Bischof Bätzing: US-Missbrauchsskandal ist "beschämend"
Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat den Umgang der katholischen Kirche in den USA und Chile mit Missbrauchsfällen kritisiert. "Als Kirche haben wir seit dem Bekanntwerden sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker und Ordensleute im Jahr 2010 unsere eigene 'Me-too'-Debatte. Sie ebbt nicht ab," sagte Bätzing am Mittwoch. Kinder, Jugendliche und Frauen seien "Opfer des Machtgebarens und der sexuellen Ausbeutung von Ordensfrauen und Kirchenmännern geworden", so der Limbruger Bischof. "Das ist beschämend und hat zurecht öffentliche Empörung hervorgerufen." Erst jetzt stünden die Opfer, denen ein lebenslanges Leiden aufgebürdet worden sei, im Mittelpunkt. Über Jahre seien sie mundtot, sprachlos und stumm gemacht worden, sagte Bätzing in der Wallfahrtskirche Wirzenborn in Montabaur.
Erzbistum Washington verteidigt seinen Erzbischof nicht mehr
Unterdessen gerät der Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, nach der Veröffentlichung des Berichts über sexuellen Missbrauch in sechs Bistümern des Bundesstaates Pennsylvania in die Kritik. Das Erzbistum Washington schloss daraufhin eine Internetseite, die Wuerl gegen Vertuschungsvorwürfe im derzeitigen Missbrauchsskandal in Schutz nehmen sollte. Wuerl wird in dem Bericht des Geschworenengerichts mehr als 200-mal genannt. In seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh (1988-2006) soll er demnach sexuelle Übergriffe vertuscht haben. Möglicherweise stehen ihm deshalb Verhöre der Ermittler bevor. Wuerl, der im November 78 Jahre alt wird, leitet seit 2006 die Hauptstadterzdiözese Washington.
Laut der US-Journalistin Courtney Brennan hat das Erzbistum eingeräumt, Urheber der Internetseite zu sein, und diese nach Protesten gegen die Initiative wieder offline gestellt. Auf der Seite wurde unter anderem Wuerls Einsatz für die Missbrauchsprävention hervorgehoben. Der Kardinal ist auch Mitglied der römischen Glaubenskongregation, die mit der Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle betraut ist.
Auch das Erzbistum Baltimore zog erste Konsequenzen aus dem Bericht und zog die ursprünglich geplante Benennung einer katholischen Schule nach dem früheren Leiter des Erzbistums, Kardinal William Henry Keeler, zurück. Auch er soll laut dem Bericht in seiner Zeit als Bischof von Harrisburg Missbrauchsfälle vertuscht haben.
Der am Dienstag vorgestellte Bericht spricht von rund 300 zumeist verstorbenen Priestern, die in den vergangenen 70 Jahren mindestens 1.000 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen. In den untersuchten Bistümern im Bundesstaat Pennsylvania habe eine "Kultur des Vertuschens" durch ranghohe Kirchenobere geherrscht, die den massenhaften Missbrauch erst ermöglicht habe. (tja/KNA)