Diakonisches Handeln ist nicht bloß Vorfeld der Seelsorge
Die kürzlich erschienene DBK-Arbeitshilfe "Leben teilen – Hoffnung wecken. Diakonisch Christsein in säkularer Gesellschaft" gibt mit Blick auf diese Debatten einen wichtigen Impuls für eine Kirchenentwicklung, die den diakonischen Grundvollzug kirchlichen Handelns in den Mittelpunkt stellt. Dort heißt es: "Caritas, gelebte und Gott bezeugende Liebe, ist keine schmückende Beigabe, sondern steht für die gesamte DNA der Kirche."
In der Tat: Es gehört zu den problematischen Entwicklungen in den Gemeinden, dass diakonisches Handeln vielerorts als bloßes "Vorfeld der Seelsorge" betrachtet wird, als etwas, das doch durch die professionelle Caritas abgedeckt sei, oder als "Marketinginstrument", durch das man Kirchenferne noch "irgendwie" erreichen kann.
"Jesu Existenz hat nicht diakonische Elemente, Jesu Existenz ist Diakonie", so bringt es der Pastoraltheologe Haslinger auf den Punkt. Seit Beginn an gehören Liturgie, Verkündigung, Gemeinschaft und Diakonie zu den Grundvollzügen kirchlichen Handelns, allerdings so, dass sie sich wechselseitig durchdringen und bedingen. Die Diakonie verkündigt durch Wort und Tat, ist letztlich Dienst am Menschen und Gottesdienst zugleich. Wer bei den Menschen eintaucht, taucht bei Gott auf.
Will Kirche glaubhaft in der Spur Jesu bleiben, braucht es diakonische Kirchenentwicklung. Dies kann nur gelingen, wenn sie sich vom Druck der Selbstoptimierung, von Binnenzentrierung und Versorgungsdenken befreit.
Wie kann dies gelingen? Die Arbeitshilfe übersetzt das in ein konsequentes Sich-Gesellen zu den Menschen durch: pure Präsenz, begleitende Präsenz, tröstende Präsenz und stellvertretende Präsenz, die Hoffnung in aussichtslosen Situationen bewahrt. Ein weiterer Weg dies einzulösen, ist eine konsequente Sozialraumorientierung der Gemeinden. Also zusammen mit den dortigen Akteuren dazu beizutragen, dass Menschen ihre Anliegen wahrnehmen und Probleme lösen können. Und es gilt selbstkritisch zu befragen, wo die Sorgen und Nöte der Menschen in Liturgie, Verkündigung und Gemeinschaft wirklich Platz finden.
Claudia Pfrang ist promovierte Pastoraltheologin und Direktorin der Domberg-Akademie der Erzdiözese München und Freising.
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.