Danke und Shalom, Herr Altbischof
Er war kein polarisierender Bischof, aber doch einer, der sehr deutlich werden konnte: der frisch emeritierte Heinrich Mussinghoff. Zuletzt tat er das, als er sich im Sommer bei einer jüdisch-christlichen Diskussionsveranstaltung der Forderung nach einer Rücknahme der 2008 von Papst Benedikt XVI. neu formulierten Karfreitagsfürbitte anschloss. Er wolle keiner überholten theologischen Auffassungen Vorschub geben, erklärte er später dazu.
Ansonsten war es um den Bischof und sein Bistum Aachen recht still in den letzten Jahren. Warum eigentlich? Der 75-Jährige ist doch eigentlich ein Fachmann auf vielen Gebieten: Als Staatskirchenrechtler ist er seit 20 Jahren Mitglied des obersten Kirchengerichts, der Apostolischen Signatur in Rom. In der Bischofskonferenz war er zudem für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig. Aus Leidenschaft, wie er selbst einmal sagte. Schon als Schüler hatte er Althebräisch gelernt und sich später im Theologiestudium viel und gerne mit dem Alten Testament auseinandergesetzt. Bei aller Wertschätzung ging er dabei auch den Konflikten nicht aus dem Weg – zum Beispiel in der Beschneidungsdebatte.
Und es gab in den 20 Jahren seines Bischofsamtes noch vieles mehr, das Aufsehen hätte erregen können: eine Finanzkrise im Bistum und entsprechende Sparmaßnahmen. Oder eine Reform der Gemeindeleitung, bei der Mussinghoff trotz römischer Einwände daran festhielt, dass Pfarrer und gewählte Ehrenamtliche ein gemeinsames Leitungsteam bilden. Als interessierte Katholikin – und als Journalistin sowieso – hätte ich gerne mehr zu all diesen Themen gewusst und gelesen.
Aber irgendwie hat Bischof Mussinghoff es geschafft, (fast) alles im Stillen zu erledigen. Oft hat er ohne viele Worte Zeichen gesetzt. Etwa mit stillem Protest in einer Synagoge gegen Neonazis. In einer Zeit, in der ein "Tu Gutes und sprich darüber" viel mehr gilt, als die Witwe, die ihre Spende unbeobachtet in das Opferkästchen wirft, bin ich berührt und beeindruckt über solche Zeichen, die fernab vom gerade aktuellen Medienhype stattfanden. Dafür ein Danke, Herr Altbischof. Und Shalom!
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.