Zulehner: Kirche muss Thema Missbrauch "offensiv hinter sich bringen"
Der Pastoraltheologe Paul Zulehner fordert eine aktivere Rolle der Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchs. Die Kirche müsse das Thema "offensiv hinter sich bringen, statt sich dauernd selber darauf festzunageln", sagte Zulehner in einem Interview mit dem Schweizer Portal kath.ch (Samstag). Statt das Thema mit vielen Einzelstudien in jedem Bistum in Deutschland "am Köcheln zu halten", schlug Zulehner vor, alle kirchlichen Archive zu öffnen und eine unabhängige staatliche Kommission einzusetzen, die das Problem bundesweit aufarbeitet.
Gleichzeitig kritisierte Zulehner, dass die Kirche ihre Prioritäten falsch gesetzt habe. Es müsse vor allem um Gott und die Welt gehen, weniger um die Kirche selbst, die letztlich "nur ein Instrument" sei, so der Theologe. Besonders deutlich sei dies bei der Versammlung der Europäischen Bischofskonferenzen im Frühjahr in Prag geworden. Dort sei über Genderfragen und den deutschen Synodalen Weg debattiert worden, während zeitgleich das Europäische Parlament drängende Themen wie den Krieg in der Ukraine, die Klimakrise und Migration behandelte. "Und davon nichts auf der Synode in Prag", kritisierte Zulehner.
Es gebe "unglaublich viele geradezu apokalyptische Ängste" vor allem bei der jungen Generation, stellte Zulehner fest. "In dieser Situation gehe der Welt die Hoffnung aus." Bei einer derart zugespitzten Weltlage", müsse die katholische Kirche gemeinsam mit den anderen christlichen Kirchen, Religionen und Menschen guten Willens "Hoffnungsplattformen bilden". (mtr)