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Nicht nur Merksätze auswendig lernen

Pastoraltheologin: Kirche hat ein Denk- und kein Sprachproblem

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Kinder in einer Gruppenstunde zur Kommunionvorbereitung
Magdeburg - Für Glaubensinhalte nicht die richtige Sprache zu finden, wird der Kirche immer mal wieder unterstellt. Eine Pastoraltheologin geht jetzt aber noch einen Schritt weiter: Es hat nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit dem Denkmodell zu tun.

Die katholische Kirche hat nach Ansicht der Erfurter Pastoraltheologin Maria Widl kein Sprach-, sondern ein Denkproblem. "Wir tun uns so schwer, über Glaubensinhalte verständlich zu sprechen, weil wir nie gelernt haben, christliche Inhalte weiter zu denken", sagte Widl am Samstag in Magdeburg. "Im Religionsunterricht, in Erstkommunion- und Firmvorbereitungen ging es lange Zeit nur darum, Glaubenswissen in Merksätzen auswendig zu lernen, aber nicht darum, sich damit kritisch auseinanderzusetzen."

Dadurch hat sich Widl zufolge eine spezifische Sprache entwickelt, in der sich Katholiken über Glaubensinhalte verständigen. "Diese Sprache erschließt sich aber nur denjenigen, die Glaubensinhalte so vermittelt bekommen haben", so die Professorin für Pastoraltheologie an der Universität Erfurt. "Die Denkherausforderung besteht darin: Wie kann ich Glaubensdinge denken im Kontext des Alltäglichen – dann findet man auch eine allgemeinverständliche Sprache."

Was ist "gut katholisch"?

Nach Ansicht von Widl sind die meisten Konflikte in der katholischen Kirche "Deutungsmusterkonflikte" darüber, was "gut katholisch" ist. Dies lasse sich auf allen Ebenen beobachten: "Was etwa kirchliche Erwachsenenbildung ist und soll, ist auch in der Deutung umstritten." Ein traditionelles Verständnis setze dabei auf reine Katechese. Eine moderne Perspektive bereite aktuelle theologische Themen in ansprechenden Vorträgen auf. "Das richtet sich an die Klientel, die sagt: Ich will eine wissenschaftliche Bildung, die mir die Freiheit lässt, mir dann meine eigene Meinung zu bilden", so Widl.

Schließlich gebe es noch die postmoderne Perspektive: "Da ist der Fokus: Wie kann man unsere zentralen Glaubensthemen so denken und vermitteln, dass es jeder Mensch, auch der Nichtgläubige verstehen und nachvollziehen kann." Diese Form finde vor allem in Neuen Geistlichen Gemeinschaften oder bei Jugendevents Anklang. Grundsätzlich stünden alle drei Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander und richteten sich eben an unterschiedliche Bildungsgewohnheiten, so Widl.

Widl äußerte sich auf der "pastorale!" in Magdeburg. Die kirchliche Fachmesse und Ideenbörse ist eine gemeinsame Initiative der fünf ostdeutschen Bistümer. Bei rund 100 Workshops, Vorträgen und Diskussionspodien steht bis Sonntag die Rolle der Christen in einem säkularen Umfeld im Fokus. (KNA)

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