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Trotz Mitgliederrückgang: Vielerorts entstehen spektakuläre Kirchenneubauten

Leuchttürme ohne Muff

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Neue Propstei_Stefan Mueller
Bonn - Sind Kirchen vom Aussterben bedroht? Wer die vielen Geschichten von Schließungen liest, kann zu diesem Ergebnis kommen. Doch seit 1995 wurden auch 72 Kirchen neu gebaut.

Sind Kirchen vom Aussterben bedroht? Haben Kirchtürme die längste Zeit Landmarken gesetzt? Wer die vielen Geschichten von Kirchenschließungen und Entweihungen liest, von der Umwandlung sakraler Gebäude in Wohnhäuser und Restaurants, kann zu diesem Ergebnis kommen. In der Tat sind laut der Deutschen Bischofskonferenz seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts 366 katholische Kirchen profaniert worden. 366 von heute 24.189. Andererseits wurden seit 1995 auch 72 katholische Gotteshäuser neu gebaut, darunter herausragende Beispiele moderner Architektur. Ein Widerspruch? Nein, zwei Seiten derselben Medaille, sagen Kirchenbauexperten.

Die Zeichen in den deutschen Bistümern stehen auf Wandel. Strukturreformen sind die Antwort auf schrumpfende Gemeinden und personellen Notstand. Pfarreien werden zusammengelegt, große Seelsorgeeinheiten gebildet, Pfarrer fahren im Außendienst Kilometer um Kilometer. Zugleich stehen viele Kirchen leer oder werden nur noch unzureichend genutzt. Die Dichte der in den Nachkriegsjahren schnell hochgezogenen Kirchenbauten passt nicht mehr zum heutigen Bedarf. Bei vielen sind die Sanierungsanforderungen so groß, dass es nicht lohnt, sie zu erhalten. Andere Kirchenstandorte dagegen müssen für zusammengelegte größere Gemeinden fit gemacht werden.

"Viele Gemeinden haben resigniert"

So entstehen neue Bauaufgaben, die Sanierungen, Anbauten und Umbauten, durchaus aber auch Neubauten erfordern. "Die Bausubstanz der 1950er- und 1960er-Jahre bedarf heute in Deutschland fast flächendeckend einer dringenden Umgestaltung", sagt der Kölner Architekt und Kirchenbauer Ulrich Königs. Die Gebäude entsprächen energetisch, funktional und auch liturgisch nicht mehr den Anforderungen. Viele sind vor dem Konzil entstanden und wurden nie an die veränderten Vorgaben aus Rom angepasst. "Schon damals hätte man erkennen können, wie sich die Mitgliederzahlen langfristig entwickeln, aber es wurde vielerorts nicht entsprechend vorausschauend geplant. So ist das Kirchensterben teilweise auch nur ein Zurückgehen auf ein gesundes Maß."

Trotzdem ist es für jede betroffene Gemeinde ein schmerzvoller Prozess, wie Norbert Kesseler immer wieder erlebt. "Viele Gemeinden haben resigniert. Wir haben sie in den letzten Jahren finanziell sehr eingeschränkt und durch Fusionierungen sind viele lokale Bindungen verloren gegangen", so der Diözesan- und Dombaumeister im Bistum Hildesheim. So notwendig die Umstrukturierung auch sei, was den Umgang mit Kirchengebäuden angehe, sei es ein Irrweg. "Diese Rückzugsmentalität des Schließens und Abreißens führt zu starken Erosionen. Wenn man aber ein neues Projekt initiiert und startet, sieht man schnell, wie viele Energien man plötzlich aktivieren kann."

Norbert Kesseler ist Diözesan- und Dombaumeister im Bistum Hildesheim.

So geschehen in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Altwarmbüchen bei Hannover. Hier ist am Sonntag eine neue Kirche geweiht worden. Für das Bistum Hildesheim eine Sensation, ist es doch die erste seit 40 Jahren. Die Vorgeschichte reicht lange zurück und erzählt von einer heruntergekommenen Kirche der sechziger Jahre, die einst in Fertigbauweise errichtet worden war und auf einem riesigen Grundstück stand. An jener Liegenschaft hatte die Stadt schon seit Langem Interesse, weil sie ihren Innenstadtbereich mit Geschäften erweitern wollte. "Und dann kam schon recht früh die Idee auf, das Geld aus dem Verkaufserlös des Grundstücks für einen Kirchenneubau zu verwenden", erzählt Kesseler.

