Missbrauch: Schule wird nicht nach Kardinal benannt
Früherer Erzbischof von Baltimore in der Kritik

Missbrauch: Schule wird nicht nach Kardinal benannt

Nach der Veröffentlichung des schockierenden Berichts über sexuellen Missbrauch durch Priester im Bundesstaat Pennsylvania ist ein weiterer Kardinal in die Kritik geraten. Dabei galt er bisher als vorbildlicher Aufklärer.

Bonn - 16.08.2018

Nach der Veröffentlichung des Berichts über sexuellen Missbrauch durch Priester im US-Bundesstaat Pennsylvania ist auch Kardinal William H. Keeler (87) in die Kritik geraten. Der Erzbischof von Baltimore, William E. Lori, kündigte laut Medienberichten an, dass eine neue katholische Schule, die ursprünglich nach seinem Vorgänger Keeler benannt werden sollte, angesichts der "schmerzlichen Enthüllungen" einen anderen Namen erhalte.

In dem am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht eines Geschworenengerichts wird Keeler vorgeworfen, in seiner Zeit als Bischof von Harrisburg sexuellen Missbrauch vertuscht zu haben. Außerdem habe er später als Erzbischof von Baltimore einem beschuldigten Priester erlaubt, in seinem Bistum zu wirken. Keeler war von 1983 bis 1989 Bischof von Harrisburg. Anschließend leitete er bis 2007 das Erzbistum Baltimore. Dem Kardinalskollegium gehört Keeler seit 1994 an. Im Missbrauchsskandal in den USA hatte er sich einen Namen als Aufklärer erworben, als er 2002 eine Liste mit 57 Priestern des Erzbistums veröffentlichte, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden.

Bericht: 300 Priester begingen sexuelle Übergriffe

In den sechs untersuchten Bistümern in Pennsylvania haben dem Bericht zufolge in den vergangenen 70 Jahren mehr als 300 katholische Priester sexuelle Übergriffe auf Minderjährige begangen. Mindestens tausend Kinder seien missbraucht worden. Generalstaatsanwalt Josh Shapiro, der die bisherigen Ermittlungsergebnisse vorstellte, sprach von einer "jahrzehntelangen Vertuschung" durch ranghohe Kirchenobere in Pennsylvania und im Vatikan.

Straffällig gewordene Priester seien in andere Gemeinden versetzt worden. Fast alle Taten seien rechtlich verjährt. Die Dunkelziffer sei vermutlich hoch. "Obwohl die Liste von Priestern lang ist - wir denken nicht, dass wir alle gekriegt haben", sagte Shapiro. Dennoch sei dies der umfassendste Bericht zu Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche, der jemals in den USA veröffentlicht worden sei.

Vor wenigen Wochen hatte Papst Franziskus den Rücktritt von Kardinal Theodore McCarrick, dem früheren Erzbischof von Washington, angenommen und ihm untersagt, in der Öffentlichkeit als Priester zu wirken und ihm "ein Leben in Gebet und Buße" an einem noch zu bestimmenden Ort auferlegt, bis die Anschuldigungen gegen ihn in einem kirchenrechtlichen Prozess geklärt seien. Der heute 88-jährige McCarrick, der von 2001 bis 2006 das Erzbistum Washington leitete, soll laut Medienberichten zwischen 1970 und 1990 junge Priesteramtskandidaten zu sexuellen Handlungen verführt und auch mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben. (tja)