Deutsche Bischöfe würdigen Papstschreiben
Als starken Impuls für eine Weiterführung des Heilig-Jahr-Anliegens haben die deutschen Bischöfe das Apostolische Schreiben "Misericordia et misera" gewürdigt. "Das Heilige Jahr wirkt so länger als es dauert", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Montag in Bonn.
In einer eindrucksvollen Komposition zeige Franziskus auf, in welchen Lebensbereichen und wie im Leben der Kirche sich Barmherzigkeit vollziehen müsse, so der Kardinal. Er nennt etwa die Familie, die Gefangenenseelsorge oder das Beichtsakrament und dessen Verortung in der Kirche. Der Papst untermauere die Barmherzigkeit theologisch und gebe ihr "einen Sitz im Leben der Menschen", sagte Marx. Zu Recht bezeichne der Papst das Heilige Jahr als Erfolg, wenn er schreibe, dass die Güte und das Erbarmen des Herrn "wie ein heftiger und heilsamer Wind" über die ganze Erde hinwehten.
Marx begrüßt Welttag der Armen
Als Kirche in Deutschland freue man sich über diese weiteren Impulse, heißt es in der Mitteilung der Bischöfe. "Gerade seine klaren Hinweise an Priester und uns Bischöfe dürfen uns nicht gleichgültig lassen." Die vom Papst geforderte Großherzigkeit, um Barmherzigkeit zu ermöglichen, müsse eine ständige Mahnung sein, so Marx. Die Kirche in Deutschland gehe ihren Weg weiter, "das barmherzige Antlitz Jesu zu zeigen". Der Papst spreche von der positiven Auswirkung der Barmherzigkeit als sozialem Wert. "An dieser Barmherzigkeit bauen wir mit." In diesem Zusammenhang begrüßte Marx die Idee des Papstes, künftig einen besonderen Welttag der Armen in der Kirche zu begehen.
Das Apostolische Schreiben mit dem Titel "Misericordia et misera" war am Montag zum Abschluss des Heiligen Jahres veröffentlicht worden. Die lateinischen Anfangsworte beziehen sich auf ein Wortspiel des Kirchenvaters Augustinus (354-430), der die Nicht-Verurteilung einer Ehebrecherin durch Jesus damit beschrieb, hier begegneten sich "die Erbarmenswerte (misera) und die Barmherzigkeit (misericordia)".
Der Papst erleichtert mit seinem Schreiben unter anderem Frauen, die abgetrieben haben, den Weg zu einer kirchlichen Vergebung. Darüber hinaus erlaubt er Gläubigen dauerhaft, die Beichte bei den Piusbrüdern gültig zu empfangen, führt einen katholischen "Welttag der Armen" ein und empfiehlt die Einrichtung von Bibelsonntagen. (bod)
Das Apostolische Schreiben "Misericordia et misera" bildet den Abschluss des Heiligen Jahres. Verkündet der Papst darin die Einigung zwischen Vatikan und Piusbrüdern? Nicht so ganz. Aber er geht weiter auf sie zu - genauso wie auf Frauen, die abgetrieben haben.