Nach Querelen – Katholischer Bezirk Memmingen hat neuen Dekan
Rund zwei Jahre nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Grenzüberschreitungen gegen einen hohen katholischen Geistlichen aus dem Allgäu gibt es für den Mann einen Nachfolger als Dekan. Neuer Dekan von Memmingen, also Vorsteher dieses Kirchenbezirks um die Stadt in Bayerisch-Schwaben, ist Ralf Czech (46). Das teilte das Bistum Augsburg am Mittwoch mit. Bischof Bertram Meier habe den leitenden Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Erkheim-Günztal für sechs Jahre ernannt. Der gebürtige Schwabe Czech hatte das aus rund 58.000 Katholikinnen und Katholiken bestehende Dekanat zuletzt schon übergangsweise als Prodekan geleitet.
Die Diözese hatte den Vorgänger Czechs am 10. Juni 2021 entpflichtet und von allen Aufgaben freigestellt. Über die Identität des Priesters hatte dessen Anwalt kurz darauf in einer Presseerklärung informiert. Anlass für die Freistellung war der Verdacht, der Geistliche habe über Jahre sexuelle Grenzüberschreitungen begangen. Strafrechtliche Ermittlungen dazu wurden jedoch eingestellt. Es habe sich kein Anhaltspunkt dafür ergeben, dass das Geschehen zwischen dem Dekan und einer Frau nicht einvernehmlich gewesen sei, so die Anklagebehörde. Eine Beschwerde der betroffenen Frau bei der Münchner Generalstaatsanwaltschaft blieb im Dezember 2021 ohne Erfolg.
Nach wie vor läuft noch ein Kirchenprozess gegen den früheren Dekan, wie das Bistum auf Nachfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte. Bis zum Ausgang des Verfahrens gilt für den Mann die Unschuldsvermutung. Die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Memmingen, die der entpflichtete Dekan einst ebenfalls innehatte, war bereits zum Beginn dieses Jahres neu besetzt worden. Übernommen hat sie der aus Indien stammende Prämonstratenserpater Joshy Palakunnel. (KNA)