Oster: Besseres Christusverständnis als Lösung der Kirchenkrise
Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich zum Jahresende Gedanken über die Zukunft der Kirche gemacht. Deren Krise ist seiner Ansicht nach "zuerst eine geistliche", schreibt Oster auf seiner Internetseite, wo er seine Einschätzungen auch bewusst zur Diskussion stellen möchte. Die größte Herausforderung sehe er darin, immer wieder neu und tiefer in das Christusgeheimnis hineinzufinden. Dazu gehöre das stete neue Einüben in ein substanzielles Gebetsleben, um ein Leben aus dem Wort Gottes und den Sakramenten zu führen. Gerade für viele junge Menschen scheine nämlich Kirche oft alles andere als aus der Gegenwart Christi lebend.
Oster will andere Sakramentenpastoral
Die in den vergangenen Monaten intensiv geführten Debatten im deutschen Episkopat drehten sich im Kern um die Frage, wie Kirchen- und Eucharistiegemeinschaft zusammengehörten, erinnerte Oster. Er wünsche sich, dass dadurch die Kostbarkeit der Eucharistie von vielen Gläubigen wieder neu entdeckt werden könne, als "Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens", wie das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) sage. Wenn diese Aussage richtig sei, dann sei die Tatsache, "dass rund 90 Prozent der Katholikinnen und Katholiken bei uns nicht mehr daran teilnehmen", aus seiner Sicht "eine spirituelle Tragödie für Kirche und Welt".
Was bedeutet Eucharistie? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
Der Bischof plädierte zudem für eine glaubwürdige Erneuerung der Sakramentenpastoral, die sich nicht immer noch mehr "an das jeweilig herrschende, nicht selten oberflächliche Verstehensniveau" anpassen sollte. Das gelte besonders für Eucharistie, Firmung und Buße sowie verstärkt für das Ehesakrament.
Konkreten Handlungsbedarf sieht Oster weiter in der Missbrauchsthematik. Auch wenn in der Kirche schon viel passiert sei, um solche Taten zu verhindern, "brauchen wir dennoch verstärkt die konsequente Orientierung an den Betroffenen, in einer wahrhaftigen Aufarbeitung und in weiteren Anstrengungen im Bereich Prävention und Schutz vor allem für junge Menschen".
Weiter sprach sich der Bischof für einen neuen Stil von Leitung in der Kirche aus, die wirklich geistlich sei und sich am Beispiel Jesu orientiere. Notwendig seien Strukturen, die Machtmissbrauch verhinderten - "und die deutlich machen, dass alle Getauften miteinander Volk Gottes sind".
Innerkirchlicher Widerpart als "liebster Feind"
Zugleich fragte Oster, wie Polarisierungen in der Kirche überwunden werden könnten. Dabei treibt ihn um, dass "seltsamerweise der innerkirchliche Widerpart oftmals der liebste Feind zu sein scheint - und nicht etwa die Herausforderung durch aggressiven Atheismus, religiöse Gleichgültigkeit, durch Ideologien oder durch Fundamentalismen in anderen Religionen". (KNA)