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ZdK und Missbrauchsaufarbeitung: Strategisch statt solidarisch

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken sucht den Schulterschluss – nicht mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt, sondern mit den Bischöfen. Auf die Stimme der Betroffenen hört die Stimme der Laien viel zu wenig, kommentiert Felix Neumann.

Von Felix Neumann |  Bonn - 24.02.2021

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Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) steht in manchen Kreisen im Ruf, rebellisch und kirchenkritisch zu sein. Wäre es das nur! In der Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt agiert seine Spitze sehr staatstragend – oder besser: institutionstragend. Die Stimme der Laien drängt die Kirche nur vorsichtig und höflich zur Aufarbeitung. Dabei sucht sie vor allem den Schulterschluss mit den Bischöfen – und nicht mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt und ihren Initiativen. Bis heute hat kein Betroffener vor der Vollversammlung des ZdK gesprochen. Stattdessen wird über sie gesprochen – und nicht auf sie gehört.

Braucht es eine wirklich externe Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt in der Kirche? Betroffene selbst sehen das so. Sie vertrauen den Bischöfen nicht. In einem offenen Brief haben Matthias Katsch, Patrick Bauer und Karl Haucke, die sich in verschiedenen Betroffeneninitiativen engagieren, in der vergangenen Woche die Einsetzung einer Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission durch das Parlament gefordert. Der ZdK-Präsident sieht das nicht so. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen nannte Thomas Sternberg den Bedarf für eine solche Kommission ohne weitere Erläuterung "fraglich". "Die katholische Kirche ist alles in allem auf einem guten Weg. Ich glaube, die Aufarbeitungsarbeit vieler katholischer Bistümer in Deutschland muss sich nicht verstecken", gibt er zu Protokoll. Er vertraut den Bischöfen.

Dabei gäbe es nicht nur in Köln viel zu kritisieren – auch anderswo könnte es mehr Transparenz bei den Ergebnissen von Untersuchungen geben, und immer noch fällt es vielen Bistümern schwer, wirklich unabhängige Gremien einzurichten. Das Vertrauen in kirchliche Gremien ist bei den Betroffenen ohnehin begrenzt, verschiedene Betroffenenbeiräte finden kaum Menschen, die zu einer "Bewerbung" für eine Mitarbeit bereit wären. Immer noch bleiben die Richtlinien der Bischofskonferenz zur Aufarbeitung hinter dem weltkirchliche Recht bei der Meldepflicht von Fällen an den Heiligen Stuhl zurück.

Der Kurs der ZdK-Spitze wirkt strategisch: Ja nicht den Bischöfen in den Rücken fallen, deren Stimmen man für die Zweidrittelmehrheiten beim Synodalen Weg braucht. Prophetisch oder wenigstens solidarisch ist dieser Kurs nicht.

Von Felix Neumann

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und Mitglied im Vorstand der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP).

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Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.