Suche
Staatsanwaltschaft untersucht mutmaßliche sexuelle Übergriffe

Erzbischof Aupetit über Ermittlungen "überrascht, aber gelassen"

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Der Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, segnet die Gemeinde am Ende einer Messe.
Paris - Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Pariser Erzbischof. Michel Aupetit weist die Vorwürfe aber als unbegründet zurück: Er habe sich nichts vorzuwerfen. Auch sein Anwalt ist zuversichtlich.

Der ehemalige Pariser Erzbischof Michel Aupetit zeigt sich angesichts der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn überrascht und empört, aber gelassen. Das teilte sein Anwalt dem Radiosender "France Info" mit. Aupetit wisse, um welchen Vorgang es bei dem Vorwurf gehe, und sei sich sicher, dass die Beschwerde unbegründet sei. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft auf eine Anzeige des Erzbistums Paris hin wegen des Verdachts sexueller Übergriffe auf eine schutzbedürftige Person gegen den emeritierten Erzbischof ermittelt.

Aupetit sei noch nicht von der Staatsanwaltschaft vorgeladen worden, er habe von den Ermittlungen nur aus der Presse erfahren, so sein Anwalt Jean Reinhart. "Er kennt weder die Hintergründe noch die Zusammenhänge, er weiß nicht, wer die Anzeige erstattet hat, er wusste nicht einmal, dass das Bistum eine Anzeige erhalten hat, also ist er extrem überrascht", betonte Reinhart und zeigte sich überzeugt, dass die Ermittlungen im Sande verlaufen würden. Unter Berufung auf Justizkreise berichtet "France Info", dass der Verdacht gegen Aupetit sich bislang nicht erhärtet habe.

Erzdiözese spricht nicht von sexuellen Übergriffen

Am Dienstag hatte die Erzdiözese Paris erste Medienberichte bestätigt und darauf hingewiesen, dass sie die Vorwürfe nicht selbst überprüfen könne und in ihrer Mitteilung an die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt nicht als "sexuellen Übergriffe" eingeordnet habe. Die Übermittlung an die Behörden sei auf Grundlage einer 2019 zwischen dem Erzbistum und der Staatsanwaltschaft getroffenen Vereinbarung zur Zusammenarbeit getroffen worden.

Papst Franziskus hatte Ende 2021 überraschend den Rücktritt des Pariser Erzbischofs angenommen, den dieser nur eine Woche vorher angeboten hatte, nachdem in den Medien Gerüchte über eine unangemessene Beziehung Aupetits zu einer Frau öffentlich geworden waren. Später äußerte sich Franziskus zu der ungewöhnlich schnellen Annahme des Rücktritts. Für Verwirrung sorgte die Darstellung des Papstes, Aupetit habe vor Jahren seine Sekretärin "leicht gestreichelt und massiert"; zuvor hieß es, seine Sekretärin habe durch eine fehlgeleitete E-Mail von einer unangemessenen Beziehung zu einer Frau erfahren. Aupetit hatte eingeräumt, dass sein Verhalten gegenüber der Frau "möglicherweise mehrdeutig" gewesen sei, wies aber Gerüchte über eine intime Beziehung zurück. Der Radiosender France24 berichtete unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Quelle, dass der aktuelle Verdacht durch eine E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Erzbischof und einer Frau entstanden sei.

Die Kirche in Frankreich wird seit Monaten durch Missbrauchsvorwürfe erschüttert. Elf Bischöfe stehen im Visier staatlicher oder kirchlicher Untersuchungsbehörden. Zuletzt hatte der emeritierte Straßburger Erzbischof Jean-Pierre Grallet  "unangemessene Gesten" gegenüber einer erwachsenen jungen Frau in den 1980er-Jahren eingeräumt. (fxn)

kna-katholisch-swarm-node3 (0.013s)