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Mainzer Oberhirte zum Auftakt des Kölner Heribertjahres

Bischof Kohlgraf: Nicht von kleiner Herde Rechtgläubiger träumen

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Köln - Der Rückzug aus der Welt sei keine Option. Stattdessen gehe es um eine "zeitgemäße" Form der Kirche, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf bei der Predigt zum Auftakt des Kölner Heribertjahres. Allerdings konnte er sie nicht selbst halten.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warnt die katholische Kirche davor, sich aus der modernen Welt zurückzuziehen und "von einer kleinen, reinen Herde der Rechtgläubigen zu träumen". Wichtig sei stattdessen die "Suche nach einer zeitgemäßen, gottgewollten, wirklich einladenden geistlichen und menschenfreundlichen Form der Kirche", sagte Kohlgraf am Sonntag in der Predigt zur Eröffnung des Kölner Heribertjahres.

Wegen eines Corona-Falles in seinem Umfeld konnte der Bischof nicht selbst nach Köln kommen. Seine Predigt wurde deshalb von Stadtdechant Robert Kleine vorgelesen. Mit dem Gottesdienst begann ein Gedenk- und Jubiläumsjahr zum 1000. Todestag des heiligen Kölner Erzbischofs und Klostergründers Heribert von Deutz (um 970-1021). Geplant sind zahlreiche Veranstaltungen sowie eine Sonderausstellung; das Festjahr dauert bis zum 16. März 2022.

Ton in Kirche derzeit oft "unbarmherzig, lieblos und bitter"

Der Ton in der Kirche sei derzeit oft "unbarmherzig, lieblos und bitter", beklagte Kohlgraf weiter. Er begegne heute in der Kirche zwei Extremen: "Zum einen der Versuchung zu meinen, wir erfinden alles neu, auch in der Kirche; zum anderen der Haltung, Tradition sei ausschließlich eine Art Museum, in dem wir Überliefertes unveränderlich bestaunen."

Der heilige Heribert würde sich heute nach Ansicht des Bischofs "über manche Dummheit von 'rechts' und 'links' in der Kirche und auch über manche Ängstlichkeit sehr wundern". Tradition und Zeitgeist zusammen zu denken und voneinander zu lernen, wäre Heriberts Anfrage an die Kirche von heute: "Heribert hätte sich wohl sehr geärgert über Tendenzen, von einer kleinen, reinen Herde der Rechtgläubigen zu träumen."

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Aus bestimmten Kreisen werde Bischöfen heute schnell "Zeitgeistigkeit" oder "Anpassung an den Zeitgeist" vorgeworfen, so Kohlgraf weiter: "Eines kann man sicher sagen: Für Heribert waren Zeitgeistigkeit und die Treue zu Evangelium und Tradition kein Widerspruch."

Das Heribertjahr steht unter dem Leitwort "Gerechtigkeit. Macht. Frieden. 1.000 Jahre Heribert von Köln". Zu den Höhepunkten gehören eine Sonderausstellung in der Domschatzkammer und in der Deutzer Pfarrei Sankt Heribert vom 26. August bis 14. November sowie am 29. August die Überführung des Reliquienschreins in einer Prozession über den Rhein zum Kölner Dom. Dort feiert Kardinal Rainer Maria Woelki ein Pontifikalamt. Weitere Gottesdienste sind mit dem Utrechter Kardinal Willem Jacobus Eijk und mit dem Lütticher Bischof Jean-Pierre Delville geplant. Für den 26. und 27. Juni steht ein Mittelalterfest auf dem Programm.

Der Wormser Adlige Heribert bewegte sich im mittelalterlichen Geflecht von Kaisertum, Kirchenreform und Reichsitalien. In sein Erzbistum Köln zog er als Demutsgeste barfuß ein. Auf Wunsch des Kaisers gründete Heribert in Deutz eine Benediktinerabtei, die bis zur Französischen Revolution bestand. Nach der Säkularisation übernahm die Pfarrgemeinde Deutz 1804 als Erbe der Abtei die Gebeine des heiligen Heribert, die in einem kostbaren Schrein aus dem Mittelalter aufbewahrt sind. (KNA)

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