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Buch zum Thema Macht und Missbrauch in der Kirche vorgestellt

Sternberg wünscht sich vorbildliche Missbrauchsaufarbeitung

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Bonn - ZdK-Präsident Thomas Sternberg hat eine Missbrauchsaufarbeitung gefordert, die "weh tut". Die Kirche müsse die Messlatte für andere Bereiche hochlegen. Die systemischen Hintergründe für Missbrauch in der Kirche will jetzt ein Buch beleuchten.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hofft auf eine kirchliche Missbrauchsaufarbeitung mit Vorbildcharakter. "An uns stellen sich die Ansprüche, die sich an alle stellen, noch mal in einem ganz, ganz besonderen Maße", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Donnerstag bei einer virtuellen Buchvorstellung der Universität Bonn. "Und deshalb müssen wir es besonders gut machen. Und deshalb müssen wir auch Kritik da aushalten."

Sternberg bezeichnete es als Katastrophe, dass ausgerechnet Geistliche Minderjährige missbrauchten. Dies sei zudem in einer Institution passiert, die Fragen von Sexualität über Jahrzehnte hochgehängt habe. Er forderte eine intensive Aufarbeitung, die "weh tut", und die die Messlatte für andere gesellschaftliche Bereiche hoch lege, in denen eine Aufarbeitung noch bevorstehe.

Die Leiterin des Instituts für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt (IPA), Mary Hallay-Witte, forderte, unterschiedliche Formen von Gewalt in der katholischen Kirche zu benennen und Täterstrategien aufzudecken. "Momentan liegt der Fokus der Diskussion auf der Verantwortung der Bischöfe", sagte Hallay-Witte. Das sei zwar richtig, berge jedoch die Gefahr von den Taten der Täter abzulenken. "Das schützt diese geradezu und ist auch Teil ihrer Strategie."

Buch "Ohnmacht. Macht. Missbrauch"

Sternberg sprach zudem über die Frage, inwiefern Laien zu einem System beitrugen, in dem Missbrauch passierte. "Es hat so etwas gegeben wie das Decken von Missbrauchstaten, von Klerikern durch Gemeinden", sagte er. In diesem Zusammenhang nannte der den Begriff des Ko-Klerikalismus.

Sternberg und Hallay-Witte äußerten sich im Rahmen der Online-Vorstellung des Buchs "Ohnmacht. Macht. Missbrauch". Herausgegeben von zwei Bonner Wissenschaftlern – dem Moraltheologen Jochen Sautermeister und dem Liturgiewissenschaftler Andreas Odenthal – beleuchtet die Aufsatzsammlung die systemischen Hintergründe von Missbrauch und Macht in der katholischen Kirche. Unter anderem geht es um die Rolle von Seelsorgern, Gemeinden, der akademischen Theologie und des Kirchenrechts.

Der Band aus dem Herder-Verlag ist aus einer Vorlesungsreihe an der Universität Bonn im Wintersemester 2019/20 entstanden. Das Buch enthält acht Aufsätze von Theologinnen und Theologen sowie einen Beitrag aus dem Bereich der Psychologie. (cbr/KNA)

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