Churer Bischof Bonnemain will kein Bistum Zürich
Enttäuschung für die Katholiken in Zürich: Der neue Churer Bischof Joseph Bonnemain hat sich gegen eine Verlegung des Bischofssitzes ausgesprochen. "Wir brauchen nicht ein Bistum Zürich, sondern einen Bischof von Chur, der oft in Zürich wirkt", sagte Bonnemain im Interview der "Schweiz am Wochenende". Er enttäuscht damit die Hoffnungen derer, die im Vorfeld seiner Wahl meinten, er werde sich für die jahrzehntealte Idee eines eigenen Bistums Zürich einsetzen.
Präsenz des Churer Bischofs im Kanton Zürich, dem "Schwergewicht im Bistum", ist für Bonnemain selbstverständlich. "Aber ein eigenes Bistum? Denken Sie nur, das braucht ein Ordinariat, eine Hochschule, ein Seminar, eine Bistumsleitung. Und all das zu verdoppeln, das macht wenig Sinn."
Zweitkathedrale nicht ausgeschlossen
Bonnemain schließt allerdings ein Bistum "Chur-Zürich" nicht aus, das neben dem Churer Hauptsitz eine Zweitkathedrale in Zürich hätte. Unmittelbar nach seiner Weihe sagte er zur "SonntagsZeitung", er werde die dazu unter dem früheren Bischof Amedee Grab bereits weit fortgeschrittenen Pläne wieder hervorholen.
Das Bistum Chur liegt im Osten der Schweiz und umfasst ländliche Kantone wie Graubünden und Schwyz, aber auch den großstädtischen Kanton Zürich. Bischofskirche ist die Churer Kathedrale Maria Himmelfahrt. Seit Ende der 1980er Jahre ist das Bistum von innerkirchlichen Spannungen und Polarisierung geprägt. Das Schweizer Staatskirchenrecht räumt den Laien mehr Mitbestimmung ein, als im allgemeinen Kirchenrecht vorgesehen ist, was in den Amtszeiten der konservativen Bischöfe Wolfgang Haas (1988/90-1997) und Vitus Huonder (2007-2019) für viele Konflikte sorgte. Papst Franziskus hatte den 72-jährigen Joseph Bonnemain im Februar zum Oberhirten von Chur ernannt, nachdem das Domkapitel im November auf eine Wahl verzichtet hatte. Seine Bischofsweihe erfolgte im März. (mal/KNA)