Dreyer: Thema Missbrauch muss "Chefsache" aller Bistümer sein
Das Thema sexueller Missbrauch muss nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in allen deutschen Bistümern vordringlich bearbeitet werden. In Gesprächen mit den Bischöfen ihrer Region habe sie gesehen, dass dort die Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie "zur Chefsache" gemacht würden, sagte Dreyer am Dienstagabend in Mainz. Das solle "in allen Diözesen der Fall sein", so Dreyer beim Martinsempfang des Katholischen Büros in Mainz. Die "Perspektive der Opfer" müsse an erster Stelle stehen. Auch die Bereitschaft, Missbrauchsfälle konsequent an die Staatsanwaltschaften zu melden, werde der Glaubwürdigkeit der Kirche nutzen, sagte sie.
Dreyer zeigte sich "sehr erschüttert" über die Ergebnisse der im September vorgestellten Missbrauchsstudie und fügte hinzu: "Es verdient Respekt, dass die Kirche die Studie in Auftrag gegeben hat". Es brauche innerkirchlich nun "tatsächlich einen Mentalitätswechsel, um Vertrauen zurückzugewinnen". Dieses Vertrauen brauche die katholische Kirche, um eine "starke Stimme in der Gesellschaft zu bleiben", gerade in einer "Zeit der Orientierungslosigkeit".
Bischöfe: Missbrauch bleibt Thema
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hält innerkirchliche Reformen für unumgänglich. Dies und eine kritische Selbstreflexion seien "bitter nötig", um verlorenes Vertrauen und beschädigte Glaubwürdigkeit zurückgewinnen zu können, sagte er. Konkrete Beispiele für Reformen nannte er nicht.
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte, die im September vorgestellte Studie habe den Bischöfen "die Augen geöffnet" über "systemische Faktoren" sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Um dem nachzugehen, habe sich die Bischofskonferenz "ein dickes Arbeitsprogramm" vorgenommen, das nun konsequent abgearbeitet werde. Fragen des sexuellen Missbrauchs würden "ein Lernweg für die Bischöfe" bleiben. Mit Blick auf die Staatsanwaltschaften versprach Ackermann "volle Kooperationsbereitschaft".
An dem Empfang im Erbacher Hof nahmen rund 160 Gäste aus Politik, Kirche und Verwaltung teil. Das Katholische Büro Mainz besteht seit 50 Jahren als Kontaktstelle der rheinlandpfälzischen Bischöfe mit der Landespolitik. (luk/KNA)
2010 wurde erstmals eine größere Zahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Seitdem bemüht sich die Kirche um eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Bei ihrer Vollversammlung veröffentlichen die deutschen Bischöfe am 25. September 2018 eine Studie, die die Missbrauchsfälle im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1946 und 2014 dokumentiert.