Nach Geldzahlung: Ex-Stadtdechant und Erzbistum legen Streit bei
Nach dem Finanzskandal am Bonner Münster haben das Erzbistum Köln und der frühere Stadtdechant Wilfried Schumacher ihre Streitigkeiten beigelegt. Dazu zahlte Schumacher einen Geldbetrag in Höhe einer mittleren fünfstelligen Summe, teilten die Beteiligten am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit. Man habe sich darauf geeinigt, die Auseinandersetzung über die Verwendung von Mitteln aus der Treuhandkasse nicht weiter fortzusetzen. Beide Seiten verzichteten damit auf eine möglicherweise langwierige gerichtliche Klärung der streitigen Fragen.
Das Erzbistum wirft Schumacher vor, insgesamt rund 3,5 Millionen Euro aus dem Substanzvermögen verwendet zu haben, um Löcher im Etat der Bonner Münsterpfarrei zu stopfen. Personal- und Betriebskosten von angeschlossenen Betrieben seien "unter verschiedenen Positionen verbucht und auf andere Kostenstellen verteilt" worden. Zweckgebundene Mittel und auch Spenden seien für Ausgaben im allgemeinen Haushalt ausgegeben worden. Auch der Umgang mit treuhänderischen Mitteln sei in vielen Fällen nicht nachvollziehbar gewesen.
Schumacher hatte Umgang des Erzbistums mit ihm kritisiert
Schumacher widersprach dieser Darstellung. Er räumte zwar buchhalterische Fehler ein, betonte jedoch, dass "jeder einzelne Euro, der aus der Treuhandkasse ausgegeben wurde", kirchlichen Zwecken gedient habe. Schumacher war im Mai 2018 auf Druck des Erzbistums von seinen Ämtern als Stadtdechant und Münsterpfarrer zurückgetreten. Noch im Februar hatte er den Umgang der Erzdiözese mit ihm als "unseriös, unkollegial und unchristlich" beschrieben.
Nach Schumachers Rücktritt hatten sich 1.500 Bonner Bürger mit einer Unterschriftenaktion für den ehemaligen Stadtdechanten eingesetzt. Die Unterzeichner der Petition appellierten an den Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, "den Sachverhalt vollständig aufzuklären und neu zu bewerten". Zudem forderten sie ein zweites externes Gutachten, in dem auch eine mögliche Verantwortung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki untersucht werden sollte. (rom/KNA)