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Ängste und Traurigkeit bei Kindern und Erwachsenen auffangen

Pfarrer: Kirchen bieten nach Tötung von Mädchen Beistand an

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Sacrificial lights stand in a church.
Bonn - Die Tötung eines 12-jährigen Mädchens im nordrhein-westfälischen Freudenberg erschüttert die Nation. Vor Ort bieten die Kirchen nun Unterstützung an. Statt sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen, will man Spannungen abbauen.

Nach der Tötung eines zwölfjährigen Mädchens in Freudenberg bieten auch die Kirchen am Ort Unterstützung an. Es gebe zahlreiche Gebete, auch mit Kindern, sagte Karl-Hans Köhle, Pfarrer in der katholischen Gemeinde Sankt Marien im Pastoralen Raum Siegen-Freudenberg, dem Kölner Internetportal domradio.de (Donnerstag). Auf der Internetseite der Gemeinde sei ein Bild von einer Kerze aus der Marienkirche. "Dort brennt auch ständig eine Kerze." Durch diese Gesten sollten Ängste und Traurigkeit bei Kindern und Erwachsenen aufgefangen werden.

"Selbstverständlich ist die katholische Kirche ganztägig geöffnet, wie auch die evangelische Kirche. Ich habe der Bürgermeisterin signalisiert, dass wir selbstverständlich als Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Verfügung stehen. Das hat sich an dem Montagmorgen noch nicht als notwendig erwiesen, weil genug Psychologen angefragt waren", erklärte der Pfarrer. "Wir hatten das auch der Gesamtschule angeboten."

Man wolle präsent sein und zum Gespräch zur Verfügung stehen, sagt auch die Gemeindereferentin Irmtrud von Plettenberg. Darüber hinaus, so die Trauerbegleiterin, wolle sie im Ort vor allem Spannungen abbauen. "Wenn ich jetzt auch mit Schuldzuweisungen und Hassnachrichten konfrontiert werde, versuche ich deutlich zu deeskalieren." Leid und Strafe, die die beiden Täterinnen und ihre Familien jetzt hätten, seien so schon unsäglich. "Diese Fassungslosigkeit und das Leid der Familie von Luise. Es ist alles so bodenlos", ergänzte sie. Momentan sei es viel wichtiger, dies aushalten zu können, anstatt eigenes "Nicht-ertragen-können" über das Leid der Familien zu stellen.

Angesichts von Forderungen nach harten Strafen für die noch nicht strafmündigen Mädchen fragte die Theologin nach dem offenen Zugang zu gewaltverherrlichenden Filmen und angemessener Medienerziehung. "Da sind zwei Mädchen, die respektlos mit dem Leben umgehen, weil die Gesamtgesellschaft das tut", kritisierte von Plettenberg.

Gewaltforscher sieht die Gesellschaft in der Pflicht

Auch der Gewaltforscher Dirk Baier sieht die Gesellschaft in der Pflicht. "Das Wichtigste ist, möglichst früh, möglichst intensiv mit den Kindern und Jugendlichen zu bleiben", sagte er am Mittwochabend im Interview des Portals Spiegel Online. Es heiße schnell, da müsse sich die Polizei oder die Schule kümmern. Aber, so Baier: "Auch ich als Person in der Nachbarschaft habe den Auftrag zu schauen, was Kinder und Jugendliche treiben. Wir als Gesellschaft stehen da in der Verantwortung."

Dass junge Menschen sich so verhielten, falle "nicht einfach vom Himmel", ergänzte der Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Häufig gebe es in solchen Fällen eine "Problematik in der Familie, im Elternhaus. Die Eltern haben oft ein Desinteresse an der Entwicklung ihrer Kinder und an deren sozialem Umfeld. Oder die Eltern verhalten sich selbst kalt und gewalttätig ihren Kindern gegenüber."

Die genauen Umstände und Ursachen für die Tat seien aus der Ferne kaum zu beurteilen, betonte der Forscher. Er halte es jedoch für am wahrscheinlichsten, dass die beiden Verdächtigen sich in einen Konflikt hineingesteigert hätten. "Da können Kränkung und Wut eine Rolle spielen. Emotionen sind von jungen Menschen noch schlechter zu kontrollieren als von Erwachsenen. Die Mädchen werden höchstwahrscheinlich keine Monster sein."

Eine 12- und eine 13-Jährige hatten gestanden, in der Nähe von Freudenberg im Kreis Siegen-Wittgenstein das Mädchen getötet zu haben. Die beiden mutmaßlichen Täterinnen sind laut Mitteilung des Kreises jetzt außerhalb ihres häuslichen Umfeldes untergebracht. (bod/KNA)

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