Schick kritisiert CSU für Kirchenschelte
Demokratie, Pressefreiheit, Flüchtlinge: Am bundesweiten "Aschermittwoch der Künstler" haben sich mehrere katholische Bischöfe zu politischen und gesellschaftlichen Fragen positioniert.
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wandte sich gegen Forderungen aus der CSU, dass sich die Kirche aus der Politik heraushalten solle. Die Kirche wolle und solle politisch sein, um am Aufbau der Gesellschaft mitzuwirken, sagte er in Nürnberg. Beim "Aschermittwoch der Künstler" begegnen sich in mehreren Städten jedes Jahr Kunst- und Kirchenvertreter.
Schick reagiert auf CSU-Kritik
Schick sagte, wer die Kirche aus Politik und Gesellschaft entfernen wolle, trage zum Schaden des Gemeinwohls bei und hindere die Kirche, ihren Auftrag für die Menschen zu erfüllen. Mehrere CSU-Politiker hatten die Kirchen jüngst zu politischer Zurückhaltung gemahnt. Nach den Worten des Erzbischofs arbeitet die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags, die Menschheit mit den Werten des Evangeliums zu bereichern, mit allen gesellschaftlichen Gruppen zusammen.
Dabei stehe die Kirche für eine bunte Gesellschaft im Gegensatz zu einer Vereinheitlichung wie in totalitären Staaten. Christen verteidigten die Demokratie und die Pressefreiheit. Sie reagierten deshalb auch besorgt, wenn Medien gleichgeschaltet und unliebsame Reporter in Gefängnissen mundtot gemacht würden, "wie es derzeit in der Türkei geschieht".
Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kritisierte die Unterdrückung der Freiheit der Kunst und des Wortes weltweit. "Wir sind verbunden mit allen Künstlern und Journalisten; wir sind solidarisch mit ihnen überall dort, wo sie unterdrückt werden oder im Gefängnis sitzen, gerade jetzt aktuell", sagte Marx am Mittwochabend. Zugleich rief er zum Gebet für verfolgte und inhaftierte Künstler und Medienmacher auf. Es gelte an jene zu denken, "die wegen der Suche nach der Wahrheit unterdrückt und eingesperrt werden".
Der Glaube an Jesus Christus ist immer persönlich - aber nie privat.
Kardinal Rainer Maria Woelki
In Köln sagte Kardinal Rainer Maria Woelki: "Der Glaube an Jesus Christus ist immer persönlich - aber nie privat." Auch wenn das Evangelium dazu aufrufe, im Verborgenen zu fasten, sei das keine Aufforderung zum Rückzug aus der Welt. "Wenn ich faste und mich währenddessen freudig zeige und mein Haupt salbe, dann strahlt auch im Fasten die Freude des Evangeliums aus mir heraus und wirkt." Er verglich den Glauben mit der Kunst, die ebenfalls etwas sehr Persönliches sei und dennoch im Öffentlichen stattfinde.
Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa sagte, es werde "aus allen möglichen und alles anderen als christlichen Motiven gefastet." Seiner Meinung nach wäre allen stets angeraten, nicht einfach alles in sich hineinzustopfen, sondern eher "selbst zu leben als sich leben und treiben zu lassen". Es bräuchte dazu auch gar keine besondere Zeit, um sich selbst immer mal wieder zu überprüfen, inwieweit man sich selbst noch im Griff hat, so der Bischof. Zur Fastenzeit sagte Zdarsa: "Fasten, beten und spenden sind nichts wert, wenn wir nicht mit reiner Absicht Gott suchen." Dies hänge vom konkreten Handeln ab. Gläubige sollten eher das persönliche als das öffentliche Gebet suchen und lieber das Sakrament der Buße empfangen als eine "halbherzige, persönliche Bilanz" zu ziehen. Die Aussage, die Gebote der Fastenzeit gehalten zu haben, dürfe auf keinen Fall zu einer "ritualisierten Lüge werden"
Tradition seit 1950
Hofmann wandte sich in Würzburg an Künstler. Es gebe wohl kaum eine Menschengruppe wie Künstler und Kunstschaffende, die in ihrem Tun das Spirituelle und Göttliche erahnten. In der Heiligen Schrift sei die Wolke ein Symbol für den Übergang vom Unsichtbaren zum Sichtbaren und umgekehrt. Künstler hätten schon früh dieses Symbol des sich offenbarenden und zugleich verhüllenden Gottes aufgegriffen.
Der "Aschermittwoch der Künstler" soll Begegnungen von Kirche und Kunst ermöglichen. Dazu gibt es zum Auftakt der Fastenzeit in zahlreichen deutschen Bischofsstädten Veranstaltungen. Die Initiative dazu kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Frankreich. Dort strebte der katholische Schriftsteller Paul Claudel (1868-1955) nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer solchen Begegnung einen spirituellen Neuanfang für Europa an. Der erste "Aschermittwoch der Künstler" in einer deutschen Diözese fand 1950 in Köln statt. (luk/gho/KNA)
1. März 2017, 17:55 Uhr: ergänzt um die Bischöfe Hofmann und Zdarsa
2. März 2017, 09:50 Uhr: ergänzt um Kardinal Marx
Zum Beginn der Fastenzeit erinnert das Aschekreuz als Symbol an die Vergänglichkeit des Menschen. Der Aschermittwoch, an dem das närrische Treiben endet, markiert zugleich den Beginn einer wichtigen Zeit im Kirchenjahr.