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Passauer Bischof schreibt Essay über den Zustand des Glaubens

Oster sieht Kirche in der Krise

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Der Passauer Bischof Stefan Oster im Gespräch.
Passau - Gemeinden, Theologie, Priesterausbildung, Caritas: Geht es nach Bischof Stefan Oster, muss all das reformiert werden. In einem Essay beschreibt er, was die Kirche anders machen muss, um zukunftsfähig zu sein.

Der Passauer Bischof Stefan Oster fordert, ein Lagerdenken in der katholischen Kirche zu überwinden. Der eigentliche "Sieg" im Kampf von Liberalen und Konservativen wäre eine "Revolution der Liebe, der Barmherzigkeit, von der Papst Franziskus nicht aufhört zu sprechen", schreibt Oster in einem Essay, das er am Wochenende auf seiner Homepage http://stefan-oster.de veröffentlichte.

Oster: Aus Heilsuniversalismus wurde Heilsautomatismus

Darin kritisiert er beide Lager. Der liberale Katholizismus nehme Dogma, Heilige Schrift und Liturgie nicht ernst genug und habe eine Tendenz zur geistlichen Oberflächlichkeit. "Allzu liberale Theologien" würden mangels echter geistlicher Fruchtbarkeit in den allgemeinen Humanismus aufgehen. Doch auch bei den Konservativen sei oft nur wenig von einem "wirklich liebenden Dienst am Nächsten" spürbar: "Die bloße Beharrung auf einer satzhaften Wahrheit und korrekten Liturgie macht noch längst nicht das eigene Herz größer und weiter", diagnostiziert Oster. Eine Identität im Glauben könne nicht primär durch "äußere Merkmale gewährleistet werden".

Auch am allgemeinen Ist-Zustand der Kirche in Deutschland und Europa hat der Bischof einiges auszusetzen. Der Theologe sieht eine "Krise des christlichen Fundaments unseres Kontinents", die sich auch in einem anwachsenden Populismus, der  ökonomischen und ökologischen Krise und der Flüchtlingskrise zeige. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe sich eine Beliebigkeit breitgemacht. Der Heilsuniversalismus der Frohen Botschaft, dass Jesus durch seinen Tod ausnahmslos alle Menschen erlöst habe, sei in einem "Heilsautomatismus" gekippt und damit sei nach und nach "jegliche Art von religiösem Anspruch an den Gläubigen" verschwunden. Sei es die regelmäßige Beichte, das Lesen der Bibel, die Sonntagspflicht oder die kirchliche Sexualmoral  - all diese Glaubenspfeiler seien in den Hintergrund geraten. Der Glaube fordere aber auch etwas von den Menschen, betont Oster.

Nein, die Kirche ist nicht gestrig. Die Kirche ist vielmehr die ganz große Erzählung für jede Zeit.

Bischof Stefan Oster

Nach seiner Erfahrung pflegen nur noch wenige Gläubige eine lebendige Gottesbeziehung und ein ausgeprägtes Gebetsleben. An dieser Entwicklung seien auch die Pfarreien Mitschuld. Sie vermittelten den Gläubigen zu wenig, dass Gott mit den Menschen wirklich eine "persönliche Beziehung leben" wolle und dass der Glaube auch etwas mit Entschiedenheit und Risiko zu tun habe.  "Die Versöhnung mit Gott im eigenen Leben, die Suche nach immer neuer Umkehr zu Gott, der Weg des gläubigen Menschen als ein Wachsen und Reifen im geistlichen Leben, in der Beziehung zum Herrn, spielt im Grunde in einem normalen Gemeindeleben keine Rolle mehr", hat Oster beobachtet.

Geht die Ausrichtung auf Gott verloren?

Viel zu oft werde der Glaube von den Gemeindemitgliedern als etwas gesehen, das einfach passiv konsumiert werden könne. Ergebnis sei dann die "schiere Relevanzlosigkeit eines bloß mehr oberflächlichen Glaubens". Dass die Gemeinde seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil aktiv am Gottesdienst mitwirken könne, berge auch die Gefahr, dass sie sich "selbst in den Mittelpunkt des Geschehens" rücke und dadurch die innere Ausrichtung auf Gott hin verloren gehe.

In dem Essay kritisiert Oster aber auch den Zustand der katholischen Theologie in Deutschland. Deren große Zeit sei vorbei. Stattdessen ergehe sie sich "in deutschen Universitäten in vielerlei Debatten, die sich tendenziell nicht selten darin gefallen, das tradierte Credo und Dogma in Frage zu stellen". Gleichzeitig leide die Disziplin an "ihrer zunehmenden Bedeutungslosigkeit". Und auch die Priesterausbildung sieht Oster als reformbedürftig. Sie sei noch zu sehr auf die immer weniger vorhandenen volkskirchlichen Strukturen ausgerichtet und zu wenig auf die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts. Wichtiger sei in Zukunft auf die "Einweisung in ein intensives geistliches Leben", missionarischer Einsatz, die Fähigkeit der angehenden Priester, den Glauben in "diese und keine andere Welt hinein zu buchstabieren" und "menschliche Reife, die Begegnung mit jedem kann".

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Früher hat man gesagt, dass der Pfarrer jedes seiner Schäfchen kennt. Bei Markus Pottbäcker ist das nicht so. Denn der Propst der Pfarrei St. Urbanus in Gelsenkirchen muss sich um 38.000 Katholiken kümmern. Katholisch.de hat ihn in Deutschlands größter Pfarrei besucht.

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In seinem Text findet Oster auch für die deutsche Caritas kritische Worte. Dort werde häufig  zu wenig einfache Nächstenliebe von der Liebe Jesu unterschieden, die absichtslos sei und eine neue Botschaft in sich berge. Wenn "unsere 500.000 Caritas-Mitarbeiter in Deutschland wirkliche Zeugen der Liebe Christi wären, dann müssten die Kirchen im Grunde voll sein von Menschen, die die Quelle dieser Liebe auch kennen lernen und zum Beispiel in der Eucharistie empfangen wollen", lautet Osters These.

Ewige Anbetung und Weltjugendtag

Um die Kirche zukunftsfähig zu machen, plädiert der Passauer Bischof, der auch dem Salesianer-Orden angehört, für ein vertieftes Glaubensleben und mehr Verbindlichkeit im Glauben. Er sei überzeugt davon, "dass Glaubenserneuerung dort beginnt, wo echtes geistliches Leben sichtbar wird: Ein Leben aus der wirklich vertrauensvoll geglaubten und erfahrenen Gegenwart Gottes; aus dem Primat der Gnade!". Die Kirche sei nicht "gestrig", sondern eine "ganz große Erzählung für jede Zeit".  Der Glaube habe die Antwort auf "alle wesentlichen Fragen nach dem Menschen, seinem Leben und seinem Sinn, nach der Gesellschaft, nach Gott".

Die Pfarreien der Zukunft sieht Oster als von "Kleineren Einheiten von ernsthaft Gläubigen in einer größeren Einheit" getragen. Auch das Engagement von geistlichen Gemeinschaften, Ordensgemeinschaften oder der "24-7-Bewegung", die die Ewige Anbetung organisiert, und Veranstaltungen wie die Weltjugendtage nennt er als Beispiel, die Mut machten für die Zukunft der Kirche. (gho)

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