Wie kann die Auferstehung wahr sein?
Zu den Osterfeierlichkeiten habe ich die jährlich wiederkehrenden Diskussionen geführt: wie kann die Auferstehung wahr sein? Widerspricht sie doch allem, was man wissenschaftlich über unser Leben und unseren Tod sagen kann. In der Reflexion dieser Gespräche denke ich, dass sich nicht Religion und Wissenschaft als Platzhalter für Glaube und Unglaube gegenüberstehen, sondern sich vielmehr ein Glaube gegenüber einer Vielzahl von anderen religiösen Überzeugungen behaupten muss.
Die Sozialwissenschaften sagen uns, dass Studierende der naturwissenschaftlichen Fächer, so sie eine religiöse Überzeugung haben, wenn sie ihr Studium beginnen, an ihrem Glauben festhalten und sich in ihm bestätigt fühlen, nachdem sie Physik, Biologie oder Ingenieurskunst studiert haben. Anders die Studierenden der Geisteswissenschaften: diese sind mit der Vielzahl von Überzeugungen, kulturellen und religiösen Überlieferungen, den verschiedenen Gesellschaftsformen, die aus ihnen erwachsen, konfrontiert. Diese Konfrontation wird zu einer dauernden Anfrage an die eigene Identität und die eigenen Überzeugungen. Sollten sie ihr Studium als Gläubige einer Religion begonnen haben, so ist es statistisch häufiger erfasst, dass sie diesen Glauben während und aufgrund ihres Studiums aufgeben oder zumindest modifizieren.
Die Überzeugungen der anderen, nicht die Naturwissenschaften fordern den Glauben an die Auferstehung heraus. Sie gilt als ein Wunder, das als solches einmalig ist und die Regeln der Natur geradezu benötigt, um deren Überwindung als Beleg für den Eingriff Gottes in die Geschichte herausstellen und feiern zu können. Aber die Herausforderung für den religiösen Menschen ist, dass er, umso mehr in der heutigen Welt, davon weiß, dass seine Religion nicht die einzige auf der Welt ist.
Die Extremisten unter den Religiösen wählen darauf hin die Dämonisierung der Anderen. Den Gläubigen aller Religionen hingegen dämmert es, dass sie ihren Glauben nicht mit einer gewissen Zwangsläufigkeit dem Anderen antragen ("So steht es in der Schrift." "Die Welt ist so perfekt gefügt, es muss jemanden geben, der das alles gemacht hat") und ihn damit überzeugen können. Der einzelne kann nur durch sein "ich glaube" seiner religiösen Überzeugung Gewicht verleihen, durch das Zeugnis des eigenen Lebens. Im biblischen Sinne ist das Leben als Zeuge ein christliches Leben.
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