Schließlich wurde das Grundstück tatsächlich veräußert und das Geld lag bereit. "Und dann kam die Frage auf, wie man heute eine Kirche neubaut", erzählt Kesseler. "Ich habe immer gesagt, es darf nach allem aussehen nur nicht nach einer klassischen katholischen Kirche, dann kommt nämlich keiner hin." Die Menschen hätten heute Schwellenängste und sähen in der katholischen Kirche immer den Muff von 2.000 Jahren. Demnach musste der Neubau also einen offeneren Charme haben und mehr anbieten, als einen klassischen Gemeindegottesdienst.

Das Alte loslassen und Ängste in Hoffnung wandeln

"Normalerweise schreiben Bauherren ein neues Bauprojekt an mehrere Architekten aus, die sich dann ihre Gedanken machen, aber das war hier völlig anders", sagt Kesseler. Von Anfang an sei es ein sehr interaktiver Prozess gewesen, in dem Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und verschiedene Menschen aus der Gemeinde eine aktive Rolle spielten. "Wir haben ganz neu darüber nachgedacht, was uns wichtig wäre und seit dieser Phase hat die Gemeinde zu ihrer Lebendigkeit zurückgefunden. Viele Menschen hatten plötzlich wieder den Wunsch sich einzubringen", freut sich der Architekt und Dombaumeister.

Ein Phänomen, dass auch der Kölner Kollege Königs immer wieder erlebt. "Bei solchen Projekten halten sich Ressentiments so lange, bis das Neue sichtbar wird." Sobald die Gemeinden sähen, dass es nicht nur um Verlust gehe, sondern darum, etwas Neues zu schaffen, öffneten sie ihre Herzen und begännen, in die Zukunft zu schauen. "Erst dann können sie das Alte loslassen und Ängste in Hoffnung wandeln. Alle, die sich bisher an ihre Kirche geklammert haben, werden dann plötzlich aktiver Teil des Veränderungsprozesses."

Die "Kirche am Meer" in Schillig an der Nordsee ist ein vielbachteter Kirchenneubau.

Und diese Veränderungen können absolut zukunftsweisend sein, wie viele neue Kirchenbauprojekte zeigen. "Die Kirche wird als konservative Institution gesehen, aber architektonisch betrachtet kamen seit jeher fast alle Innovationen und Experimente aus dem Kirchenbau. Ob nun Formgebung im Barock, Konstruktion in der Gotik oder der Umgang mit Materialien, wie Glas und Beton", erklärt Königs. Die Kirche blicke wohl auf die Längste aller baugeschichtlichen Entwicklungen zurück. "Als Architekten richten wir unseren Blick auf die jahrtausendealte Tradition und suchen gleichzeitig nach völlig neuen Wegen", so der Kölner Kirchenbaufachmann.

Ein Beispiel ist die "Kirche am Meer" in Schillig an der Nordsee - die Ulrich Königs gemeinsam mit seiner Frau Ilse plante und umsetzte und die 2012 geweiht wurde. "Wenn man das Luftbild betrachtet, sieht man von oben eine klassische Kreuzform, so wie wir es von hunderten Dorfkirchen kennen", erklärt der Architekt. Der Grundriss ist also keine Neuerfindung und doch finden Fußgänger, die um das Gebäude herumgehen völlig neue und sehr abstrakte Formen, die überhaupt nicht der klassischen Kirchenbautradition zuzurechnen sind. "Die Kirche wirkt sehr futuristisch und ist ein Anziehungspunkt für Touristen."

Im Winter warm und im Sommer kühl

Nicht nur die Formgebung, auch die verwendeten Materialen sollten der Größe und Bedeutung eines Kirchenneubaus entsprechen. "Das heißt, es fällt alles weg, was unangemessen schnell verfallen würde und bald erneuert werden müsste", so Königs. Kirchen sollen nach Wunsch der Bistümer Vorbildwirkung haben und so spielen bei der Auswahl der Baustoffe Nachhaltigkeit und Ökologie eine wichtige Rolle, obwohl die Kirche von der gesetzlichen Energieeinsparverordnung ausgenommen ist. "Es liegt in der Eigenverantwortung der Architekten und der Bauherren sich selbst Grenzen zu setzen. Auf der anderen Seite können wir ohne diese engen Vorgaben viel mehr experimentieren", freut sich der Architekt.

