Kratzbürstig gegen Belanglosigkeit
Die Kirche muss Robert Sarah dankbar sein. Diesem guineischen Kurienkardinal, der als Präfekt der Liturgiekongregation jede sich bietende Gelegenheit nutzt, in deutlichen Worten Grenzen und Wahrheit der katholischen Lehre herauszustellen. Jüngst forderte er die Priester auf, wieder "ad orientem", zum Herrn hin zu zelebrieren; denn unter der liturgischen Zuwendung zum Volk leide die ganze Kirche. Ein Paradebeispiel für Sarahs Kommunikation. Darüber jedoch lobend zu sprechen, dürfte auf die Mehrzahl der deutschen Katholiken als Provokation wirken.
Denn schließlich sind viele Aussagen Sarahs so gar nicht nett und freundlich. Die Worte des kantigen Kardinals wollen sich so gar nicht in die gewohnte Sprache unserer lieben Mutter Kirche einfügen. Sarah bürstet gegen den Strich – und das tut der Kirche gut!
Der zurückliegende Katholikentag war in seiner 100. Ausgabe eine erwartet unaufregende Veranstaltung; so absehbar waren die groß angelegten Diskussionsrunden, dass wieder lauter über Reformen nachgedacht wird. Die Sprache der Kirche und ihrer Vertreter hat sich mittlerweile so sehr vereinheitlicht, dass Überraschungen kaum mehr denkbar sind. Ausnahmen wie der zuweilen polternde Kölner Kardinal Woelki bestätigen die Regel.
Robert Sarah wäre in jeder Hinsicht fremd beim deutschen Katholikentag. Doch ein wenig mehr der Kratzbürstigkeit des Liturgiehüters würde nicht nur der Veranstaltung, sondern der ganzen Kirche in Deutschland helfen. Helfen, stärker aufzufallen. Denn daran krankt es; was man auch an der breiten Rezeption des Kommunikationsexperten Erik Flügge und seiner Kritik an kirchlicher Belanglosigkeit ablesen kann. Manchmal hat man das Gefühl, als würden wir uns in der Kirche lieber hinter einmütiger Nettigkeit verstecken, als mutig und provokant zu sein. Ein Kardinal Sarah hingegen muss sich nicht vorwerfen lassen, undeutlich oder belanglos zu sprechen. Und seine Hitzköpfigkeit ist durchaus biblisch, schließlich wurde schon dem Johannes die Warnung offenbart: "Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien."
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