Wenn es zwischen Pfarrer und Ordinariat knirscht
Wenn Priester in Konflikt mit der Bistumsleitung geraten, sind sie im Bistum Passau künftig nicht mehr auf sich allein gestellt: Auf Initiative des Priesterrats hat der Priester- und Diakonenverein ein Ombudsteam eingerichtet. Sechs Priester, vom Kaplan bis zum Dompropst, und ein Diakon stehen künftig bereit, um Mitbrüder zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten. Im Interview berichtet einer der Ombudsmänner, Dompropst Michael Bär, wie es zu dem Angebot kam – und ob das Bistum Passau zum Vorreiter wurde, weil hier besonders viel gestritten wird.
Frage: Herr Dompropst, bisher war das Bistum Passau nicht für Konflikte bekannt. Knallt es hinter den Kulissen so, dass es ein Ombudsteam braucht, das zwischen dem Bischof und seinen Priestern und Diakonen vermittelt?
Bär: Nein, so ist es nicht. Der Wunsch nach zusätzlichen Ansprechpartnern über die Priesterseelsorge hinaus ist im Priesterrat und im Priester- und Diakonenverein entstanden, nachdem der neue Generalvikar gleichzeitig auch als Personalreferent für die Kleriker zuständig blieb. Diese Personalentscheidung führte dazu, dass eine Instanz zwischen Klerikern und Bistumsleitung wegfiel. So entstand dann der Vorschlag, Ombudsleute zu benennen für Fälle, in denen es zu Konflikten und Kontroversen kommt. Dieser Vorschlag kam gut an, im Klerus und bei der Diözesanleitung, und so wurde dann das Team eingerichtet.
Frage: Mit welchen Themen rechnen Sie denn? Wo könnte es zwischen Pfarrer und Ordinariat knirschen?
Bär: Noch ist das nicht abzusehen, das können vergleichsweise Kleinigkeiten wie Konflikte um Besoldung oder Spesenabrechnungen sein, aber das kann auch bis hin zu Missbrauchsvorwürfen gehen.
Frage: Mit wie viel Arbeit rechnen Sie denn?
Bär: Nicht mit allzu viel. Nicht nur, weil sich die Arbeit auf sieben Ombudsmänner verteilt. Sonst wäre das ja schon abzusehen, aber in den ersten Wochen hat sich noch niemand bei uns Unterstützung geholt. Es ist hier im Bistum nicht so, dass es irgendwo brodelt und kocht und man nur das Ventil aufmachen muss und die Sache geht hoch.
Frage: Welche Hoffnungen, welche Ziele verbinden Sie mit diesem Ombudsteam?
Bär: Ich denke, es hilft Priestern, wenn sie wissen, dass sie auch in Konflikten nicht alleingelassen werden. Was die Priester in dieser angespannten kirchlichen Situation brauchen, war eine Frage, die uns geleitet hat. Aus diesem Geist heraus ist das Ganze in Bewegung gesetzt worden.
Frage: Und wie sieht das dann in der Praxis aus?
Bär: Wichtig ist das Angebot, bei Personalgesprächen einen Begleiter zu haben, und dann nicht allein drei, vier Leuten gegenüber zu sitzen. Die Erfahrung zeigt, dass eine Begleitung im Konfliktgespräch eine Gesprächssituation entspannen kann. Dann gibt ein Ombudsteam die Möglichkeit, Konflikte nicht gleich auf einer oberen Ebene zu verhandeln. Wir sind zwar keine Schlichtungsstelle. Aber wenn zum Beispiel ein Kaplan und sein Pfarrer nicht miteinander klarkommen, dann ist eine kollegiale Unterstützung vielleicht sogar effektiver zur Verständigung, als das gleich auf die Höhe der Diözesanleitung zu heben.
Frage: In der Ordnung für Ombudsleute wird Vertraulichkeit zugesichert. In dieser Funktion sind Sie aber weder Anwalt noch Beichtvater. Kann man sich gerade in heiklen Fällen auf diese Verschwiegenheit verlassen?
Bär: Ja, auch unterhalb des Beichtgeheimnisses ist Seelsorge geschützt. Wir haben für das Ombudsteam auch die Rückendeckung der Diözesanleitung, die hinter der zugesagten Verschwiegenheit steht.