Heraus kommen Gebäude, wie die Kirche St. Johannes in Frankfurt, die ohne zusätzliche Dämmung funktioniert, weil die verwendeten Steine in der Lage sind, den Raum im Winter warm und im Sommer kühl zu halten. Oder das Pfarrzentrum St. Franziskus in Regensburg, das wie ein Tennisschläger von einer Hightech-Membran aus Teflonphasern überspannt ist und das einfallende Licht aus dem Dachraum filtert. "So ein Material wurde in dieser Form und Größenordnung noch nicht eingesetzt", erläutert Königs.

  • pfarrkirche
    Fast alle katholischen Kirchen, die in den Städten an Straßen oder auf Plätzen stehen, sind Pfarrkirchen, also die Hauptkirchen einer Gemeinde. Eine Filialkirche ist wiederum als Nebenkirche einer Gemeinde oder größeren Seelsorgeeinheit zugeordnet. Das Bild zeigt die St. Cyriakus-Kirche im niedersächsischen Duderstadt.
  • kapelle
    Kapelle meint aber nicht nur das kleine Gotteshäuschen am Wegesrand, sondern auch unselbstständige Beträume innerhalb von Kirchen, Burgen oder Schlössern. Nahezu jeder Friedhof hat eine Kapelle für Trauerfeiern. Kirchenrechtlich kann eine Kapelle keine Pfarrkirche sein. Ihr Name leitet sich vom lateinischen Begriff "Cappa" ab, der einen Umhang mit Kapuze bezeichnet. Einst bezog sich "Kapelle" nur auf den Ort, an dem das entsprechende Kleidungsstück des Heiligen Martin als Reliquie verehrt wurde. Das Bild zeigt die Kapelle Maria Heimsuchung auf der Zugspitze. 1981 wurde sie von Joseph Ratzinger dem damaligen Erzbischof von München und Freising und späteren Papst Benedikt XVI., geweiht.
  • Wallfahrtskirche
    Wallfahrtskirchen liegen bei Grabstätten von Heiligen oder bewahren in ihrem Inneren eine Reliqiuie, ein Bildnis Christi, Mariens oder eines Heiligen auf. Auch an Orten, an denen Wunder geschehen sein sollen, wurden Wallfahrtskirchen errichtet. Die hier abgebildete Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Würzburg, auch Käppele genannt, entstand um 1749. Bereits 1640 stellte ein Fischer an der Stelle einen Bildstock mit der Darstellung Marias mit dem toten Jesus auf dem Schoß auf, welcher sich zum Wallfahrtsort entwickelte. Das Käppele ist eine der wenigen Kirchen Würzburgs, die den Bombenangriff vom 16. März 1945 ohne größere Schäden überstanden haben.
  • votivkirche
    Eine Votivkirche wie die Theatinerkirche in München wird als Dankessymbol für die Rettung aus einer Notlage oder mit der Bitte um die Erfüllung eines Wunsches gebaut. Ebenso gibt es Votivkirchen, die von reuigen Sündern erbaut worden sind. Im Fall der Münchner Kirche war Henriette Adelheid von Savoyen (1636–1676) die Erbauerin. Nachdem die Frau des bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria (1636–1679) nach langem Hoffen und Bangen endlich 1662 einen Sohn zur Welt brachte, löste sie ihr Gelübde ein, als Dank für die Geburt eines Erben eine Kirche errichten zu lassen.
  • Profilkirche
    Kirchen, die einem thematisch eng definierten Zweck dienen, werden auch Profilkirchen genannt. Darunter fallen Jugendkirchen, die sich im Besonderen an junge Menschen richten. Jugendkirchen unterscheiden sich von normalen Pfarrkirchen manchmal in ihrer Architektur, meist jedoch in ihrem liturgischen und kulturellen Angebot, das von den jugendlichen Christen nicht selten mitgestaltet wird. Im Jahr 2000 wurde die Jugendkirche Tabgha in Oberhausen eröffnet. Tabgha war die erste größere römisch-katholische Jugendkirche Deutschlands. Der Name leitet sich vom gleichnamigen Ort am Ufer des See Genezareth ab.
  • Rektoratskirche
