Gericht in Kenia spricht Hungerprediger schuldig
Der Anführer einer kenianischen Hunger-Sekte, Paul Mackenzie (Foto oben), ist wegen Mordes an 191 Menschen für schuldig befunden worden. Es handelt sich bei den Opfern fast ausschließlich um Kinder. Der selbsternannte Pastor hatte seine zahlreichen Anhänger dazu aufgefordert, ihre Kinder zu Tode hungern zu lassen, um Jesus zu begegnen, berichtet die BBC am Montag. Laut seiner endzeitlichen Ideologie war Bildung verboten und moderne Medizin galt als "böse".
Mit ihm wurden 29 weitere leitende Persönlichkeiten der Sekte für schuldig befunden. Sie alle hatten auf nicht schuldig plädiert und darauf verwiesen, dass niemand zum Hungern gezwungen worden sei. Ursprünglich hatte es 30 weitere Angeklagte gegeben, doch der ehemalige Sicherheitschef der Sekte war nach einem Deal mit dem Gericht als Zeuge aufgetreten.
Weitere Verfahren
Gegen die Sektenführer laufen neben der Anklage wegen Mordes noch weitere Verfahren, unter anderem wegen Terrorismus, Radikalisierung und der Verweigerung von Bildung für Kinder.
Der Fall der Hunger-Sekte hatte im Jahr 2023 über die Grenzen Kenias hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Ermittler fanden Massengräber mit mehr als 400 Leichen darin, neben den Kindern hungerten auch viele Erwachsene bis zum Tod. Die Anhänger Mackenzies hatten sich zuletzt in einen Wald an der Küste in der Nähe von Malindi zurückgezogen. Die von Mackenzi 2003 gegründete Sekte hatte zuvor über viele Jahre stetig an Mitgliedern gewonnen.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Religionspolitik in dem ostafrikanischen Land: In Kenia sind in den vergangenen Jahren zahlreiche zum Teil sehr kleine Freikirchen entstanden, deren Mitgliederzahlen stetig gewachsen sind. Oft sind die Predigten endzeitlich geprägt und fordern unbedingten Gehorsam der Mitglieder. Diese kommen besonders aus den Armenvierteln des Landes. Kirchen sind in dem Land kaum reguliert; es gibt mittlerweile Tausende davon.