Abtei in Polen droht Millionenverschuldung
Einer Benediktinerinnenabtei im polnischen Staniątki droht eine Verschuldung in Millionenhöhe, sollte sie ihr Kulturerbe-Projekt nicht bis Ende des Jahres fertigstellen. "Wir können mit dieser Situation nicht alleine klarkommen. Es ist wirklich eine Krise", erklärte Äbtissin Stefania Polkowska dem Portal "OSV News" am Donnerstag. Zur Fertigstellung fehlen dem Kloster noch umgerechnet 900.000 Euro. Ein Teil des Projekts ist durch EU-Mittel finanziert, die wiederum an eine Frist bis Ende des Jahres gebunden sind. Sollte das Projekt bis dahin nicht fertig sein, muss das Kloster die Gelder an die EU zurückzahlen. Die Abtei hat inzwischen eine Spendenkampagne ins Leben gerufen.
Die 800 Jahre alte Abtei des Heiligen Adalbert in Staniątki ist der älteste Benediktinerinnenkonvent in Polen. Die Abtei beherbergt jahrhundertealte Manuskripte, Gemälde, liturgische Gewänder und Musikstücke wie zum Beispiel die ersten polnischen Weihnachtslieder. Um diese Stücke zu bewahren und sie gleichzeitig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, begann im Jahr 2018 das Kulturerbe-Projekt. "Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, unser großes spirituelles, religiöses, historisches und kulturelles Erbe, das derzeit hinter den Wänden der Abtei verborgen ist, zu zeigen", erklärte Polkowska.
Kosten mehr als verdoppelt
Zu Beginn lagen die Kosten bei umgerechnet 2,5 Millionen Euro. Etwa 1,6 Millionen Euro wurden aus Fonds der Europäischen Union finanziert, den Rest trugen die Schwestern der Abtei selbst. Doch seit Projektbeginn kamen mehrere Probleme auf, die die Kosten steigen ließen. "Schon in der ersten Bauphase mussten Wasserkanäle, die unter der Abtei verlaufen, mit speziellem Beton abgedeckt werden", so Polkowska. Die COVID-19-Pandemie und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ließen die Preise für Materialien und Arbeiten weiter in die Höhe schießen. Im Oktober dieses Jahres lagen die Gesamtkosten bei umgerechnet 6,35 Millionen Euro. Die meisten Mehrkosten beglichen die Schwestern mithilfe von Spenden und Geldern, die sie aus eigener Arbeit erworben haben.
Die Schwestern seien im Glauben gewesen, das Projekt bis Juni 2027 fertigstellen zu können. Eine Überprüfung im Oktober ergab, dass die Frist schon Ende Dezember 2026 abläuft. Zwar seien die Arbeiten inzwischen fast abgeschlossen, doch die Frist könnten sie so nicht einhalten, erklärte die Äbtissin. In diesem Fall müsste die Abtei die Gelder, die sie von der EU erhalten hat, komplett zurückzahlen. Um das Projekt früher fertigstellen zu können, bitten die Schwestern nun um Spenden und haben dafür eine eigene Seite eingerichtet. "Wir bitten nicht um Komfort. Wir bitten um Hilfe zur Fertigstellung des Projekts, das wir durch gemeinsame Arbeit fast fertiggestellt haben", so Polkowska.