    Rektoratskirchen gehören keiner Pfarrgemeinde an. Taufen, Trauungen und Trauerfeiern finden in ihnen daher äußert selten statt. Die hier abgebildete Berliner Kirche Maria Regina Martyrum ist nicht nur Rektorats-, sondern zugleich auch eine Gedenkkirche. Seit 1963 ist sie der zentrale Gedenkort für die katholischen Opfer des NS-Regimes. Beschlossen wurde ihr Bau auf dem Deutschen Katholikentag 1958 auf dem Gelände der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte in Berlin-Plötzensee. Von hier ist es ein Fußweg von 30 Minuten zur Kirche.
  • münster
    Nicht jedes Münster steht in der gleichnamigen Stadt. Vielmehr ist sie nach diesem Kirchentyp benannt. Das Wort "Münster" leitet sich vom Lateinischen "monasterium" ("Kloster") ab. Wurden zunächst nur die Kirchen von Klöstern und Stiften so genannt, entwickelte sich im Mittelalter daraus die Bedeutung "Großkirche". Heutzutage tragen einzelne Bischofskirchen sowie Hauptkirchen von Städten die traditionelle, aber bedeutungslose Bezeichnung. Zum Beispiel das Bonner Münster (Bild). Zwar war dieses in der Tat einst die Kirche des Cassius-Stiftes. Seit gut 200 Jahren, nach der Auflösung des Stiftes, ist Bonns zentrales Sakralgebäude aber die Pfarrkirche der Gemeinde St. Martin.
  • dom
    Das Wort Dom ist eine Verkürzung des Lateinischen "domus dei" ("Haus Gottes"). Zwar ist Dom der deutsche Ausdruck für eine Bischofskirche, allerdings hat längst nicht jeder Dom einen Bischof als Hausherrn. Andere Kirchen tragen den Titel aufgrund historischer Umstände oder wegen ihrer Größe. Der auf dem Bild zu sehende Aachener Dom wurde erst Jahrhunderte nach seiner Erbauung zu einem solchen. Bereits Karl der Große ließ um 790 die Kirche anlegen, die sich im Lauf der Zeit weiter entwickelte. Das heutige Bistum Aachen besteht hingegen erst seit 1930.
  • Kathedrale
    Eine Kirche ist dann eine Kathedrale, wenn in ihr ein Bischof seinen Sitz (griechisch/lateinisch: cathedra) hat. Die wenigsten deutschen Bischofskirchen werden landläufig aber Kathedrale genannt. Die meisten heißen Dom, wie zum Beispiel in Köln oder Aachen - und auch das Freiburger Münster ist eine Bischofskirche. Die Hauptkirche des Bistums Dresden-Meißen, die das Bild zeigt, ist eher als Katholische Hofkirche, denn als Kathedrale Sanctissimae Trinitatis bekannt. Dies mag daran liegen, dass sie nicht von Beginn an eine Kathedrale war. Als das Bistum Meißen 1921 errichtet wurde, diente der Dom St. Petri zu Bautzen als Bischofssitz. 1979/80 wurde der Bistumsname in Dresden-Meißen geändert und die Heimstatt des Bischofs an die Elbe verlegt.
  • Basilica
    Basilica (eingedeutscht mit k) kommt aus dem Griechischen (basiliké stoa = Königshalle) und wird im katholischen Christentum doppelt verwendet. Zum einen meint es einen Grundtyp kirchlicher Architektur nach antikem Vorbild. Zum anderen ist Basilika ein von der Bauweise unabhängiger Titel für Kirchen von herausragender Bedeutung. Darunter fällt auch die Auszeichnung Basilica minor, die vom Papst aufgrund historischer oder kunstgeschichtlicher Gründe verliehen wird. Zurzeit gibt es weltweit rund 1.600 solcher Kirchen. Der auf dem Bild gezeigte Bamberger Dom trägt den Titel seit 1923. Die Ehrung erfolgte laut Papst Pius XI., weil "der Dom zu Bamberg vor allen anderen Kathedralen Deutschlands sich dadurch auszeichnet, daß in ihm das Grabmal Unseres Vorgängers Clemens II. sich befindet."
  • Bascilia maior
    Eine Kirche, die den Titel Bascilia maior trägt, steht ganz oben in der katholischen Bauwerkshierachie. So genannt werden nur sechs römisch-katholische Gotteshäuser - vier davon in Rom: St. Johannes im Lateran, der Petersdom, St. Paul vor den Mauern sowie Groß St. Marien. Die zwei anderen, die Basilika des Heiligen Franziskus und die Basilika "Unsere Liebe Frau von den Engeln", sind in Assisi. Wie der Petersdom auf dem Bild haben auch die anderen Basilicae maiores einen Papstthron und einen Papstaltar. Nur der Papst, sowie in Ausnahmefällen ein anderer Bischof, darf an diesen Altären Heilige Messen feiern.

