Macher des "Zukunftskongress" im Erzbistum Köln fordern Reformen
Mit einer Kundgebung in Bonn haben die Reforminitiative "Maria 2.0" und weitere katholische Gruppen für einen Neubeginn im Erzbistum Köln protestiert. Sie erfahre "Resignation, Angst, Hoffnungslosigkeit, bisweilen blankes Entsetzen über das, was in unserer Kirche an Gewalt, an Verbrechen, an Missbrauch geschieht", sagte Gemeindereferentin Marianne Arndt als Vertreterin von "Maria 2.0" am Sonntag in Bonn. "Wir sitzen bisweilen mit Verbrechern an einem Tisch und teilen das hochheilige Brot. Das macht uns entsetzt und das müssen wir verändern."
Die Kundgebung war eine der Auftaktveranstaltungen des "1. Zukunftskongresses" von "Maria 2.0" und weiterer Gruppen, der bis zum 2. Oktober unter dem Motto #underconstruction im Erzbistum Köln stattfindet. Von den rund 100 Teilnehmenden auf dem Bonner Münsterplatz trugen viele weiße Kleidung oder Schals als verbindendes Zeichen.
Die Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Elisabeth Bungartz, forderte Geschlechtergerechtigkeit sowie den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche. Veränderung sei möglich, wenn sich Frauen und Männer auf Augenhöhe begegneten und Hierarchien abgebaut würden.
"Es darf nicht beim Diskutieren bleiben"
Die theologische Referentin des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), Regina Illemann, lobte den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg. Dort würde über Themen wie Macht und Sexualmoral gesprochen. "Es darf nicht beim Diskutieren bleiben", mahnte sie gleichzeitig. "Es muss sich etwas bewegen."
Beim "Zukunftskongress" stehen laut Organisatoren "die konsequente Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und eine Demokratisierung kirchlicher Strukturen" im Mittelpunkt. Unter anderem spricht Kirchenrechtler Thomas Schüller am Dienstag über Kirche und Demokratie; Theologin Doris Reisinger hält am 21. September einen Vortrag zu sprituellem Missbrauch. Zum Veranstaltungsbündnis gehören auch der Kölner Diözesanrat, die Berufsverbände der Pastoral- und Gemeindereferenten, der Jugenddachverband BDKJ, die Frauenverbände kfd und KDFB, der Katholikenausschuss der Stadt Köln und der Kreiskatholikenrat Rhein-Erft.
Im krisengeschüttelten Erzbistum Köln hatten Kardinal Rainer Maria Woelki und der Diözesanpastoralrat als sein oberstes Beratungsgremium am Wochenende erste Schritte einer Annäherung gemacht. Das Treffen wurde von einem Psychologen moderiert und verlief "ehrlich, kontrovers, intensiv", wie das Erzbistum im Anschluss erklärte. Es sei darum gegangen, "überhaupt wieder eine Gesprächsgrundlage zwischen Bistumsleitung und Beratungsgremium und innerhalb des Diözesanpastoralrats zu finden". (tmg/KNA)