Ausstrahlende Freude
Man wünscht sich "Frohe Ostern!", man feiert ein paar arbeitsfreie Tage mit Osterhasen und bunten Eiern. Frühlingsgefühle stellen sich ein. Diese harmlose Vorstellung haben die meisten Zeitgenossen, Christen eingeschlossen. Die trübe Karfreitagsstimmung weicht einer gemütlichen, fröhlichen Idylle. Dabei ist der Anlass des Osterfestes alles andere als harmlos und idyllisch. Er erinnert uns an die dramatischste Zeit des Kirchenjahres, den grausamen Kreuzestod Jesu. Die Auferweckung des Gekreuzigten war zunächst eine ungeheuerliche Zumutung für die ersten Zeugen, auf die sie mit Schrecken und Entsetzen reagierten (vgl. Mk 16,8).
Die Freude über das unfassbare Geschehen der Auferstehung entfaltet sich erst in den verschiedenen Begegnungen mit Jesus, der sich überraschend überall als der Lebendige zu erkennen gibt und sie persönlich anspricht. Diese Erfahrungen mit dem Auferstandenen sind für die Frauen und Männer so überwältigend und überzeugend, dass ihre Niedergeschlagenheit und Traurigkeit verwandelt wird in eine freudige Gewissheit. So werden sie zu Ergriffenen, die ihre Erlebnisse mit Jesus nun in Wort und Tat bezeugen. Die Jünger und Jüngerinnen waren von einer ansteckenden Freude erfüllt, die sie unbedingt unter allen Umständen weitergeben wollten: Jesus, der am Kreuz starb, ist auferweckt worden und will auch uns begegnen!
Eine Zumutung ist die Auferstehung Jesu, aber auch eine Ermutigung für die Christen und eine Erweiterung des Horizontes: In ihren Predigten zum Ostersonntag haben sich die deutschen Bischöfe mit der österlichen Botschaft auseinandergesetzt. Katholisch.de hat daraus Denkanstöße zusammengestellt.
Das Zeugnis aus den Evangelien fragt uns heute mehr denn je nach unserer Osterfreude. Wo und wie finden wir diese Freude? Der Engel am Grab gibt den verängstigten Frauen und Jüngern einen wichtigen Hinweis: "Er geht euch voraus nach Galiläa" (Mt 28,7). Papst Franziskus sagte im April 2014: "Nach Galiläa gehen bedeutet, alles vom Kreuz und vom Sieg her neu zu lesen. Auch für jeden von uns steht ein Galiläa am Anfang unseres Weges mit Jesus. Dorthin zurückkehren bedeutet vor allem, dorthin, zu jenem glühenden Augenblick zurückkehren, in dem die Gnade Gottes mich am Anfang meines Weges berührt hat."
Und plötzlich bricht dein Osterlicht in meine Lebenswüste
Vielleicht wird uns der Weg in die Osterfreude nur durch persönliche leidvolle Erfahrungen geschenkt. Dann könnten wir das bekannte Osterlied "Das Grab ist leer" durch eine eigene Strophe ergänzen: "Und plötzlich bricht dein Osterlicht in meine Lebenswüste ein und wandelt meine Traurigkeit in lauter Osterfreude. Verschwunden ist die Finsternis, vergangen Leid und Not, denn Du, mein Heiland, hast besiegt das Dunkel und den Tod. Halleluja!"
Solche Freude legt das Fundament für eine Christusfreundschaft, die nicht nur trägt und beflügelt, sondern auch ausstrahlt. Man kann sie nicht für sich behalten - sie muss weitergesagt werden durch Wort und Tat. Denn der Glaube an den Auferstandenen mobilisiert und setzt Energien frei zum Aufbruch in seinem Namen. Ein anspruchsvolles Unterfangen, aber begleitet und motiviert durch die schöpferischen Impulse des Geistes, den jeder Getaufte als Beistand empfangen hat.
In seinem Oster-Gastbeitrag für katholisch.de ruft Kardinal Joachim Meisner, emeritierter Kölner Erzbischof, dazu auf, sich den Blick auf den österlichen Christus nicht durch Zweifel verstellen zu lassen.
Hier bewahrheitet sich der Refrain eines Liedes aus den 1970er Jahren: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie, auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrei'n." Die Strophen des Liedes ermutigen zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit, Arme und Benachteiligte, Fremde und Flüchtlinge. Wer sich vom Glauben mitreißen lässt in die Tiefe des Geheimnisses des gekreuzigten und auferstandenen Jesus, wird in die Welt geschickt, um dort, wo er lebt und arbeitet das Evangelium zu verkünden. Die Beziehung zu Christus erweist sich in tatkräftigem Handeln.
Ein solcher Lebensstil kann zu einer "Explosion des Evangeliums" führen, wie sie die französische Sozialarbeiterin Madeleine Delbrel (1904-1964) in einer kommunistischen Arbeiterstadt am Rande von Paris exemplarisch gelebt hat. "Das Wort Gottes trägt man nicht in einem Köfferchen bis zum Ende der Welt: Man trägt es in sich, man nimmt es in sich mit auf den Weg." Delbrel hat den Aufbruch in eine gleichgültige Umwelt gewagt und die Sendung des Auferstandenen glaubwürdig gelebt. In österlicher Freude aufzubrechen, das ist auch heute unser Auftrag. Dabei gibt uns Papst Franziskus die zuversichtliche Botschaft mit auf den Weg: "Mit Jesus Christus kommt immer - und immer wieder - die Freude."
Alle Evangelien berichten über das leere Grab und die Auferstehung. Aber in Details unterscheiden sie sich. Lesen und vergleichen Sie hier die Auferstehungsgeschichten der vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.