Deutliches Zeichen der Einheit erhofft
"Der vorrangige Zweck und Sinn dieses panorthodoxen Konzils ist es darzustellen, dass die orthodoxe Kirche die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche ist, geeint in den Sakramenten, besonders in der Göttlichen Eucharistie, im orthodoxen Glauben, aber auch in der Konziliarität", schreibt der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., in seiner Enzyklika zur Einberufung der Synode.
Damit kommt die orthodoxe Kirche nach einer jahrzehntelangen Vorbereitungsphase endlich auf die Zielgerade. Bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es erste Vorschläge zu einem Konzil, sie nahmen Fahrt auf durch den Einfluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) der katholischen Kirche und wurden in den 1970er Jahren konkreter. Damals war allerdings ein Großteil der orthodoxen Welt unter kommunistischer Herrschaft, so dass die Voraussetzungen für ein freies Konzil nicht gegeben waren. Nach dem Ende des Sowjet-Imperiums konnten die Kirchen wieder freier agieren, aber es entstanden neue Konfliktlinien durch Absetzbewegungen vom Moskauer Patriarchat. Die Frage, unter welchen Bedingungen eine Landeskirche ihre "Autokephalie" erhält, gehört immer noch zu den heiß umstrittenen Themen, vor allem mit Blick auf die drei orthodoxen Kirchen in der Ukraine. Um das Konzil überhaupt zu ermöglichen, wurde sie erst einmal vertagt.
Hinzu kamen aktuelle politische Schwierigkeiten: Ursprünglich sollte die alte Konzilsstadt Konstantinopel (Istanbul) der Tagungsort sein, aber die türkischen Behörden reagierten nicht auf die Anfrage, ob die Teilnehmer die historische Irenenkirche - heute ein Museum - für die Versammlung nutzen können. Dann eskalierte der Konflikt zwischen Russland und der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kriegsflugzeugs, und Istanbul wurde für die russische Kirche zur No-Go-Area. Eine Krisensitzung der Patriarchen im Januar in Chambesy bei Genf führte schließlich zur Kompromisslösung des Tagungsorts Kreta.
In der orthodoxe Kathedrale "Hagios Minas" der Hauptstadt Iraklio wird am orthodoxen Pfingstsonntag (19. Juni) die feierliche Eröffnung stattfinden - das ZDF bereitet übrigens eine Übertragung vor. Die anschließenden Beratungen finden in der Orthodoxen Akademie von Kolymvari im Nordwesten der Insel statt. Dabei geht es um Beschlussvorlagen zu Fragen der Pastoral, der innerorthodoxen Beziehungen, der Sendung der orthodoxen Kirche in der Welt und der ökumenischen Zusammenarbeit. Vor allem die Ökumene-Vorlage, die eine grundsätzlich positive Sicht der Beziehungen zu den nichtorthodoxen Kirchen beschreibt, geht manchen zu weit und wurde in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert. Der Entwurf zum Thema des Ehesakraments und seiner Hindernisse wurde bei der erwähnten Vorbereitungssitzung in Chambesy vom georgischen Patriarchen Ilja II. nicht unterschrieben.
Die eine Kirche Christi tritt in verschiedensten Formen auf, etwa in den orthodoxen und orientalischen Kirchen. Wir erklären das katholische Verständnis von "Kirche", was das für die Ökumene bedeutet und stellen unterschiedliche Traditionen vor.
Wie weit die kontroversen Fragen beim Konzil selbst offen diskutiert werden können, muss sich noch zeigen. Die Verfahrensregeln sind jedenfalls rigide: Wortmeldungen müssen beim Sekretariat des Konzils eingereicht werden und dürfen nicht länger als zehn Minuten dauern, bei einer zweiten Meldung nur fünf Minuten; die 14 Patriarchen haben die doppelte Redezeit. Die Abstimmung erfolgt nicht nach einzelnen Teilnehmern, sondern jede Delegation hat eine Stimme; schließlich ist für Veränderungen der Vorlagen das Konsensprinzip aller Delegationen erforderlich - was nicht einstimmig angenommen wird, gilt als abgelehnt.
Konzil nur ein erster Schritt
Damit kann das Konzil nur ein erster Schritt sein, um die anstehenden Fragen zu klären. Dass es sich dabei nicht um dogmatische Fragen handelt, macht die Sache nur scheinbar leichter, denn gewachsene unterschiedliche Praktiken sind oft identitätsstiftend. So kam eine eher profane Frage wie die Änderung des Kalenders - die meisten orthodoxen Kirchen folgen noch dem alten Julianischen Kalender, wodurch sich eine Abweichung von 13 Tagen zum in der übrigen Welt geltenden Gregorianischen Kalender ergibt - nicht einmal auf die Tagesordnung, weil ein Konsens hier nicht wahrscheinlich ist. Allerdings könnte es für die nichtbehandelten Fragen weitere Sessionen des Konzils geben, wenn sich dieses erst einmal gefunden hat.
Mindestens zwei Konzilsteilnehmer kommen laut den bisher bekannten Delegationslisten aus Deutschland: der zum Konstantinopler Patriarchat gehörende griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos, der auch Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland ist, und der in München residierende Erzbischof Mark von der russisch-orthodoxen Auslandskirche (Moskauer Patriarchat).
Historischer Handschlag in Havanna: Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kyrill I. haben sich in der kubanischen Haupstadt zu ihrer ersten Begegnung getroffen. Sie unterzeichneten eine achtseitige gemeinsame Erklärung.
Auf Kuba ist es zu der historischen Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. gekommen. Dabei unterzeichneten Papst und Patriarch eine gemeinsame Erklärung. Katholisch.de dokumentiert den Wortlaut der Erklärung.