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"Ich bin überzeugt, darin den Ruf Gottes zu spüren"

Warum ein Pfarrer bei den Benediktinern eintritt

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Peter J. Vogelsang
Schäftlarn - Bis zum Sommer leitet Peter Vogelsang noch einen Pfarrverband im Erzbistum München und Freising. Danach beginnt er eine zweite "Laufbahn" als Benediktiner. Im katholisch.de-Interview spricht er über seine Motive für den Klostereintritt – und verrät, was ihm Kardinal Marx mit auf den Weg gegeben hat.

Weit hat er es nicht: Nach neun Jahren als Leiter des Pfarrverbands Schäftlarn tritt Pfarrer Peter Vogelsang (56) Anfang September in die Benediktinerabtei Schäftlarn ein. Zuvor war er bereits zwölf Jahre Pfarrer in einer anderen Gemeinde. Dass er mit seinem Schritt auf der Stufenleiter wieder ganz unten anfängt, stört ihn nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Er ist überzeugt, im Kloster das zu finden, was er "draußen" vermisst.

Frage: Pfarrer Vogelsang, nach knapp 30 Jahren als Weltpriester werden Sie zum Ordenspriester. Was sind die Gründe für diesen Schritt?

Vogelsang: Ich hatte schon immer eine große Affinität zum Benediktinerorden und zum Klosterleben insgesamt. Bereits seit 14 Jahren bin ich mit der Klostergemeinschaft hier in Schäftlarn verbunden, ich habe jedes Jahr eine Woche meiner Urlaubszeit im Kloster verbracht und mit den Mönchen gelebt. Insofern ist dieses Thema eigentlich immer in der Schwebe gewesen.

Frage: Was hat den finalen Ausschlag für Ihren Entschluss gegeben, ins Kloster einzutreten?

Vogelsang: Das kam gewissermaßen von außen. In der Erzdiözese München und Freising haben wir den sogenannten "Personalplan 2030" bekommen, und in diesem Zusammenhang fordert das Erzbistum zu verstärkter Flexibilität für Versetzungen auf. Meine Vorgesetzten haben mir signalisiert, dass sie bei mir auf jeden Fall von einem Pfarreiwechsel ausgehen, bevor ich 60 werde. Damit stand ich vor der Frage, wie ich mir das letzte Drittel meiner beruflichen Laufbahn vorstelle. Mir ist dabei klar geworden, dass ich mich gerne spirituell weiterentwickeln möchte, Gemeinschaft suche und nicht unbedingt nochmal eine Leitungsfunktion übernehmen will. Dann habe ich mit dem Abt des Klosters Schäftlarn darüber gesprochen – und dabei ist mir bewusst geworden: Ich kann über einen möglichen Klostereintritt nicht endlos nachdenken. Ich möchte das jetzt ausprobieren. Ich bin überzeugt, darin den Ruf Gottes zu spüren, und nicht nur meine eigenen Erwägungen.

Frage: Sie sagen, Sie wollen keine Leitungsfunktion mehr übernehmen. Schwingt da auch Kritik an der zunehmenden Belastung eines Pfarrers mit anderen Aufgaben als der Seelsorge mit?

Vogelsang: Natürlich ist die Belastung durch andere Aufgaben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer stärker geworden. Das liegt aber nicht nur an den kirchlichen Strukturen in Deutschland, sondern auch an der immer komplizierter werdenden staatlichen Bürokratie. Man muss heute über so viele Dinge Bescheid wissen und für so viele Sachen Verantwortung übernehmen – da überlegt man sich schon, ob man das guten Gewissens machen kann, weil man schnell Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Zugegeben: Ich bin froh, demnächst wieder andere Schwerpunkte setzen zu können. Im Übrigen bin ich meinen Verwaltungskräften im Pfarrverband für ihre großartige Unterstützung sehr dankbar.

Frage: Sie haben auch gesagt, dass Sie Gemeinschaft suchen. Einige Priester beklagen die Einsamkeit ihrer Lebensform, gerade im Ruhestand. War das auch ein Grund für Ihre Entscheidung?

Vogelsang: Im Alter möchte ich nicht allein sein, das ist klar. Mir hat erst kürzlich ein älterer Mitbruder, den ich noch aus meiner Heimatpfarrei kenne, geschrieben, dass laut Klerusverband etwa die Hälfte der Priester im Ruhestand allein ist und gerade auch an diesem Problem leidet, in der Einsamkeit leben zu müssen. Besonders wenn man pflege- oder hilfsbedürftig ist, kann das ein ausgesprochen heikles Thema sein.

Die Benediktinerabtei Schäftlarn liegt im Isartal südlich von München.

Frage: Eine Ordensberufung unterscheidet sich ja durchaus von einer Berufung zum Weltpriester. Sind Sie also bisher einer "falschen" Spur gefolgt?

Vogelsang: Nein, sicher nicht (lacht). Ich bin sehr gerne Priester und auch Pfarrseelsorger. Wenn die Erzdiözese und das Kloster zustimmen, könnte ich mir gut vorstellen, nach dem Noviziat mit einem Gestellungsvertrag in der Pastoral der Diözese mitzuarbeiten und beispielsweise in einer Pfarrei seelsorgliche Aufgaben zu übernehmen. Da muss ich aber abwarten, wie sich das im Kloster entwickelt und wie mich die Gemeinschaft dort einsetzen will. Das kann ich natürlich nicht mehr allein entscheiden.

