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Kilian Martin zur Diplomatie von Franziskus

Ein Kirchentag im Schatten des Papstes

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Schachfigur
Bonn - Kilian Martin zur Diplomatie von Franziskus

Im 500. Jubiläumsjahr der Reformation dürften sich die Veranstalter wohl mehr politische Nachhaltigkeit von ihrem Evangelischen Kirchentag erhofft haben. Abseits des überflüssigen AfD-Podiums (Erkenntnisgewinn?) und einiger wohlfeiler Wahlkampfauftritte der Regierungsbeteiligten war da nicht viel. Viel wurde geredet, geklatscht, manchmal auch gebuht – aber am Ende bleibt ein Kirchentag in seiner politischen Dimension ein auf Selbstbestätigung getrimmtes Festival der Beliebigkeit.

Wie Kirche politisch, relevant und kantig ist, machte den Protestanten ausgerechnet der Mann in Rom vor: Parallel zum lutherischen Treiben in Berlin, Wittenberg und irgendwo "auf dem Weg" absolvierte Franziskus in den vergangenen Tagen ein bemerkenswertes Programm.

Kurz bevor die Menge am Brandenburger Tor den messianischen Auftritt ihres Für-immer-Lieblingspräsidenten Barack Obama bejubelte, trat der Papst der Realität entgegen. Mit feinem Gespür handelte der Vatikan die Privataudienz Donald Trumps ab. Wohlwissend, dass politische Ziele selten mit großen Gesten erreicht werden, beließ man es dabei. Am Montag konnte Franziskus dann den kanadischen Premier Justin Trudeau befragen, wie Trump beim G7-Gipfel alle päpstlichen Bitten um mehr Engagement für die Umwelt vergessen hatte; und sich damit selbst isolierte. Diplomatie nennt man das Spiel und diese Runde ging an den Papst.

Aber es gibt Themen, die besser auf einen deutschen Kirchentag passen als Weltklimapolitik, Arbeit zum Beispiel: "Eine Krankheit der Wirtschaft ist die fortschreitende Transformation von Unternehmern in Spekulanten." – sagte nicht etwa einer der zahlreichen sozialdemokratischen Spitzenpolitiker in Berlin. Der Papst sprach's vor Arbeitern und Managern.

Von Franziskus ist man solche kantigen und hochpolitischen Worte gewohnt. Er legt sie seit Beginn seiner Amtszeit mit all seiner Autorität in seine Schriften und Botschaften. Gerade deshalb wird er in der ganzen Welt gehört, auch in der Nichtkatholischen. Doch auf deutschen Kirchen- und Katholikentagen werden weder diplomatische Siege verbucht noch Verantwortliche abgekanzelt. Der nachhaltigen Relevanz der Veranstaltungen ist das sicher nicht zuträglich.

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