Umstrittener Altar-Umbau und die ungeklärte Eigentumsfrage
Barock anmutender Altar oder komplett neu gestalteter Altarraum? Um die geplante Neugestaltung des Altarraums in der Basilika von Weingarten unweit des Bodensees ist ein Streit entbrannt. Pfarrer Ekkehard Schmid und der Kirchengemeinderat wollen den neuen Altar, eine Initiative den historischen Altar von 1931 unbedingt erhalten. Dafür wurden in einer Petition mehr als 5.800 Unterschriften gesammelt.
Auf Einladung des Kirchengemeinderats kamen am Mittwochabend zahlreiche Gläubige und Bürger in die Basilika, um sich dort über die Pläne für den neuen Altar zu informieren. Befürworter und Kritiker kamen zu Wort, es moderierte der Ravensburger Bundestagsabgeordnete Axel Müller (CDU).
"Letztendlich entscheidet der Bischof"
Das Ergebnis? "Weitere Gesprächsformate folgen, bevor der Kirchengemeinderat deren Ergebnisse als Votum an den Bischof weitergibt, der letztendlich entscheidet", teilte die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Donnerstagnachmittag mit.
Doch nun gibt es offenbar neue Hürden: Die "Initiative Pro Heiligblutaltar" forderte nach der Informationsveranstaltung den Stopp aller Umbaupläne für den Altarraum. Das Eigentum am Heilig-Blut-Altar in der Basilika Weingarten stehe "offenbar der bis heute existierenden Abtei Weingarten zu". Am Mittwochabend sei bekanntgeworden, dass im Diözesanarchiv kürzlich Unterlagen aufgetaucht seien, "die deutlich dafürsprechen, dass der Heilig-Blut-Altar der Benediktinerabtei Weingarten gehört".
Initiative: "Altar gehört Benediktinerabtei"
Die Abtei sei mit dem Auszug der Mönche im Jahr 2010 nicht aufgelöst worden, sondern bestehe rechtlich fort. Sie werde von Erzabt Tutilo Burger von Beuron als Abt-Administrator vertreten. Nach Informationen der Initiative habe dieser die Zustimmung zum Umbau nicht erteilt, sondern sein Veto eingelegt. "Trifft dies zu, dürften weder Diözese noch Kirchengemeinde ohne Zustimmung der Abtei, das heißt des Erzabts, über den Altar verfügen, ihn verändern oder gar abreißen", betont die Initiative.
Annemarie Mayer, Professorin an der Theologischen Fakultät Trier, wird von der Initiative mit den Worten zitiert, die Eigentumsfrage sei keine juristische Nebensache, "sondern die zwingende Vorfrage für alles Weitere".
Ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart sagte am Freitag der Katholischen-Nachrichten-Agentur (KNA), er könne "bestätigen, dass das Schreiben von Erzabt Tutilo Burger an Bischof Klaus Krämer am Dienstag in Rottenburg eingegangen ist". Der Bistumssprecher fügte hinzu: "Die Diözese ist noch dabei, die Eigentumsverhältnisse juristisch zu prüfen." Bis wann hier ein Ergebnis vorliege, sei im Moment nicht abzuschätzen.
Kosten aktuell bei 175.000 Euro
Bischof Krämer ist seit Dezember 2024 im Amt. Die Kirchengemeinde Sankt Martin hatte im selben Jahr in Abstimmung mit der Diözese einen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Altarraums der Weingartener Basilika ausgelobt. Der Entwurf des österreichischen Bildhauers Albrecht Zauner gewann. Das Projekt wird von der Kirchengemeinde finanziert.
Die Kosten für die Neugestaltung belaufen sich den aktuellen Angaben zufolge für Ambo, Altar, Sitzgelegenheiten im Altarraum (Sedilien), Tabernakel- und Reliquienstele inklusive Künstlerhonorar auf 175.000 Euro, wovon 100.000 Euro bereits durch langjährige, zweckgebundene Rücklagen zur Verfügung stünden.
"Die Gültigkeit der Entscheidung des Kirchengemeinderats für Zauners Entwurf bestätigte die Diözese", hieß es jetzt in der Mitteilung des Bistums. Diözesanbaumeister Thomas Schwieren habe sich hinter das Urteil der diözesanen Kunstkommission gestellt, dass es sich um einen "ikonografisch und theologisch gelungenen Entwurf" handele.
Heilig-Blut-Reliquie im Fokus
Zauner greife in seinem Entwurf auf historische Gegebenheiten zurück, wenn er für die im Altar aufbewahrte Heilig-Blut-Reliquie in einer Stele vor dem nördlichen Seitenaltar, wo sie von 1724 bis 1731 aufbewahrt wurde, einen zweiten, intimeren Ort zur Verehrung vorsehe. Auch in dem neuen Altar sei wie im bisherigen ein Schrein vorgesehen, in dem die Reliquie in der Regel zu sehen sei. Sie enthält der Legende nach mit dem Blut Christi vermischte Erde. Zauner hatte bereits erklärt, der Fokus liege nach wie vor auf der Reliquie, die im schlichten, weißen Altar besser sichtbar sein werde als im rötlichen Altar von 1931.