Woelki: Prozession an Fronleichnam passt auch in heutige Zeit
Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki passt die fast 750-jährige Tradition der Fronleichnamsprozession auch in die heutige Zeit. Auch wenn der Glaube in einer zunehmend multikulturellen und säkularen Gesellschaft aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt und zur Privatsache gemacht werde, lasse sich dieser nicht auf den Raum der Kirche eingrenzen, sagte der Erzbischof am Donnerstag beim Fronleichnamsgottesdienst auf dem Roncalliplatz neben dem Kölner Dom. Der christliche Glaube umfasse das öffentliche Leben, den Staat und die Gesellschaft. "Dazu bekennen wir uns heute in unserer Fronleichnamsprozession." Diese schloss sich an die Messfeier an.
"Wir tragen Jesus hinein in alle Bereiche unseres Daseins"
"Wir gehen mit Jesus Christus durch die Straßen, vorbei an unseren Geschäften und Bürogebäuden, vorbei an unseren Wohnhäusern und den Orten unserer Freizeitgestaltung, vorbei an den Orten unseres politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens", sagte Woelki laut Redemanuskript. "Wir tragen ihn hinein in alle Bereiche unseres Daseins, damit er sie segne und heilige."
Am Mittwoch hatte sich bereits der Kölner Stadtdechant Robert Kleine trotz der aktuellen Krise der katholischen Kirche und des damit einhergehenden Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlustes für eine Beibehaltung der traditionellen Fronleichnamsprozessionen ausgesprochen. Ein Verzicht auf die Prozessionen "wäre das falsche Zeichen, dass wir uns jetzt verschließen und nicht mehr rausgehen", sagte Kleine im Magazin "Rheintime" auf "Radio Köln".
Erste Fronleichnamsprozessionen nach zweijähriger Corona-Pause
Zwar sei klar, dass alle Verfehlungen der Kirche aufgearbeitet werden müssten. "Gleichzeitig müssen wir zeigen, dass die Kirche nicht sich selbst verkündet, sondern Christus", so der Geistliche. Die Fronleichnamsprozession, bei der Christus sinnbildlich mit der Monstranz durch die Stadt getragen werde, könne dabei helfen, Christus wieder in die Mitte zu stellen. "Es geht um ihn, nicht um Brimborium. Es geht nicht um die Fahnen, es geht nicht um Weihrauch. Das alles weist auf den Eigentlichen hin, der ganz einfach in der Gestalt des Brotes mit dabei ist", erklärte Kleine.
Fronleichnam wird am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Der Name des katholischen Hochfestes leitet sich aus dem Althochdeutschen ab ("Leib des Herrn") und lautet offiziell "Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi". Anlässlich des Festes bringen Katholiken öffentlich ihren Glauben zum Ausdruck, dass Gott unter den Gestalten von Brot und Wein unter ihnen gegenwärtig ist. Als sichtbares Zeichen wird dabei in feierlichen Prozessionen von einem Priester eine reich verzierte Monstranz mit einer geweihten Hostie durch die Straßen getragen. In Köln, wo die Tradition der Fronleichnamsprozessionen im 13. Jahrhundert entstand, und anderen Städten können die Prozessionen in diesem Jahr nach einer zweijährigen Corona-Unterbrechung erstmals wieder stattfinden. (stz/KNA)