Die Frau der großen Worte
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katholisch.de stellt bedeutende Zitate von Teresa von Avila vor

Die Frau der großen Worte

Heilige - Die Kirchenlehrerin und Mystikerin Teresa von Avila (1515 bis 1582) brachte ihre Erlebnisse bildgewaltig und schlagfertig zu Papier. Aus ihrem vielbändigen Werk hat katholisch.de die bekanntesten Passagen ausgesucht.

Bonn - 28.03.2015

Aller Anfang ist schwer – auch im Ordensleben. In ihrer spät verfassten Autobiografie berichtet Teresa von den Mühen – zeigt aber auch, wann man es über den Berg geschafft hat:

"Menschen, die sich entschlossen haben, diesen Weg zu gehen, müssen vor allem am Anfang mit großen Strapazen rechnen. Am Anfang ist die Anstrengung nämlich viel größer, da wir selbst tätig werden müssen, wenngleich Gott uns zu Hilfe kommt. (…) Wenn es ihnen nichts ausmacht, ob sie nun etwas oder gar nichts beim Gebet spüren, sind sie einen Großteil des Weges bereits vorangekommen. Sie brauchen keine Angst zu haben, zurückzufallen, selbst wenn sie stolpern, denn ihr Gebäude ruht auf festem Fundament." (aus: Der Dienst des Betens)

Gott bewahre mich vor griesgrämigen Heiligen!

Zitat: Teresa kann Menschen nicht ausstehen, die mit saurer Miene umhergehen und dabei "heilig" spielen.

Teresa selbst litt Strapazen: Kurz nachdem sie 1537 ihre Ordensprofess abgelegt hatte, wurde sie ernsthaft krank. Die Versuche einer "Heilerin" brachten sie an den Rand des Grabes. Nach einer dreitägigen todesähnlichen Starre blieb sie etwa drei Jahre lang gelähmt und unfähig, auch nur die geringste Bewegung auszuführen. Nach Wiedererlangung ihrer Gesundheit unterhielt sie – den Gewohnheiten des Klosters gemäß – regen Kontakt zur Außenwelt. Ihr Naturell und ihr feuriges Herz zogen die Besucher auch noch am Sprechgitter an:

"Fast 28 Jahre war es ein ständiges Fallen und Wiederaufstehen, es war kein gutes Aufstehen, da ich immer wieder fiel, denn, weder erfreute ich mich an Gott, noch fand ich in diesen Kontakten zur Welt meine innere Ruhe."

Sie fühlte sich zerrissen zwischen ihrem Wunsch, sich ganz auf Gott einzulassen und den Kontakt zur Außenwelt nicht abbrechen zu lassen. Da ereignet sich 1554 das Unerwartete: Vor einem Bild Christi wird Teresa so angerührt, dass sie sich vor ihm niederwirft und gelobt, von nun an nur noch Ihm zu leben.

"Da geschah es, als ich eines Tages ins Oratorium ging, dass mein Blick auf ein Bild fiel. Es stellte Christus als Schmerzensmann, mit vielen Wunden bedeckt, dar. Ich war bestürzt, den Herrn so geschunden zu sehen, denn hier war lebendig zum Ausdruck gebracht, was er für uns gelitten hat. Mein Schmerz war so unermesslich, dass er mir das Herz zu zerreißen schien. Ich warf mich vor ihm nieder, und unter zahlreichen Tränen bat ich ihn, mir doch endlich die Kraft zu geben, ihn nicht mehr zu beleidigen."

Gian Lorenzo Berninis "Verzückung der heiligen Theresa" in der römischen Kirche Santa Maria della Vittoria. Das Werk zeigt eine Vision der Heiligen, in der ein Engel mit dem Pfeil der göttlichen Liebe ihr das Herz durchbohrt.

Dieses Erlebnis einer Konversion wird der Beginn eines völlig neuen Weges radikaler Selbstaufgabe, der sie in ungeahnte Höhen mystischer Vereinigung führen sollte. Die bekannteste Vision hielt Bernini in der weltbekannten Skulptur "Verzückung der Heiligen Theresa" fest:

"(Der Engel) war nicht groß, eher klein, sehr schön, mit einem so leuchtenden Antlitz, dass er allem Anschein nach zu den ganz erhabenen Engeln gehörte, die so aussehen, als stünden sie ganz in Flammen. Es müssen wohl die sein, die man Cherubim nennt, ihre Namen sagen sie mir nämlich nicht. Ich sah in seinen Händen einen langen goldenen Pfeil, an dessen Spitze mir ein Feuer zu brennen schien. Mir war, als durchbohre er mit diesem Pfeil einige Male mein Herz bis ins Innerste, und als er ihn wieder herauszog, war es mir, als risse er mein innerstes Herz mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von brennender Liebe zu Gott."

Ebenso bekannt wie die Visionärin ist die Pragmatikerin Teresa. An ihre Mitschwestern gab sie unter anderem folgende Alltagsweisheit weiter:

"Denn, auch wenn euch der Gehorsam viele äußere Verpflichtungen auferlegt, etwa in der Küche, so wisset: auch zwischen den Kochtöpfen wandelt der Herr."

Würden wir auf nichts anderes sehen als auf den Weg, so wären wir bald am Ziel.

Zitat: Teresa von Avila

Manche Erkenntnisse hat auch eine Heilige erst spät:

"Hätte ich früher erkannt, was ich jetzt weiß, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so häufig darin allein gelassen."

Nicht zu vergessen ist der Humor der Teresa de Jesus, etwa wenn sie in einem Brief an Padre Jeronimo Gracian 1581 die Griesgrämigkeit ihrer eigenen Zunft kritisiert:

"Sie dürfen mir glauben, dass ich eine unzufriedene Nonne mehr fürchte als viele Dämonen!"

Als Realistin schreibt sie im 22. Kapitel ihrer Autobiografie:

"Wir sind keine Engel, sondern wir haben einen Leib. Es ist Unsinn, uns selbst zu Engeln machen zu wollen, solange wir auf der Erde leben und so tief in ihr stecken wie ich. Vielmehr braucht das Denken im täglichen Leben etwas, was ihm Halt gibt."

Ganz auf Gott ausgerichtet berichtet sie in ihren "Gewissensberichten", dass es ihr bei der Seelenrettung nicht um die Menschen geht:

"Ich glaube, dass diese große Sehnsucht, Seelen zu retten, daher stammt, dass dieser Gott und Herr verherrlicht werden möge, wie Er es verdient."

Jesus als Freund zu betrachten ist ein Einfall der modernen Christen von heute? Ach was, Teresa tat das vor knapp 500 Jahren: "Meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil wir sicher sind, dass er uns liebt (…) Ich habe dies klar erkannt."

Eine der eindrücklichsten Passagen aus dem Werk von Teresa von Avila geht als das einprägsame Lied "Nada te turbe" um die Welt – ob in der Version der Taize-Brüder oder als virtuell eingesungenes Musikvideo von Karmelitinnen:

"Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht – Gott ändert sich nicht. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem mangelt nichts. Gott allein genügt."

Von Agathe Lukassek

Lesetipp

Die meisten der oben genannten Zitate stammen aus "Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn - ein Lesebuch". Der von Elisabeth Münzebrock herausgegebene Band erschien Anfang des Jahres im Herder-Verlag und kostet 18 Euro.