    Auf diese Weise ist der Kirchenbau bedeutungsvoll für die Baubranche. "Vor allem bei bestimmten Fragestellungen, die uns alle angehen", sagt Königs. Die Wegwerfgesellschaft habe sich ja leider auch im Bauwesen breitgemacht und so versuche die Kirche mit gutem Beispiel voranzugehen und langfristig zu denken. "Es geht um Bausysteme, die reparabel sind und in Würde altern können, die nicht nach drei oder fünf Jahren hässlich werden. Damit wir auch nach hundert Jahren noch das Gefühl haben, hier einen wertvollen Bestand vorzufinden."

    In Altwarmbüchen war Flexibilität ein großes Stichwort. Hier ging es um eine neuartige innere Aufteilung des Gebäudes. "Wir wissen nicht, wie sich Kirchengemeinde weiter entwickeln wird, welche Rolle der Gottesdienst in Zukunft noch spielt. Aber die Aktivitäten einer Gemeinde sind vielfältig", sagt Dombaumeister Kesseler. Und so wurden Räume für Frauengruppen und Jugendgruppen der Gemeinde, sowie für die Vermietung an Außenstehende geplant. Der Kirchenraum selbst ist auf die Größe einer Werktagskapelle reduziert, lässt sich aber bei Bedarf mit Schiebewänden so vergrößern, dass etwa 130 Leute hineinpassen. Im Eingangsbereich gibt es zudem ein offenes Cafe für Passanten. "Die Aufteilung ist flexibel und multifunktional."

    "Kirchliche Leuchttürme" in die Landschaft setzen

    Ist das nicht alles sehr teuer? "Es wird ja immer unterstellt, dass die Kirche auf einem Geldsack sitzt und nur deshalb dieses Bauen unterstützen kann. In Wahrheit drehen Bistümer und Gemeinden den Euro genauso oft um, wie ein öffentlicher Bauherr," ist die Erfahrung seines Kollegen Ulrich Königs. Allerdings können sie andere Prioritäten setzen, weil sie sich bei Ausschreibungen nicht an enge Vorgaben halten müssen. "Die öffentliche Hand ist gesetzlich dazu verpflichtet, den billigsten Anbieter zu wählen. Die Kirche hat die Freiheit, in Qualität zu investieren und hat dafür mittel- bis langfristig einen ökonomischen und ökologischen Vorteil."

    Auch das Bistum Hildesheim ist nicht reich. "Wir müssen mit unseren Mitteln haushalten", sagt Kesseler. "Auf der anderen Seite muss man auch mal kirchliche Leuchttürme setzen, um zu zeigen, dass wir noch eine Existenzberechtigung haben. Kirchen sind immer noch Identifikationsorte der Gesellschaft." Ihre Gebäude prägen ganze Viertel und haben auch eine Bedeutung für Menschen, die gar nicht zur Gemeinde gehören. Einer dieser Leuchttürme ist die Heilig-Kreuz-Kirche in Altwarmbüchen, die im Januar geweiht werden soll.

    Infobox: Kirche in Altwarmbüchen geweiht

    Im Bistum Hildesheim ist am Sonntag zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder eine neue Kirche geweiht worden. Bischof Norbert Trelle weihte in Hannover-Altwarmbüchen die neu gebaute Kirche Heilig Kreuz. Mit dem Bau des neuen Gotteshauses war im September 2015 begonnen worden. Die Kosten betragen den Angaben zufolge rund 1,8 Millionen Euro. An der Weihe nahmen rund 140 Gäste aus Kirche, Politik und Kultur teil.Auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft erfüllten Kirchenräume eine wichtige Funktion, sagte der Bischof. Sie dienten als "geheiligte Räume" in einem oft "mausgrauen" Alltag. "Diese Kirche ist hineingebaut in die Umtriebigkeit und Geschäftlichkeit des Lebens." Sie vereine Funktionalität und Sakralität in sich. (KNA)

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