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"Wer Leben anderer zerstört, muss mit den Folgen seiner Tat konfrontiert werden"

Bischof Kohlgraf fordert ehrliche Benennung von Schuld

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Bischof Peter Kohlgraf
Mainz - Die Wucht der Folgen menschlicher Schuld seien oft "mit dem Mäntelchen der Barmherzigkeit zugedeckt" worden, sagt Bischof Peter Kohlgraf. Gerade beim Missbrauch lerne die Kirche wieder Schuld als das zu benennen, was sie ist: ein Verbrechen.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mahnt Verantwortliche in der Kirche zu einem klaren Schuldbekenntnis bei Fehlverhalten. Er wünsche sich "eine ehrliche Benennung von Schuld" und von "menschenverachtenden und zerstörenden Taten", sagte Kohlgraf in seiner am Donnerstag vom Bistum Mainz veröffentlichten Predigt beim "Aschermittwoch der Künstler". Er fügte hinzu: "Vielleicht haben wir die Wucht der Folgen menschlicher Schuld oft verharmlost, auch indem wir vieles zu schnell mit dem Mäntelchen der Barmherzigkeit zugedeckt haben."

Kohlgraf sagte mit Blick auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche: "Wir lernen derzeit, gerade in der Kirche Schuld wieder als das zu benennen, was sie ist: oft ein menschenverachtendes Verhalten, ja, ein Verbrechen." Schuld müsse als Schuld benannt werden, denn sie zerstöre Leben, so der Bischof. "Barmherzigkeit kann hier nicht heißen, die Folgen unter den Teppich kehren zu wollen. Wer Leben anderer zerstört, muss mit den Folgen seiner Tat konfrontiert werden, und eine mögliche Reue und Umkehr muss mehr sein als eine billige Selbstrechtfertigung oder ein frommes Lippenbekenntnis."

Tyrannen müssten durch "Feuer der Selbsterkenntnis und Läuterung" gehen

Das gelte "nicht allein für innerkirchliche Vorgänge und Verfahrensweisen", sagte Kohlgraf. "Wenn wir heute erleben, wie ein neuer Krieg in der Ukraine gegen jedes Völkerrecht entsteht, muss man Rechtsbruch und Missachtung der Menschenwürde schonungslos als solche benennen."

Vom biblischen Motiv des Gerichts Gottes über den Menschen sei in den letzten Jahrzehnten nicht mehr oft die Rede gewesen. Dazu gehöre aber, "dass die Tyrannen und Menschenverächter dieser Welt durch ein Feuer der Selbsterkenntnis und Läuterung werden gehen müssen".

Das Bußsakrament der Beichte sei ein großer Schatz der Kirche. "Die Beichte kann sich aber nicht darin erschöpfen, Bußkataloge abzuhandeln, und damit folgenlos das Seelenkonto 'auf Null' zu setzen." Daher kenne die Tradition auch die Forderung nach echten und in bestimmten Fällen auch öffentlichen Zeichen der Reue und Umkehr. "Bei vielen schlimmen Taten innerhalb und außerhalb der Kirche gilt es also, Klartext zu reden und nichts zu beschönigen oder zu relativieren", betonte Kohlgraf. Schuldige Menschen dürften aber nicht "dämonisiert" werden. (KNA)

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