Landeskirche beschließt Mindestmitgliederzahl für Kirchengemeinden
In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gilt ab sofort eine Mindestmitgliederzahl für Kirchengemeinden: Künftig müssen wenigstens 300 Gemeindeglieder vorhanden sein. Andernfalls müssen sich die Gemeinden mit Nachbargemeinden vereinigen. Das beschloss die in der Berliner Bartholomäuskirche versammelte Landessynode am Wochenende. Allerdings kann die Verwaltung der Landeskirche, das Konsistorium, auf Antrag des zuständigen Kreiskirchenrats Ausnahmen zulassen. Kriterien für diese Ausnahmen soll die Kirchenleitung durch Rechtsverordnungen festlegen.
Über 600 der rund 1.100 Kirchengemeinden der Landeskirche könnten von der Entscheidung betroffen sein, hieß es in Medienberichten. Besonders in Brandenburg gebe es viele kleinere Gemeinden. Im Vorfeld der Beratungen der Landessynode hatten etwa 100 Kirchengemeinden Anträge gegen eine Mindestgröße eingereicht. Die Landeskirche erwartet durch den Beschluss nach eigenen Angaben weniger Verwaltungsaufwand und geringere Kosten.
Landesbischof: "Habe großes Vertrauen in Gemeinden"
In der Debatte des Kirchenparlaments war es vor allem um mögliche Ausnahmeregeln gegangen. So warnte der Vorsitzende des Ständigen Ordnungsausschusses der Landeskirche, der Richter am Verwaltungsgericht Potsdam, Fabian Eidtner, vor "einer Ausnahmeregelung, die so weit gefasst ist, dass sie dazu geeignet ist, das Gesetz dauerhaft zu unterlaufen".
Dagegen sprachen sich die Görlitzer Generalsuperintendentin Theresa Rinecker, Bischof Christian Stäblein und der Präsident des Konsistoriums, Jörg Antoine, für weitergehende Ausnahmen aus. "Ich habe großes Vertrauen in unsere Gemeinden", sagte Stäblein. "Wenn wir an dieser Stelle die Möglichkeiten etwas weiterlassen, werden die Gemeinden nicht als erstes gucken, wie sie es unterlaufen können."
Auch die Superintendentin des Kirchenkreises Prignitz, Eva-Maria Menard, betonte, sie stehe sehr aufseiten der Ausnahmeregel. "Als Superintendentin stehe ich für die Kirche im Dorf, dafür, dass die Kirche ins Dorf kommt und als Kirche für die Welt da ist." Sie kenne die meisten Ehrenamtlichen in ihrem Kirchenkreis und schätze sie. "Die kungeln nicht, sondern die klotzen für ihre Kirche", sagte Menard. "Das beeindruckt und fasziniert mich." (rom/KNA)