Frage: Apropos nicht mehr allein entscheiden: Als Pfarrer haben Sie relativ viele Freiheiten. Sie können Ihren Tagesablauf und Ihre Freizeitaktivitäten ziemlich autonom gestalten. Im Kloster wird das nicht mehr der Fall sein…

Vogelsang: Mich lockt jetzt eigentlich mehr die Tatsache, dass ich nicht mehr der "Oberchef" sein muss, als dass mich die Einschränkung der Freiheit abschrecken würde. Ich kann auch mit einfachen Dingen zufrieden sein.

Frage: Dennoch: Sie fangen nach mehreren Jahren in einer leitenden Position sozusagen wieder "von unten" an. Wie gehen Sie damit um?

Vogelsang: Ich finde es ganz interessant, dass Sie "von unten anfangen" sagen. Wenn man in Hierarchien denkt, hat man immer eine Pyramide vor sich, und wenn man von unten hinaufsieht, bildet man sich immer ein, oben sei der schönste und sonnigste Platz. Es ist aber dummerweise auch der windigste Platz. Mir selbst fällt es gar nicht ein, im Reich Gottes so unterscheiden zu wollen. Das Entscheidende ist, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist und jeder Dienst, den jemand macht, wertvoll ist. Das schätze ich auch bei den Orden und insbesondere bei den Benediktinern: Es gibt keine Rangunterschiede zwischen "wertvolleren" und "weniger wertvollen" Diensten.

Frage: Was fasziniert sie besonders am Benediktinerorden?

Vogelsang: Jedes Haus ist sozusagen autonom. Bei vielen anderen Orden tritt man immer in eine Ordensprovinz ein und wird dann womöglich alle drei Jahre nach dem Provinzkapitel wieder kreuz und quer durch die Häuser versetzt. Bei den Benediktinern ist der Abt das Oberhaupt – und entschieden wird alles, was sie betrifft, innerhalb der Klostergemeinschaft. Auf diese Weise können auch die Benediktinerabteien in einem Landstrich recht unterschiedliche Haustraditionen entwickeln, was die Interpretation und Lebensweise der Benediktsregel angeht. Ich finde es sehr schön, dass man in kleinen Strukturen vieles selbst entscheiden kann – und dabei relativ unabhängig ist von dem manchmal etwas schwerfälligen großkirchlichen Apparat.

Ich finde es sehr schön, dass man in kleinen Strukturen vieles selbst entscheiden kann – und dabei relativ unabhängig ist von dem manchmal etwas schwerfälligen großkirchlichen Apparat.

Pfarrer Peter J. Vogelsang über den Benediktinerorden

Frage: Was genau erwartet Sie in den ersten Monaten im Kloster?

Vogelsang: Zunächst einmal das Postulat. Dabei geht es darum, dass sich der Eintrittskandidat und die Klostergemeinschaft gegenseitig "beschnuppern", bevor es ins Noviziat geht, das auf ein Jahr angelegt ist. Weil die Klostergemeinschaft und ich uns aber bereits sehr gut kennen, wird das Postulat voraussichtlich eher kurz werden. Konkret stelle ich mich in der ersten Zeit auf "Innendienst" ein: Ich werde keine Aufgaben außerhalb des Klosters haben und werde da auch wenig in Erscheinung treten. Ich werde verschiedene Dinge in der Ausbildung lernen wie Ordensgeschichte und -spiritualität sowie Ordensrecht. Dann werde ich in die verschiedenen Dienste eingeführt, die es in der Hausgemeinschaft gibt, etwa Tisch- und Lesedienst im Refektorium.

Frage: Der Schritt, den Sie gehen, funktioniert nicht ohne die Zustimmung aus dem Ordinariat. Als Bistum ist man heutzutage eigentlich froh um jeden Pfarrer, der eine Leitungsstelle übernehmen kann. Sie brechen da jetzt weg. Welche Reaktionen gab es seitens des Erzbistums?

Vogelsang: Ich habe bereits vergangenen Oktober Kardinal Marx einen Brief geschrieben, und er hat mich dann auch sehr bald zu einem Gespräch eingeladen. Er hat mir dabei zwei Dinge mitgegeben – und das hat mich sehr gefreut: Zum einen hat er natürlich das Bedauern über mein Ausscheiden aus dem Pfarrdienst geäußert. Zum anderen hat er aber auch eines deutlich gemacht: Ihm als Bischof ist es wichtig, dass die Kirche und die Klöster in unserem Bistum leben können. Insofern wünscht er mir, dass ich das Richtige für mich finde und es gut leben kann.

Frage: Angenommen, Sie oder die Klostergemeinschaft stellen während oder nach dem Noviziat fest, dass der Eintritt doch keine gute Idee ist – könnten Sie dann in den Pfarrdienst zurück?

Vogelsang: Dazu wäre ich sogar verpflichtet, weil ich bis dahin nur eine Beurlaubung habe. Aber auch darüber hinaus hat Kardinal Marx in unserem Gespräch betont, dass ich mich nicht scheuen soll, wieder anzuklopfen und zu fragen, ob mich das Erzbistum wieder nehmen würde. Es fallen hinter mir also keine Türen zu, die ich nicht wieder aufkriege. Und egal, wie es ausgeht: Am Ende werde ich irgendwo sein, wo ich herzlich willkommen bin.

Frage: Die entscheidende Frage kommt zum Schluss: Steht schon fest, welchen Ordensnamen Sie tragen werden?

Vogelsang: Ich habe mit dem Abt schon darüber gesprochen. Er hat dann gemeint, wir werden sicher einen passenden Namen finden und uns darauf einigen können. Ich habe auch schon einen Vorschlag im Kopf, aber ich mag ihn noch nicht verraten (lacht). Das soll vorerst ein Geheimnis bleiben.

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