Suche
Nach mutmaßlicher Geburt genveränderter Kinder in China

"Designerbabys": Kirchen warnen vor unkalkulierbaren Folgen

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Eine Nadel (rechts im Bild) sticht in eine Eizelle, die von einer Pipette (links) festgehalten wird.
Berlin - Die Kirchen haben nach Berichten über die Geburt zweier genveränderter Babys in China vor unkalkulierbaren Folgen von Veränderungen am menschlichen Erbgut gewarnt. Der Ethikexperte der Bischofskonferenz fand besonders deutliche Worte.

Nach der mutmaßlichen Geburt zweier genveränderter Babys in China haben Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland vor unkalkulierbaren Folgen von Veränderungen am Erbgut des Menschen gewarnt und globale Verpflichtungen gefordert, um vergleichbare Fälle und eine Selektion von Leben zu verhindern. "Wenn sich dieser Vorgang bewahrheitet, dann verletzt er sämtliche wissenschaftliche Regeln", sagte der Augsburger Weihbischof Anton Losinger am Mittwoch der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Am Montag hatten Berichte für Schlagzeilen gesorgt, nach denen ein chinesischer Wissenschaftler das Erbgut von Zwillingsmädchen im frühen Embryonen-Stadium mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas genetisch verändert hat. Es gibt bislang allerdings keine unabhängige Bestätigung des Versuchs.

Losinger: Genveränderung wäre "Menschenexperiment"

Losinger, der von 2005 bis 2016 Mitglied im Deutschen Ethikrat war und als Ethikexperte der Deutschen Bischofskonferenz gilt, bezeichnete die Berichte über die Genveränderung als "Menschenexperiment". "Betroffen wären bei einem solchen Keimbahneingriff nicht nur die Kinder selbst, sondern auch alle ihre Nachkommen", so der Weihbischof.

"Wenn sich dieser Vorgang bewahrheitet, dann verletzt er sämtliche wissenschaftliche Regeln", so Weihbischof Anton Losinger mit Blick auf die Berichte aus China.

Gentechnik im Grundsatz lehnte Losinger aber nicht ab. "Wenn Gentechnik heute zu Therapiezwecken eingesetzt wird, wird niemand sagen, dass das falsch ist – solange sich die Folgen der Technik klar abschätzen lassen." Das sei bei dem aktuell in Rede stehenden Embryonenexperiment nicht der Fall. "Wir brauchen daher in der Biogenetik ähnliche Schutzstandards wie bei den Menschenrechten. Sonst stehen am Ende Perfektionierung und Selektion", sagte der Geistliche.

Evangelische Kirche sieht Grenze überschritten

Ähnliche äußerte sich auch die evangelische Kirche. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", wenn die Angaben aus China zuträfen, "ist hier eine Grenze überschritten worden, die ethisch hochproblematisch ist". Der Bischof warnte: "Genetische Eingriffe in die menschliche Keimbahn wirken sich auf alle Nachkommen aus. Damit öffnet sich die Tür für das gezielte Formen des Designs eines zukünftigen Menschen." Ein solcher Eingriff in das menschliche Leben stehe im Widerspruch zum christlichen Verständnis, das den Menschen als Bild Gottes sehe.

Der Berliner Theologe Andreas Lob-Hüdepohl, der seit 2016 Mitglied im Ethikrat ist, sprach sich für internationale Regelungen in der Embryonenforschung aus. Der Ethikrat sei der Auffassung, "dass eigentlich eine internationale Regelung, die auch verbindlich ist, eingeführt werden" müsse, so Lob-Hüdepohl im Kölner Bistumssender domradio.de. (stz)

kna-katholisch-swarm-node1 (0.002s)