftigen Widerstand

Überzeugt von der Richtigkeit dieses Weges begann sie gegen den heftigen Widerstand ihrer Ordensschwestern mit der Reform des Karmeliterordens. 1562 gründete sie das erste Reformkloster der "Unbeschuhten Karmelitinnen", 31 weitere sollten folgen. Davon entstanden viele in Zusammenarbeit mit Johannes vom Kreuz, der wie sie Karmelit, Mystiker und Schriftsteller war. Der Reformzweig wurde 1580 auf päpstliche Anordnung selbstständig.

Teresa von Avila starb am 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes. In der folgenden Nacht wurde der Gregorianische Kalenderreform wirksam, so dass auf den 4. Oktober direkt der 15. folgte. Ihr Gedenktag ist der 15. Oktober. Zwei Jahre nach ihrem Begräbnis wurden ihre Gebeine erhoben, und es stellte sich heraus, dass sie noch unverwest waren. Sie wurden in einen kostbaren Schrein in der Klosterkirche von Alba de Tormes überführt. In der Folgezeit wurde die Kirche zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort in Spanien. Nach Angaben des teresianischen Karmels in Österreich leben heute rund 13.000 Schwestern in etwa 800 Klöstern auf allen fünf Kontinenten.

Ihr hohes Ansehen führte zu einer Vielzahl an posthumen Ehrungen. 1588 wurden ihre Werke offiziell herausgegeben. Bis in das 20. Jahrhundert erlebten sie über 1.000 Auflagen und wurden in fast alle europäischen und einige nichteuropäische Sprachen übersetzt. 1614 wurde sie selig-, 1622 heiliggesprochen. 1617 wurde Teresa zur Mitpatronin Spaniens ernannt. Im 20. Jahrhundert gewann die Heilige wieder an Aktualität. 1965 wurde sie zur Patronin der spanischen Schriftsteller erhoben, 1970 erklärte Papst Paul VI. sie zur Kirchenlehrerin.

Von Christiane Neuhausen (KNA)