Erzdiözese Hamburg löst katholischen Schulträger auf – der protestiert
Der katholische Schulträger Bernostiftung wehrt sich gegen eine durch das Erzbistum Hamburg angekündigte Auflösung der Stiftung. "Das einseitige Vorgehen des Erzbistums hat uns sehr überrascht", sagte Stiftungsratsvorsitzender Hasko Schubert am Dienstag in Schwerin. Es gebe weder Grund noch Anlass die regionale Trägerschaft der katholischen Schulen in Schwerin und Rostock, die die Stiftung derzeit innehat, an das Erzbistum abzugeben.
Das Erzbistum Hamburg, dessen Aufsicht die Stiftung unterliegt und das zugleich ihr wichtigster Geldgeber ist, hatte am Montagabend angekündigt, diese aufzulösen und ihre Schulen in die eigene Trägerschaft zu überführen. Als Grund nannte die Diözese das Ergebnis einer umfangreichen Wirtschaftsanalyse, nach der die Stiftung ein Defizit von rund zwei Millionen Euro pro Jahr habe.
"Zentralisieren kann keine bessere und preiswertere Lösung sein"
"Die Bernostiftung hat gerade in der Qualitätssicherung und der Schulentwicklung viel geleistet", betonte Schubert. Sie habe auch kein Millionendefizit, sondern werde 2020 - wie in fast allen Vorjahren auch - einen ausgeglichenen Haushalt haben. Vom Erzbistum erhalte sie dazu einen jährlichen Zuschuss von 500.000 Euro. "Zentralisieren kann keine bessere und preiswertere Lösung sein", so der Vorsitzende. Das Erzbistum hat laut Bernostiftung angekündigt, den Schulträger nötigenfalls auch gegen den Willen des Stiftungsrates aufzulösen. Dieser werde sich noch im Juni auf einer Sondersitzung mit den weiteren Schritten befassen. Der Betrieb der Schulen soll unterdessen regulär weitergehen, wie Stiftungsdirektor Bernhard Humpert ankündigte. Die Umsetzung eines möglichen Trägerwechsels erfolge mit zeitlichem Abstand und den nötigen Informationen und Vorabsprachen mit den betroffenen Schulen.
"Wir werden jetzt in intensive Gespräche mit der Stiftung eintreten, wie wir dieses Vorhaben im Einzelnen zügig realisieren können", sagte der Verwaltungsdirektor des Erzbistums, Alexander Becker. "Uns ist bewusst, was für ein einschneidender Schritt diese Veränderung insbesondere mit Blick auf die historischen Leistungen der Bernostiftung ist." Allerdings biete die Übernahme der Schulen in die Trägerschaft des Erzbistums auch viele Vorteile und die Chance, die Bildungseinrichtungen in ihrem Bestand langfristig abzusichern und weiterzuentwickeln. So lasse sich künftig der Schulbetrieb effizienter organisieren und die Schulen könnten von der Integration in eine größeres Schulsystem profitieren. Außerdem solle den bisher bei der Bernostiftung beschäftigten Lehrern die Verbeamtung ermöglicht werden. Das Erzbistum ist bereits Träger von 21 katholischen Schulen in Hamburg, von denen wegen finanzieller Schwierigkeiten sechs in den nächsten Jahren geschlossen werden sollen.
Die Bernostiftung wurde 2006 als Stiftung für Schule und Erziehung in Mecklenburg und Schleswig-Holstein auf Initiative der katholischen Pfarreien in Schwerin und Rostock errichtet. Sie unterliegt der Aufsicht des Hamburger Erzbischofs und wurde von ihm seit ihrer Gründung regelmäßig bezuschusst. Im Rahmen seines Sanierungskurses arbeitet das Erzbistum bereits seit mehreren Jahren an einer Umstrukturierung der Stiftung, im Zuge derer schon ihre früheren Schulen in Ludwigslust und Lübeck ganz oder teilweise an neue Träger übergeben wurden. (tmg/KNA)